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Armutsgefährdung bei Senioren steigt, Rentensystem in der Kritik

Die Armutsgefährdung bei Senioren, insbesondere bei Frauen, ist gestiegen. Die Rentenentwicklung wird als Ursache benannt und eine Anpassung an das österreichische Rentensystem gefordert.

Über 20 Prozent der Frauen über 65 in Deutschland sind armutsgefärdet. Bei den Männern sind es etwa 18 Prozent.
Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa

Der Prozentsatz der älteren Menschen mit sehr geringem Einkommen ist im letzten Jahr gestiegen, insbesondere bei Frauen. Insgesamt galten 2023 laut Daten des Statistischen Bundesamts 18,1 Prozent der Personen ab 65 Jahren als armutsgefährdet, was 0,6 Prozentpunkte mehr waren als im Vorjahr. Bei den Frauen in dieser Altersgruppe waren es sogar 20,2 Prozent, was 0,8 Punkte mehr waren als 2022.

Die Zahlen aus dem Mikrozensus 2023 hat die Bundestagsabgeordnete Sahra Wagenknecht abgefragt. Sie schlüsseln die «Armutsgefährdungsquote» nach Alter und anderen Merkmalen auf. Die Quote benennt den Anteil der Menschen, die weniger als 60 Prozent des Medians der Äquivalenzeinkommen haben.

Der Median teilt einen Datensatz in zwei gleich große Hälften; das Äquivalenzeinkommen ergibt sich aus dem Gesamteinkommen eines Haushalts und der Anzahl sowie dem Alter der darin lebenden Personen unter Berücksichtigung von Einspareffekten größerer Haushalte.

Besonders junge Menschen betroffen

Insgesamt ist dieser Anteil leicht gesunken: 16,6 Prozent der Gesamtbevölkerung galten als armutsgefährdet, nach 16,8 Prozent im Jahr 2022. Junge Menschen sind insgesamt öfter betroffen als ältere. Am höchsten war die Quote im Jahr 2023 im Alter unter 18 Jahren (20,7 Prozent) und im Alter zwischen 18 und 25 Jahren (25,0 Prozent).

Der Anteil in diesen Altersgruppen sank jedoch etwas – im Gegensatz zur Generation 65 plus. Ältere Männer sind zwar seltener von Armut bedroht als Frauen: Ihre Quote betrug 15,4 Prozent. Aber sie stieg auch leicht an, und zwar um 0,3 Prozent.

Wagenknecht sieht Schuld bei Regierung

Wagenknecht nannte die Werte beschämend und führte sie auf die Entwicklung der Renten zurück: «Noch nie waren so viele Menschen von Armut im Alter betroffen wie unter der Ampel. Das ist kein Wunder, denn die Renten sind in den vergangenen Jahren dreimal hintereinander real gesunken. Rentner gehören zu den großen Verlierern der Teuerung.»

Die Renten stiegen zum 1. Juli 2022 im Westen um 5,35 Prozent und im Osten um 6,12 Prozent, gefolgt von einem Anstieg um 4,39 Prozent im Westen und 5,86 Prozent im Osten im Juli 2023. Dies ist im Vergleich zu früheren Jahren viel. Die Preise stiegen jedoch zeitweise noch schneller. Die Inflationsrate lag im Jahresdurchschnitt 2022 bei 6,9 Prozent und im Jahr 2023 bei 5,9 Prozent.

Wagenknecht erneuerte ihre Forderung, das deutsche Rentensystem so auszugestalten wie das österreichische. Im Nachbarland sind viele Renten höher, allerdings auch die Beiträge. «Am Tag der nächsten Bundestagswahl sollten die Bürger auch über unsere Rente direkt entscheiden können», forderte die Vorsitzende des neuen Bündnis Sahra Wagenknecht. «Wir brauchen eine Volksabstimmung über ein Rentensystem wie in Österreich.»

dpa