Mutige Preisträger setzen auf gemeinschaftliches Handeln und gelebte Demokratie für eine lebenswertere Zukunft.
Alternativer Nobelpreis für Klimaschützer und Cyber-Expertin aus Taiwan

Die Klimaschützer aus verschiedenen Inselnationen im Pazifik und eine Cyber-Expertin aus Taiwan, sowie anonyme Aktivisten in Myanmar und freiwillige Nothelfer im Sudan werden in diesem Jahr abseits der großen Weltöffentlichkeit für eine bessere Zukunft mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.
Die diesjährigen Preisträger wurden von der zuständigen Right Livelihood Stiftung in Stockholm für ihr gemeinschaftliches Handeln, Widerstand und gelebte Demokratie gewürdigt, während Autoritarismus und Polarisierung weltweit zunehmen.
«Gemeinschaftliches Handeln ist die stärkste Antwort der Menschheit auf Gewalt, Polarisierung und Klimakatastrophen», sagte Stiftungsdirektor Ole von Uexküll. Der Mut und der Weitblick der Preisträger sorgten für Hoffnung und zeigten, dass eine gerechtere und lebenswertere Zukunft möglich sei.
Gemeinschaftlich gegen Gewalt und Klimakrise
Die Gewinner des diesjährigen Right Livelihood Awards, auch bekannt als Alternativer Nobelpreis, verdeutlichen, wie stark die Zivilgesellschaft sein kann, wenn sie sich organisiert. Die Organisation Pacific Islands Students Fighting Climate Change (PISFCC) aus dem Ozeanien und der Menschenrechtsanwalt Julian Aguon von Guam werden gemeinsam ausgezeichnet, weil sie die Klimakrise vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag gebracht haben, um Staaten rechtlich zur Bekämpfung des Klimawandels zu verpflichten.
Die taiwanesische Hackerin und Programmiererin Audrey Tang wird mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet, weil sie digitale Technologien nutzt, um die Demokratie zu fördern, die Zivilgesellschaft zu beteiligen und gesellschaftliche Spaltungen zu überwinden. Gleichzeitig enthüllt die anonyme Aktivistengruppe Justice For Myanmar, wie die Militärjunta in Myanmar aus dem Ausland finanziell unterstützt wird, so die Preisstiftung.
Das Freiwilligennetzwerk der Emergency Response Rooms wird erneut für seine gemeinschaftliche Nothilfe für Millionen Menschen im Sudan geehrt. Vor zwei Wochen erhielt das Netzwerk bereits den renommierten norwegischen Rafto-Menschenrechtspreis für seinen unermüdlichen Einsatz in dem bürgerkriegsgebeutelten Land.
In einer Reihe mit Lindgren, Snowden und Thunberg
Der Right Livelihood Award wird seit 1980 an mutige Vorkämpfer für Klima- und Umweltschutz, Menschenrechte, Gerechtigkeit und Frieden vergeben. Über die Jahre hat sich der Beiname «Alternativer Nobelpreis» für den Award eingebürgert, auch wenn die Auszeichnung in kritischer Distanz zu den eigentlichen Nobelpreisen steht, deren diesjährige Preisträger ab Montag nach und nach in Stockholm und Oslo verkündet werden.
Unter den bisherigen Preisträgern des Right Livelihood Awards finden sich bekannte Persönlichkeiten wie die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren, der US-Whistleblower Edward Snowden und die schwedische Aktivistin Greta Thunberg. Doch in der Regel wird der Preis an weniger bekannte internationale Persönlichkeiten verliehen, um diesen mehr Gehör zu verschaffen.
Die Preisstiftung geht diesen Weg erneut und lenkt damit den Blick auf oft übersehene oder verdrängte Krisen und Konflikte, die angesichts der aktuellen Weltlage mit dem Ukraine- und Gaza-Krieg leicht in Vergessenheit geraten können.
Macht der organisierten Zivilgesellschaft
Diesmal standen 159 Nominierte aus 67 Ländern zur Auswahl. Von Uexküll hat beim Blick auf den Kandidatenkreis einen bemerkenswerten Trend beobachtet, dass sich Bürger und Gemeinschaften vermehrt proaktiv rund um gemeinsame Werte und Sorgen vernetzen. Dabei gehe es nicht um vereinzelte Idealisten, sondern um viel mehr.
«Wir sprechen hier von wirklich strategischem Organisieren, das wir als einen Weg zum Aufbau von Macht betrachten», sagte von Uexküll. «Dieser Weg hat dasselbe Potenzial zur Veränderung des Laufs der Geschichte wie die missbräuchliche Machtausübung, die wir bei manchen sogenannten Weltführern beobachten.»
Uexküll ist überzeugt, dass Menschen und Gemeinschaften in äußerst schwierigen Konflikten einen spürbaren Unterschied machen könnten – und dass man in den kommenden Jahren eine ganze Menge mehr davon brauche, während sich die Welt in eine sehr gefährliche Richtung bewege.
Preiszeremonie in Stockholm im Dezember
Am 2. Dezember werden die Gewinner bei einer feierlichen Zeremonie in Stockholm geehrt. Die Auszeichnung beinhaltet lebenslange Unterstützung durch die Right Livelihood Stiftung, die bisher rund 200 Preisträger aus etwa 80 Ländern ausgezeichnet hat. Die diesjährigen Preisträger sind die ersten aus ihren jeweiligen Ländern.








