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Brandenburg vor schwieriger Regierungsbildung

So richtig will keine Partei mit dem Wahlsieger SPD über die neue Regierung in Brandenburg reden. Zumindest nicht am Tag nach der Wahl. Doch die SPD will zügig sondieren.

Will nach der Wahl mit BSW und CDU reden: Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke.
Foto: Kay Nietfeld/dpa

In Brandenburg zeichnet sich nach der Landtagswahl eine schwierige Regierungsbildung ab. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) will Sondierungsgespräche zur Bildung einer Koalitionsregierung mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) und der CDU aufnehmen. Darüber wollte der Landesvorstand beraten. «Mein Ziel ist es, eine stabile Regierung zu bilden», sagte Woidke in Berlin.

CDU und BSW zeigen jedoch Zurückhaltung. Wichtige Gremienberatungen über den zukünftigen Kurs der Parteien stehen noch aus. Die AfD hat angekündigt, mit ihrer Sperrminorität die zukünftigen Regierungsfraktionen im Landtag unter Druck setzen zu wollen.

Verhaltene Signale beim BSW

Eine Mehrheit ohne die AfD hätte Woidkes SPD künftig nur mit dem BSW. Doch dessen Signale bleiben zunächst verhalten. Man werde «keine leichtfertigen Entscheidungen treffen», sagte BSW-Spitzenkandidat Robert Crumbach. Parteiintern würden am Mittwoch Gespräche geführt. Er könne das Ergebnis nicht vorwegnehmen.

Das Wahlergebnis sei nicht einfach, sagte Crumbach. «Es kann auch funktionieren, dass es beispielsweise eine Minderheitenregierung gibt mit nur 44 Stimmen.» Es gehe darum eine «deutlich, deutlich, deutlich andere Politik» zu machen.

CDU sieht sich in Opposition

Auch die Brandenburger CDU strebt nach eigener Aussage keine Gespräche mit dem bisherigen Koalitionspartner SPD an und sieht sich in der Opposition. Spitzenkandidat Jan Redmann sagte, eine Regierungsbeteiligung komme erst einmal nicht in Frage. «Wir bereiten uns auf alle Szenarien vor, auch auf die Oppositionsrolle.» CDU-Generalsekretär Gordon Hoffmann sagte: «Für uns gibt es keinen Regierungsauftrag. Es gibt nämlich keine Mehrheit für SPD und CDU.» Die CDU wolle sich keinen Gesprächen verweigern, aber: «Unser Auftrag vom Wähler ist Opposition – und den werden wir ausfüllen.»

Nach einer Aufholjagd von Woidke erreichte die SPD bei der Landtagswahl am Sonntag 30,9 Prozent vor der AfD mit 29,2 Prozent. Der Preis für den Sieg der SPD ist hoch: Die CDU fiel auf 12,1 Prozent. Grüne, Linke und BVB/Freie Wähler sind nicht mehr im Landtag vertreten, auch nicht über ein Direktmandat. Die SPD, die seit 1990 den Regierungschef stellt, hat zuletzt mit CDU und Grünen regiert. Diese Koalition ist nicht mehr möglich. SPD und CDU kommen nur auf 44 von 88 Stimmen, während SPD und BSW zusammen 46 Stimmen haben.

AfD sieht «neue Gestaltungsmöglichkeiten»

Die AfD im Landtag ist von 24 auf 30 Abgeordnete gewachsen. Spitzenkandidat Hans-Christoph Berndt geht nach der erreichten sogenannten Sperrminorität von «neuen Gestaltungsmöglichkeiten» aus. Er nannte den Einfluss auf die Wahl der Verfassungsrichter in Brandenburg als Beispiel. Der Verfassungsschutz in Brandenburg ordnet den AfD-Landesverband als rechtsextremistischen Verdachtsfall ein, Berndt als Rechtsextremisten.

Die AfD hat mit 30 von 88 Sitzen jetzt mehr als ein Drittel der Mandate und kann daher Entscheidungen blockieren, die eine Zwei-Drittel-Mehrheit erfordern. Die Partei hat somit zum zweiten Mal nach ihrem Erfolg bei der Wahl in Thüringen vor drei Wochen eine Sperrminorität in einem Landtag erreicht.

Grüne sprechen von «Horror-Landtag»

«War es das wert?», fragte der enttäuschte Noch-Grünen-Fraktionschef Benjamin Raschke, nachdem die Strategie Woidkes verfing, sein Verbleiben im Amt mit einem SPD-Sieg zu verknüpfen. «Der Preis war viel zu hoch.»

Raschke sprach von einem «Horror-Landtag» ohne eine progressive Kraft, die für soziale Gerechtigkeit, Umwelt- und Klimaschutz stehe. Die Grünen kritisieren seit einiger Zeit, dass die SPD sogar AfD-Positionen übernommen habe, was etwa Zurückweisungen von Flüchtlingen an den deutschen Grenzen angeht.

Inhaltliche Vorstellungen unterschiedlich

SPD-Generalsekretär David Kolesnyk hat angekündigt, dass seine Partei bei den Sondierungsgesprächen mit CDU und BSW den Fokus auf Wirtschaft, Stabilität und Sicherheit legen werde. Bisher waren jedoch die politischen Inhalte insbesondere in Bezug auf das BSW in vielen Punkten nicht übereinstimmend.

Das BSW zeigt sich selbstbewusst. «Die größten Wahlgewinner sind rein prozentual natürlich wir», sagte BSW-Generalsekretär Stefan Roth. «Wir werden entschieden für eine neue Politik streiten, für eine Friedenspolitik, für eine korrigierte Migrationspolitik, für eine Politik der Abrüstung, für eine Beendigung der katastrophalen Wirtschafts- und Energiepolitik.»

dpa