Der Gaza-Krieg mit seinen vielen zivilen Opfern schadet Israels Ansehen. Er facht jedoch auch Antisemitismus an, den es schon vorher gab, der nun aber jüdisches Leben weltweit zunehmend gefährdet.
Antisemitismus: schlimmster Ausbruch seit Zweitem Weltkrieg

Laut einem Bericht der Universität Tel Aviv und der Anti-Diffamierungsliga aus den USA ist es weltweit seit dem Terrorüberfall der islamistischen Hamas und anderer Extremisten aus dem Gazastreifen auf Israel und dem Gegenangriff Israels zum schlimmsten Ausbruch von Antisemitismus seit dem Zweiten Weltkrieg gekommen. Im vergangenen Jahr gab es beispielsweise in den USA durchschnittlich etwa drei Bombendrohungen pro Tag gegen Synagogen und jüdische Einrichtungen. Wenn dieser Trend anhält, werden Juden ihre Identität in der westlichen Welt künftig nicht mehr in Sicherheit und Freiheit leben können.
«Dieser Bericht überbringt schlechte Nachrichten», heißt es im Vorwort. Jedoch warnen die Autoren auch vor Panik. «Die Bedrängnis und Gefahr, in der sich Juden derzeit befinden, sollte nicht überbewertet werden. Wir leben nicht im Jahr 1939, geschweige denn 1942», stellten sie klar. Allerdings habe der Antisemitismus schon in den Monaten und Jahren vor dem 7. Oktober stetig zugenommen, und «der Krieg in Gaza hat diesen bereits außer Kontrolle geratenen Brand weiter angefacht».
So wurden in den USA, wo etwa sechs Millionen Juden leben, zwischen Januar und September 2023 insgesamt rund 3500 antisemitische Vorfälle registriert, seit dem Hamas-Überfall in den letzten drei Monaten des Jahres jedoch fast 4000. Ähnlich sei die Situation auch in anderen Ländern wie Deutschland, wo von Januar bis September des vergangenen Jahres 1365 antisemitische Vorfälle gezählt wurden und von Oktober bis Dezember 2249.
Der Bericht warnt davor, diese Entwicklung mit «einer emotionalen Reaktion auf den Krieg und die Katastrophe, die er über die Zivilbevölkerung gebracht hat», zu erklären. Das sei nicht richtig, weil einige der abscheulichsten antisemitischen Äußerungen im Zusammenhang mit dem Konflikt schon in den ersten Tagen nach dem 7. Oktober geäußert worden seien, als Israel seine Militäraktion noch nicht begonnen habe.
Antisemitismus wird sowohl von der extremen Rechten als auch von der extremen Linken verbreitet und breitet sich auf die Mitte der Gesellschaft aus. Solche Botschaften werden oft über soziale Medien verbreitet, die es den Böswilligen ermöglichen, Unwahrheiten, Verleumdungen und Verschwörungstheorien zu verbreiten, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Die Autoren betonten, dass eine entscheidende Lektion aus dem Gaza-Krieg sei, dass ohne endgültige Überwindung des Antisemitismus in arabischen Gesellschaften kein Frieden im Nahen Osten möglich sei. Daher müsse die Forderung nach entsprechenden Maßnahmen in allen zukünftigen diplomatischen Prozessen eine zentrale Rolle spielen.








