Nahe dem Stützpunkt Ramstein entsteht das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der Vereinigten Staaten. In schwierigen transatlantischen Zeiten gilt die Klinik auch als strategisches Bekenntnis.
Betonierte Bündnistreue

Das Verhältnis zwischen Deutschland und den USA war schon einmal besser. Ob Handelsfragen oder Geopolitik – die Liste der Konfliktpunkte ist lang. Trotzdem gibt es Orte, an denen die Partnerschaft fest steht. Weilerbach in Rheinland-Pfalz ist ein solcher Ort. Zwischen Wald und Feldern bauen die USA hier das größte Militärkrankenhaus außerhalb der Vereinigten Staaten – und einen wichtigen Baustein im transatlantischen Beziehungsgefüge.
Warum ist es eine Baustelle der Superlative?
Das Gelände misst großzügige 47 Hektar, auf dem einst 4.680 Räume und 120 Behandlungszimmer Platz fanden. Es hat eine Infrastruktur wie eine Kleinstadt. Etwa 2.500 Menschen werden hier arbeiten. Die Kosten betragen etwa 1,59 Milliarden US-Dollar (rund 1,46 Mrd. Euro), wovon Deutschland planmäßige Kosten von 266 Millionen Euro übernimmt. Das Krankenhaus soll nicht nur den rund 50.000 US-Militärangehörigen und ihren Familien in der Region dienen. Es soll auch die Versorgung von etwa 200.000 Soldatinnen und Soldaten in Einsätzen und im aktiven Dienst in Europa, dem Nahen Osten und Afrika sicherstellen.
Was bedeutet das Projekt politisch?
Heute, am Freitag, inspiziert der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer (SPD), die Baustelle. Dies ist mehr als eine Verpflichtung: Das Krankenhaus wird als strategisches Bekenntnis betrachtet – zur Präsenz amerikanischer Truppen in Europa und zur Rolle des Bundeslandes als sicherheitspolitischer Brückenkopf.
«Die Investitionen der US-Regierung sind ein bedeutendes Zeichen der Kontinuität», sagt David Sirakov, Politikwissenschaftler und Leiter der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz. Das Projekt sende ein klares Signal: Trotz aller globalen Spannungen bleibe das beiderseitige Vertrauen bestehen, meint Sirakov, der die Landesregierung in den Beziehungen zu den USA berät.
Hatte Trump nicht mit einem Abzug von Soldaten gedroht?
Nach jüngsten Angaben des Europa-Kommandos der US-Streitkräfte sind rund 78.000 US-Soldaten in Europa stationiert – darunter etwa 37.000 in Deutschland. US-Präsident Donald Trump hatte in seiner ersten Amtszeit mit einer Reduzierung in Deutschland gedroht. Allerdings machte er jüngst Hoffnung, die Truppenstärke zu belassen. Für Rheinland-Pfalz wäre ein Teilabzug folgenreich. «Die Wirtschaftskraft der US-Militärpräsenz lässt sich pro Fiskaljahr auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar beziffern», sagt Ramsteins Bürgermeister Ralf Hechler (CDU) über seine Region.
Warum spielt das Bundesland eine Schlüsselrolle?
In wenigen Wochen wird Ministerpräsident Schweitzer mit einer Delegation in die USA reisen – Gespräche führen, Netzwerke pflegen, Verlässlichkeit demonstrieren. Dass er zuvor den Schulterschluss mit US-Verantwortlichen vor Ort sucht, passt für Sirakov ins Bild. Denn Rheinland-Pfalz ist mehr als ein Gastgeber – das Bundesland gilt als ein geopolitischer Angelpunkt.
Hier befindet sich die größte US-Militärgemeinde außerhalb der Vereinigten Staaten, mit dem riesigen Stützpunkt Ramstein. Etwa 8.000 Soldaten sind auf der Air Base stationiert, von der aus unter anderem US-Drohnenangriffe gesteuert werden. In der Eifel sollen auf dem Militärflughafen Büchel US-Atomwaffen gelagert sein.
Was verbindet Trump mit Rheinland-Pfalz?
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schlug vor kurzem vor, dass Trump nach Deutschland kommt und Rheinland-Pfalz besucht. Merz ist mit der Pfalz vertraut, da er dort seinen Wehrdienst geleistet hat. Der US-Präsident kennt die Pfalz – wenn überhaupt – nur aus Familiengeschichten.
Seine Großeltern väterlicherseits stammen aus dem pfälzischen Kallstadt. Die Geschichte der Trumps begann im 19. Jahrhundert in dem 1.250-Seelen-Winzerdorf im Kreis Bad Dürkheim – mit der Auswanderung nach Amerika.