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Nord-Stream-Verdächtiger in Polen gefasst

Als Taucher soll er an der Sabotage der «Nord Stream»-Pipelines mitgewirkt haben. Über ein Jahr sucht die Bundesanwaltschaft per Europäischem Haftbefehl nach Wolodymyr Z. – nun nimmt Polen ihn fest.

Seit einem Jahr sucht die Bundesanwaltschaft per Haftbefehl nach dem Verdächtigen. (Archivbild)
Foto: Christoph Schmidt/dpa

Drei Jahre nach dem Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines wurde in Polen ein zweiter Verdächtiger festgenommen, der von Deutschland mit Haftbefehl gesucht wurde. Ein Sprecher der polnischen Staatsanwaltschaft bestätigte, dass der 46-jährige Ukrainer Wolodymyr Z. am Morgen an seiner letzten Wohnadresse in Pruszkow bei Warschau festgenommen wurde. Der Tatverdächtige soll dort ein Ein-Mann-Unternehmen in der Baubranche geführt haben. Er besitzt eine ständige Aufenthaltsgenehmigung in Polen und seine Familie lebt ebenfalls dort.

Die Festnahme wurde von der Bundesanwaltschaft bestätigt. Laut der Behörde in Karlsruhe handelt es sich um einen ausgebildeten Taucher, der vermutlich Teil der Gruppe war, die in der Nähe der Insel Bornholm Sprengsätze an den Nord-Stream-Gaspipelines platzierte. Der Ukrainer soll an den notwendigen Tauchgängen teilgenommen haben.

Erst Ende August wurde in Italien einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Sabotage festgenommen. Die Bundesanwaltschaft beschuldigt den 49-jährigen Serhij K. der gemeinschaftlichen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und verfassungsfeindlichen Sabotage. Er ist ebenfalls Ukrainer und soll nach Deutschland überstellt werden.

Auslieferung nach Deutschland

Wolodymyr Z. muss sich denselben Vorwürfen der obersten deutschen Strafverfolger stellen. Er wird ebenfalls nach Deutschland überstellt und vor den Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs gebracht. Die Auslieferung könnte jedoch mehrere Wochen oder Monate dauern.

Der Sprecher der Warschauer Staatsanwaltschaft sagte, dass seine Behörde als nächstes einen Antrag auf sieben Tage Untersuchungshaft beim Bezirksgericht stellen wird. Während dieser Zeit müssen die entsprechenden Dokumente von der deutschen Seite angefordert und ins Polnische übersetzt werden. Nach Erhalt dieser Dokumente werden weitere Schritte unternommen. Gegebenenfalls wird die Staatsanwaltschaft einen Antrag auf Auslieferung des Mannes gemäß den Regeln des Europäischen Haftbefehls stellen.

Taucher im Visier der Ermittler

Der Vorfall im Herbst 2022 sorgte weltweit für Schlagzeilen. Die beiden Pipelines wurden durch mehrere Sprengungen so stark beschädigt, dass kein Gas mehr transportiert werden konnte. Die Explosionen ereigneten sich in der Nähe von Bornholm. Kurz darauf wurden vier Lecks an drei der insgesamt vier Leitungen entdeckt. Durch Nord Stream 1 wurde zuvor russisches Erdgas nach Deutschland geleitet. Nord Stream 2 war aufgrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine noch nicht in Betrieb.

Nach der Tat wurde schnell die Frage aufgeworfen, wie die Sprengladungen platziert wurden, um die Pipelines zu beschädigen. Es wurde vermutet, dass ausgebildete Taucher für das Anbringen der Sprengsätze verantwortlich sein könnten. Mehrere Länderbehörden begannen mit den Ermittlungen. Allerdings stellten Dänemark und Schweden ihre Untersuchungen ein.

Unterschiedliche Spekulationen kursierten lange Zeit über die Täter und die Drahtzieher. Schließlich geriet unter anderem Wolodymyr Z. ins Visier der Ermittler – ein Ukrainer, der sich auch in Polen aufhielt.

Panne beim ersten Festnahmeversuch

Ein erster Versuch, Wolodymyr Z. im Jahr 2024 festzunehmen, scheiterte an den polnischen Behörden. Er war in sein Heimatland geflohen. Die Staatsanwaltschaft in Polen erklärte, dass dies möglich gewesen sei, da Deutschland ihn nicht in das Schengen-Register eingetragen habe, in dem Personen mit Europäischem Haftbefehl aufgeführt sind. Daher hatte der polnische Grenzschutz keine Informationen, um ihn festzunehmen.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft in Warschau sagte, dass es unklar sei, wann Wolodymyr Z. wieder aus der Ukraine nach Polen eingereist sei. Das erste Verhör sei sehr kurz gewesen.

dpa