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Israel beschuldigt Hamas im Gazastreifen, tote Geiseln nicht vollständig zurückzuführen

Die Hamas verspricht vier weitere Tote auszuhändigen, während Trump Druck ausübt und Zweifel an der Machtübergabe hegt.

Bisher hat die Hamas acht Leichen von Geiseln übergeben. (Archivbild)
Foto: Ilia Yefimovich/dpa

Das Ringen um die Rückführung toter Geiseln im Gazastreifen gefährdet den Friedensprozess. Israel wirft der islamistischen Hamas einen Verstoß gegen das Waffenruhe-Abkommen vor, da bislang nur acht Leichen und damit weniger als ein Drittel der vereinbarten 28 toten Geiseln übergeben wurden. Um Druck auszuüben, beschloss Israel laut der «Times of Israel», den Grenzübergang Rafah zu Ägypten nicht wie vorgesehen heute wieder zu öffnen. Auch sollen die Hilfslieferungen nach Gaza reduziert werden. 

Die Hamas hat den Vermittlern mitgeteilt, dass sie heute vier weitere tote Geiseln an Israel übergeben werde, berichtete die Zeitung in der Nacht unter Berufung auf einen Diplomaten und eine weitere Quelle, die mit der Angelegenheit vertraut ist. Die Hamas gab an, dass es schwierig sei, die sterblichen Überreste in den Trümmern nach zwei Jahren Krieg zu lokalisieren. Israel betrachtet dies laut Medienberichten als Verzögerungstaktik.

Trump: Tote nicht wie versprochen zurückgebracht 

Auch US-Präsident Donald Trump macht Druck auf die Hamas. Nach der Freilassung der restlichen 20 lebenden Geiseln durch die Hamas am Montag im Austausch gegen knapp 2.000 palästinensische Häftlinge schrieb Trump am Tag darauf auf seiner Plattform Truth Social in Großbuchstaben, die Arbeit sei «nicht beendet». Die Toten seien nicht «wie versprochen» zurückgebracht. 

Nachdem die Hamas am Montag zunächst vier Leichen übergeben hatte, übergab sie am Dienstagabend Särge mit den vermuteten Überresten von vier weiteren toten Geiseln an Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Die Toten trafen israelischen Medien zufolge in der Nacht im forensischen Institut in Tel Aviv ein, wo sie nun identifiziert werden sollen.

Die Identität aller vier am Montag übergebenen Leichen wurde mittlerweile festgestellt, einschließlich der des nepalesischen Agrarstudenten Bipin Joshi. Laut israelischen Informationen wurde der 23-Jährige bereits in den ersten Monaten nach seiner Entführung am 7. Oktober 2023 getötet. Israel bekundete Nepal sein Beileid nach der Rückführung seines Körpers.

Die US-Nachrichtenseite «Axios» zitierte einen ranghohen israelischen Beamten, wonach die Hamas bis Dienstag offenbar nicht erkannt habe, wie ernst Israel die Frage der Rückführung der toten Geiseln nehme. Angehörige verlangen, den Kampf bis zur Übergabe der letzten toten Geiseln fortzusetzen.

Geiselfamilien: Kampf um Leichen-Rückführung geht weiter

Der Vater des am Montag freigelassenen Omri Miran forderte Israels Regierung auf, auf einer genauen Umsetzung des Trump-Plans zu bestehen. Die erste Phase müsse erfüllt sein, bevor weitere Schritte unternommen werden. «Erst nach der Rückführung der letzten Geisel werden wir Ruhe finden», sagte er.

Die nächste Phase des Abkommens sieht unter anderem die Entwaffnung der Hamas vor. Die US-Nachrichtenseite «Axios» zitierte einen US-Beamten und eine weitere informierte Quelle, wonach sich die Hamas bereit erklärt habe, ihre schweren Waffen – hauptsächlich Raketen und Granaten – abzugeben, bestehe jedoch darauf, ihre Handfeuerwaffen zur Selbstverteidigung zu behalten. 

Trump: Hamas wird notfalls mit Gewalt entwaffnet

Trump sagte am Dienstag, die Terrororganisation habe ihm zugesagt, dass sie die Waffen ablegen werde. «Und wenn sie sich nicht entwaffnen, werden wir sie entwaffnen, und das wird schnell und vielleicht gewaltsam passieren». Während seines Flugs nach Israel hatte Trump laut mitreisenden Journalisten gesagt, seine Regierung habe der Hamas erlaubt, sich vorübergehend erneut zu bewaffnen. Die Hamas versuche, im Gazastreifen wieder Ordnung herzustellen. 

Seit dem Beginn der Waffenruhe am Freitag hat die Hamas laut Medienberichten bewaffnete Sicherheitskräfte in Teilen des Gazastreifens stationiert, aus denen sich die israelischen Truppen zurückgezogen haben. Berichte über Exekutionen durch die Hamas und Schießereien mit rivalisierenden Kräften beunruhigen Menschen im Gazastreifen.

Ein Video wurde auf der Plattform X veröffentlicht, das eine Gruppen-Erschießung von etwa acht Personen auf einem Platz südlich der Stadt Gaza zeigt. Der Platz ist von einer großen Menschenmenge umringt.

Beunruhigende Berichte über Erschießungen 

Augenzeugen haben der Deutschen Presse-Agentur berichtet, dass die Hamas dem Getöteten vorgeworfen hat, ein Kollaborateur der israelischen Armee zu sein. Die Echtheit des Videos und der Berichte konnte zunächst nicht unabhängig bestätigt werden. In nicht überprüfbaren Videos ist zu sehen, dass einige Opfer anscheinend vor ihrer Erschießung gefoltert wurden. Es gibt unbestätigte Berichte über Schnellverfahren, bei denen Mitglieder des Hamas-Sicherheitsapparats Todesurteile verhängen.

Nachdem die israelische Armee letzte Woche teilweise abgezogen ist und die Waffenruhe begonnen hat, gab es auch Berichte über Schießereien zwischen der Hamas und rivalisierenden Banden. Es soll Dutzende Tote gegeben haben. Diese Berichte konnten zunächst ebenfalls nicht unabhängig überprüft werden.

Es gebe Zweifel daran, ob die Hamas tatsächlich wie im Friedensplan von US-Präsident Trump vorgesehen die Macht im Gazastreifen abgeben und ihre Waffen niederlegen wird, schrieb das «Wall Street Journal». Einige Palästinenser befürchteten, dass Israel den Krieg wieder aufnehmen könnte. 

Bericht über Tote bei israelischem Angriff in Gaza 

Bei einem israelischen Drohnenangriff in der Stadt Gaza wurden laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa drei Menschen getötet. Israels Armee gab an, mehrere Personen hätten sich israelischen Stellungen genähert und eine Bedrohung dargestellt. Dies sei eine Verletzung der Waffenruhe-Vereinbarung. Da sich die Personen trotz mehrfacher Aufforderung nicht zurückgezogen hätten, sei das Feuer eröffnet und «die Bedrohung beseitigt» worden. 

Im Rahmen des Abkommens mit der Hamas hat Israel die Leichen von 45 Palästinensern übergeben. Die sterblichen Überreste wurden mit Unterstützung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in den Gazastreifen gebracht, wie aus medizinischen Kreisen in dem Küstenstreifen verlautete. Im Nasser-Krankenhaus in Chan Junis im Süden Gazas sollen die Leichen nun identifiziert werden, damit die Familien ihre verstorbenen Angehörigen beerdigen können.

dpa