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Mehr Menschen wenden sich an Antidiskriminierungsstelle

Diskriminierungen wegen des Aussehens, wegen der Religion, wegen des Geschlechts erleben viele Menschen täglich. Jedes Jahr wenden sich mehr Betroffene an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Betroffene von Diskriminierung fühlten sich zunehmend alleine gelassen, so Ataman.
Foto: Hannes P Albert/dpa

Im letzten Jahr haben sich wesentlich mehr Menschen wegen Diskriminierungserfahrungen an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes gewandt als im Jahr zuvor. Im Jahr 2023 gab es 10.772 Beratungsanfragen, etwa 2000 mehr als im Vorjahr und ein erneuter Rekordwert. Dies geht aus dem Jahresbericht der Stelle hervor, den die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Ferda Ataman, in Berlin vorgelegt hat. Ataman bezeichnete dies als einen alarmierenden Trend.

Rassismus äußere sich offener, direkter und härter, sagte sie. «Eine «Ausländer-Raus»-Stimmung und zunehmende Menschenverachtung beobachten wir nicht nur beim Feiern auf Sylt oder auf Volksfesten.» Migranten, Menschen mit Behinderung und queere Menschen erlebten sie ganz konkret in ihrem Alltag. Ataman nannte etwa Diskriminierungen im Job oder bei der Wohnungssuche. Die Betroffenen fühlten sich zunehmend alleine gelassen.

Rassismus und Antisemitismus häufigste Gründe

Nach dem Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz (AGG) dürfen Menschen nicht «aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität» benachteiligt werden.

Die meisten Anfragen bei der Antidiskriminierungsstelle betrafen im Zusammenhang mit diesem Gesetz rassistische oder antisemitische Diskriminierung (41 Prozent). In 25 Prozent der Fälle ging es um Diskriminierungen aufgrund einer Behinderung, in 24 Prozent wegen des Geschlechts. 14 Prozent der Anfragen bezogen sich auf Benachteiligungen wegen des Alters.

Laut dem Bericht findet Diskriminierung besonders häufig weiterhin im Arbeitsleben statt: Ein Drittel (2646) der gemeldeten Fälle betraf negative Erfahrungen am Arbeitsplatz. Der zweitgrößte Anteil der Beratungsfälle (1525) bezog sich auf Ausgrenzungserfahrungen im Alltag, wie zum Beispiel in Restaurants, beim Einkaufen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. An dritter Stelle standen schlechte Erfahrungen mit Ämtern, Behörden, Polizei und Justiz (1146).

Zahlen zeigen nicht wahres Ausmaß von Diskriminierung

«Die Zahlen ergeben kein repräsentatives Bild der Diskriminierungsfälle in Deutschland», heißt es in dem Bericht. So gebe es neben der Antidiskriminierungsstelle des Bundes weitere Anlaufstellen, an die sich Menschen wenden können. Außerdem würden die meisten Betroffenen Diskriminierung auch gar nicht melden. «Wir müssen daher von einer hohen Dunkelziffer ausgehen.»

Es kann daher keine Schlussfolgerung gezogen werden, dass Diskriminierung in der Gesellschaft tatsächlich zunimmt, basierend auf dem Anstieg der Zahlen. Der Anstieg könnte auch darauf zurückzuführen sein, dass mehr Menschen von dem Service erfahren und ihn in Anspruch nehmen oder dass mehr Menschen den Mut finden, sich an die Beratungsstelle zu wenden.

Ladendetektiv fischt gezielt schwarzen Kunden heraus

Der Bericht hebt einige Beispiele von Betroffenen hervor. Ein Mann mit schwarzer Hautfarbe wandte sich an die Antidiskriminierungsstelle, nachdem er als Einziger beim Betreten eines Kaufhauses vom Ladendetektiv aufgefordert wurde, sich auszuweisen.

Der Detektiv begründete das Vorgehen damit, dass es häufiger zu Diebstählen durch Schwarze gekommen sei. In einem weiteren Fall berichtete eine pensionierte Lehrerin, dass sie nach einer Bewerbung auf eine Vertretungsstelle abgewiesen worden sei, weil das Kollegium jung sei und ältere Lehrer dort «nicht zurechtkämen».

Antidiskriminierungsstelle hilft bei Ausgrenzungserfahrungen

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes berät seit 2006 Betroffene auf Grundlage des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes bei der Durchsetzung ihrer Rechte. Die Stelle holt auch Stellungnahmen der Gegenseite ein und vermittelt gütliche Einigungen. Im Laufe der Jahre hat sich die Gesamtzahl der Beratungsanfragen kontinuierlich erhöht.

dpa