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Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold: Symbole der Freiheit und Demokratie stärken

Große Teile der politischen Linken haben ein gespaltenes Verhältnis zu nationalen Symbolen. Ein Etikettenschwindel der AfD.

Fritz Felgentreu: Schwarz-Rot-Gold steht für die wehrhafte Demokratie.
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Zum 100. Jahrestag der Gründung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold hat das Bündnis dazu aufgerufen, die deutsche Flagge stärker in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Freiheit und Demokratie benötigen Symbole, betonte der Vorsitzende Fritz Felgentreu (SPD) in Magdeburg. Er würde es begrüßen, wenn bei den aktuellen Demonstrationen gegen rechts vermehrt die Farben Schwarz, Rot und Gold zu sehen wären. «Denn das sind traditionell die Farben der Freiheit und der Demokratie.»

Felgentreu sagte, dass große Teile der politischen Linken ein gespaltenes Verhältnis zu nationalen Symbolen hätten und sich gerne davon emanzipierten. Dadurch sei ein Vakuum entstanden, «in das eine Partei wie die AfD hineinstößt, versucht, sich dieser Farben zu bemächtigen». Dies sei ein «krasser Etikettenschwindel». Schwarz-Rot-Gold stehe für die wehrhafte Demokratie, die Farben seien das Abbild der Freiheitsidee in Deutschland.

Zum Schutz der Demokratie

Am 22. Februar 1924 wurde in Magdeburg das überparteiliche und sozialdemokratisch geprägte Reichsbanner zum Schutz der Demokratie gegründet. Mitglieder der liberalen Deutschen Demokratischen Partei und der katholischen Zentrumspartei waren ebenfalls beteiligt. Demokraten wollten mit dem Reichsbanner den links- und rechtsextremistischen Putschversuchen in den Anfangsjahren der Weimarer Republik entgegentreten.

Die sogenannten Wehrverbände waren zu dieser Zeit eine beliebte Freizeitbeschäftigung vieler Männer. Der Hauptgegner des Reichsbanners in den 1920er Jahren war der deutschnationale Stahlhelm, der ebenfalls nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in Magdeburg gegründet wurde. Das Reichsbanner jedoch formierte sich nicht als bewaffnete Miliz und richtete keine organisierten Waffendepots ein.

Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, erklärte, dass die Lebensrealität der Mitglieder das Reichsbanner damals stark beeinflusst habe. Es gab sogar Reichsbanner-Zigaretten und Reichsbanner-Margarine. Laut dem Deutschen Historischen Museum war das Reichsbanner mit über 1,5 Millionen Mitgliedern die größte politische Massenorganisation der Weimarer Republik und verfolgte sowohl zivile als auch paramilitärische Ziele.

Tödliche Auseinandersetzungen

Anfang der 1930er Jahre gerieten Reichsbannermitglieder vermehrt in mitunter tödliche Auseinandersetzungen mit der nationalsozialistischen Sturmabteilung (SA). Mehr als 60 Reichsbannerleute wurden laut Felgentreu noch vor Abschaffung des demokratischen Rechtsstaats ermordet. Im März 1933 wurde das Reichsbanner von den Nazis verboten. «Die Zahl der Reichsbannerangehörigen, die in der NS-Zeit ums Leben gekommen sind, können wir momentan noch nicht einmal schätzen», sagte Tuchel.

Seit der Wiedergründung des Reichsbanners im Jahr 1953 steht die politisch-historische Bildungs- und Erinnerungsarbeit im Vordergrund. Der Landtag von Sachsen-Anhalt würdigte das 100-jährige Jubiläum am Donnerstag mit einem Festakt. «Ungefährdet ist Demokratie niemals», betonte Felgentreu. An die AfD gerichtet sagte er: «Lassen Sie Ihre Finger von den Farben der Freiheit.» Er warte auf den Tag, «an dem das Bundesverfassungsgericht dieser Partei ein Ende macht».

Der Historiker Benjamin Ziemann von der University of Sheffield sagte in seinem Festvortrag: „Angesichts einer populistischen Ablehnung der Demokratie in Europa und einer neuen Welle des Rechtsnationalismus und des Antisemitismus zeigt sich, dass viele der Grundmotive, welche die Arbeit des Reichsbanners in der Weimarer Republik leiteten, auch heute aktuell sind.“ Dabei denke er besonders an den Verfassungspatriotismus, das überparteiliche und zivilgesellschaftliche Engagement überzeugter Demokraten sowie die aktive Widerrede gegen jeglichen Chauvinismus und Antisemitismus.

Sachsen-Anhalts Landtagspräsident Gunnar Schellenberger (CDU) betonte, dass es wichtig sei, sich heute erneut zum demokratischen System zu bekennen. Er warnte vor besorgniserregenden Entwicklungen und Tendenzen in Deutschland, die man nicht unterstützen dürfe, so Schellenberger.

dpa