Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Hamas übergibt Überreste falscher Leiche – Wut in Israel

Es ist nicht das erste Mal, dass die Hamas mit einer Leichen-Übergabe Entsetzen in Israel auslöst. Die Familie eines bereits 2023 tot geborgenen Israelis muss dessen Grab nun zum dritten Mal öffnen.

Im Rahmen einer ersten Phase des von den USA vorangetriebenen Friedensplans muss die Hamas insgesamt 28 Leichen herausgeben. (Archivbild)
Foto: Yousef Al Zanoun/AP/dpa

Israel hat die Aktion der Terrororganisation Hamas, weitere sterbliche Überreste einer bereits beigesetzten Geisel zu übergeben, als klaren Verstoß gegen das Gaza-Abkommen bezeichnet. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wird mit den Leitern der Sicherheitsbehörden über eine angemessene Reaktion beraten, teilte sein Büro mit.

Die sterblichen Überreste, die die Hamas an Israel übergab, gehören zu einem Israeli, dessen Leiche die Armee im Herbst 2023 nach Israel brachte und der beigesetzt wurde. Vorher hatten israelische Medien berichtet, dass es sich bei der am Montagabend übergebenen Leiche nicht um eine neue, noch vermisste Geisel handelt. Die Nachricht löste in Israel Entsetzen aus.

Familie: Öffnen Grab zum dritten Mal

Die Hamas hat die sterblichen Überreste ausgehändigt, die israelischen Angaben zufolge einem Mann namens Ofir Tzarfati gehören. Ofir Tzarfati wurde am 7. Oktober 2023 während des Nova-Festivals entführt und später für tot erklärt. Seine Familie bestätigte gemäß dem Forum der Geisel-Angehörigen die kürzliche Überführung einiger seiner sterblichen Überreste.

Den Angaben zufolge waren bereits im März 2024 weitere sterbliche Überreste des Mannes nach Israel überführt worden. «Dies ist das dritte Mal, dass wir gezwungen wurden, Ofirs Grab zu öffnen», teilte seine Familie mit. Sie sprach von einer «abscheuliche Manipulation, die das Abkommen sabotieren und die Bemühungen, alle Geiseln nach Hause zu bringen, zunichtemachen sollte». Die Familie lebe mit einer Wunde, die sich immer wieder öffne. Berichten zufolge war Tzarfati 27 Jahre alt.

Das Forum der Geisel-Familien forderte ein sofortiges Treffen mit Netanjahu.

Berichte: Israel erwägt Ausweitung israelisch kontrollierter Gaza-Gebiete

Wie die Nachrichtenseite «ynet» und die «Times of Israel» berichteten, erwägt Israel, seine im Gazastreifen kontrollierten Gebiete auszuweiten. Laut dem israelischen Sender Kan werden mögliche Maßnahmen aber nur in Abstimmung mit den USA unternommen. Demnach ist auch im Gespräch, die humanitäre Hilfe für die Bevölkerung im Gazastreifen zu verringern.

Im Zuge der ersten Phase des von den USA geförderten Friedensplans müssen insgesamt 28 Leichen von der Hamas übergeben werden. Bisher sind es erst 13. US-Präsident Donald Trump erhöhte am Samstag den Druck auf die Hamas, die verbleibenden toten Geiseln schnell zu übergeben.

Die Hamas behauptet, dass es für sie schwierig ist, die Toten zu finden, da sie unter den Trümmern bombardierter Gebäude und Tunnel verschüttet sind. Eine Sprecherin der israelischen Regierung beschuldigte die Islamisten, zu lügen. Israel weiß, dass die Hamas die sterblichen Überreste finden kann.

Smotrich will freigelassene palästinensische Häftlinge wieder festnehmen

Bezalel Smotrich, der rechtsextreme israelische Finanzminister, hat angekündigt, Netanjahu auffordern zu wollen, alle bisher im Rahmen des Deals freigelassenen und ins Westjordanland gebrachten palästinensischen Häftlinge wieder festzunehmen.

Gemäß der Vereinbarung musste Israel 250 Häftlinge freilassen, die zu teils lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt wurden, darunter wegen Mord und Beteiligung an Terroranschlägen verurteilte. Palästinensischen Angaben zufolge kehrten 88 von ihnen ins Westjordanland zurück. Viele wurden aufgrund der Schwere ihrer Verbrechen auch nach Ägypten gebracht. Darüber hinaus musste Israel 1.700 im Gazastreifen festgenommene Palästinenser freilassen.

Hamas hat in der Vergangenheit palästinensische Leichen übergeben

In der Vergangenheit hat die Hamas bereits palästinensische Leichen anstelle von sterblichen Überresten der aus Israel Entführten übergeben. Ob dies absichtlich oder versehentlich geschah, ist unklar. Vor zwei Wochen übergab sie zuletzt anstelle einer Geisel eine palästinensische Leiche.

Im Februar wurde im Rahmen eines Waffenstillstandsabkommens anstelle der Leiche von Geisel Schiri Bibas, die auch deutsche Staatsbürgerin war, der Leichnam einer Palästinenserin übergeben. Die Terrororganisation gab später zu, dass es sich um einen möglichen Irrtum handelte, und übergab schließlich die richtige Leiche.

dpa