Israel hat alle Geiseln, doch die Hamas zögert mit der Leichenübergabe. Zweite Phase des Gaza-Friedensplans noch unsicher.
Israelische Geiseln zurück, Hamas-Leichenübergabe stockt

Alle Geiseln, die von der Hamas entführt wurden, sind nun in Israel zurück: Die Identität der Leiche des Polizisten Ran Gvili wurde bestätigt und nach Israel gebracht, sagte die israelische Armee. Zuvor hatte das israelische Militär auf einem Friedhof im Gazastreifen nach der letzten vermissten Geisel gesucht. Laut eigenen Angaben hatte die Terrororganisation Hamas den Vermittlern des Gaza-Abkommens alle erforderlichen Informationen zur Auffindung der Leiche übermittelt.
Sobald Israel die Leichen von 15 Palästinensern übergeben hat, sind die Bedingungen für den Beginn der zweiten Phase des von den USA unterstützten Gaza-Friedensplans offiziell erfüllt.
Die US-Regierung hat bereits die zweite Phase ausgerufen, die zum endgültigen Ende des Gaza-Kriegs führen soll. Die israelische Regierung hat erklärt, dass sie erst in die nächste Phase des Friedensplans eintreten wird, wenn der Leichnam der letzten Geisel nach Israel zurückgebracht wurde. Der Gaza-Krieg begann mit dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 in Israel.
Diese Punkte des Friedensplans wurden bislang umgesetzt
Im Rahmen des US-Friedensplans trat am 10. Oktober 2025 eine Waffenruhe zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas in Kraft. Islamistische Gruppen im Gazastreifen ließen die letzten 20 noch lebenden Geiseln frei, darunter auch Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft, die zuvor von Israel entführt worden waren. Als Gegenleistung befreite Israel knapp 2.000 palästinensische Häftlinge aus den Gefängnissen.
Die Hamas übergab die letzten 28 Geisel-Leichen, jedoch langsamer als vereinbart. Unter den Toten waren auch Ausländer, die aus Israel entführt wurden. Israel gab für jede tote israelische Geisel die sterblichen Überreste von 15 Gazabewohnern zurück, insgesamt bisher 360. Die genauen Todesumstände der Palästinenser sind unbekannt.
Im Rahmen der mühsam errungenen Einigung kommt auch mehr Hilfe in den Gazastreifen. Israelische Soldaten zogen sich in dem Küstenstreifen zudem hinter die sogenannte «gelbe Linie» zurück. Israels Armee kontrolliert damit noch immer etwas mehr als die Hälfte des Palästinensergebiets.
Hamas soll nun entwaffnet werden
Die zweite Phase des Abkommens, die bereits von den USA ausgerufen wurde, sieht vor, dass die Hamas entwaffnet wird, was die Islamistenorganisation jedoch bisher abgelehnt hat. Beobachtern zufolge ist ein Kompromiss möglich, bei dem die Islamisten beispielsweise auf Raketen verzichten könnten. Hamas-Mitglieder, die sich zur friedlichen Koexistenz mit Israel verpflichten und ihre Waffen niederlegen, sollen begnadigt werden. Falls es keine Einigung in dieser schwierigen Frage gibt, könnte der Krieg erneut ausbrechen.
Übergangsregierung und weitere Gaza-Gremien gebildet
Kürzlich wurden als Teil der zweiten Phase bereits die 14 Mitglieder einer palästinensischen Übergangsregierung bekanntgegeben, die den in zwei Kriegsjahren weitgehend zerstörten Gazastreifen verwalten soll.
Zur Unterstützung dieser Regierung von Fachleuten, die keine Verbindung zur islamistischen Hamas haben sollen, wurde ein Gremium namens «Gaza Executive Board» ins Leben gerufen. Diesem gehören unter anderem der US-Sondergesandte Steve Witkoff, der britische Ex-Premier Tony Blair, der türkische Außenminister Hakan Fidan und der ranghohe katarische Diplomat Ali Thawadi an. Die Aufnahme der prominenten Vertreter aus Katar und der Türkei ärgert Israel. Beide Länder gelten als Unterstützer der Hamas. Berichten zufolge haben sie die Hamas aber dazu gebracht, dem Gaza-Abkommen zuzustimmen.
Ein weiteres neues Gremium, das Exekutivkomitee, soll darüber hinaus die neue palästinensische Übergangsregierung beaufsichtigen und außerdem den Wiederaufbau im zerstörten Gazastreifen steuern. Dem sogenannten «Founding Executive Board» gehören unter anderem US-Außenminister Marco Rubio, Weltbank-Präsident Ajay Banga, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sowie Witkoff und Blair an.
«Friedensrat» soll Friedensprozesses in Gaza überwachen
All diese Gremien sind dem sogenannten «Friedensrat» unterstellt, der sich aus führenden Politikern aus aller Welt zusammensetzen und von US-Präsident Donald Trump geleitet werden wird. Dieser «Friedensrat» soll den Friedensprozess im Gazastreifen überwachen. Er wird sich – anders als zunächst erwartet – aber auch um andere internationale Konflikte kümmern. Beobachter sehen ihn als Konkurrenz zu den Vereinten Nationen. Viele europäische Staaten, darunter Deutschland, lehnen einen Beitritt ab. Mit dabei sind unter anderem Ungarn, Israel, Belarus, Katar, Saudi-Arabien und die Türkei.
Internationale Truppe soll Israels Armee in Gaza ablösen
Der «Friedensrat» soll auch eine internationale Stabilisierungstruppe (ISF) aufbauen, die im Gazastreifen für Ordnung sorgen soll. Ihre genaue Zusammensetzung ist allerdings noch offen. Mehrere mehrheitlich muslimische Länder hatten aber bereits Bereitschaft signalisiert, Soldaten zu stellen, so etwa Indonesien und Pakistan. Deutschland beabsichtigt nicht, sich militärisch an der ISF zu beteiligen.
Die israelische Armee soll sich aus dem Gazastreifen zurückziehen und schrittweise die bisher besetzten Gebiete an die ISF übergeben. Es gibt noch keinen konkreten Zeitplan für all diese Punkte.
Es ist unklar, ob der Übergang zur zweiten Phase erfolgreich sein wird. Die Differenzen zwischen den Kriegsparteien sind enorm. Die Waffenruhe im Gaza-Krieg war bereits in der ersten Phase mehrmals instabil.








