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Bundestag berät über Maßnahmen für mehr Sicherheit

Nach dem Terroranschlag von Solingen mit drei Toten und acht Verletzten hat die Koalition Maßnahmen zur Verbesserung der inneren Sicherheit vorgelegt. Jetzt ist der Bundestag an der Reihe.

Der Bundestag berät über das "Sicherheitspaket" der Ampel. (Archivfoto)
Foto: Kay Nietfeld/dpa

Der Bundestag setzt seine Beratungen über den Haushalt 2025 fort und diskutiert das erste Mal auch über das neue «Sicherheitspaket» der Ampel-Koalition. Es umfasst Maßnahmen, die die Ampel nach dem mutmaßlich islamistischen Messeranschlag mit drei Toten in Solingen vorgestellt hatte. Es geht um eine Änderung im Waffenrecht, erweiterte Befugnisse für die Extremismus- und Terrorismusbekämpfung sowie neue Regelungen im Aufenthaltsrecht. Nur für einen Teil der Maßnahmen ist die Zustimmung des Bundesrats zwingend – daher haben SPD, Grüne und FDP zwei Gesetzentwürfe vorgelegt. 

Generelles Messerverbot an bestimmten Orten geplant

So geht es um die Befugnis zum biometrischen Abgleich von öffentlich zugänglichen Daten aus dem Internet. Ziel ist dabei laut Entwurf «insbesondere, mutmaßliche Terroristen und Tatverdächtige zu identifizieren und zu lokalisieren». Seinen Schutzstatus soll ein Flüchtling verlieren, wenn er ohne einen triftigen Grund zwischendurch in sein Heimatland zurückkehrt, etwa für einen Urlaub. 

Es ist geplant, die Sicherheit zu erhöhen, indem der Umgang mit Messern im öffentlichen Raum weiter eingeschränkt wird. Ein allgemeines Messerverbot soll für den Fernverkehr mit Bussen und Bahnen, auf Volksfesten und bei anderen Großveranstaltungen gelten. Darüber hinaus ist ein Verbot für Springmesser geplant – mit Ausnahmen beispielsweise für Jäger.

Beratungen über Bundeshaushalt 2025 

Es wird auch erstmals über den Etat des Innenministeriums für 2025 beraten. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) betont, dass es keine Abstriche bei der inneren Sicherheit geben wird. Kritik an den geplanten Kürzungen bei den Ausgaben für Integrationskurse kommt jedoch von den Grünen.

Der Etatentwurf des Bundesinnenministeriums sieht bisher Ausgaben in Höhe von 13,75 Milliarden Euro vor. Das entspricht etwa drei Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders bei der Bundespolizei sowie den veranschlagten Ausgaben für IT-Projekte und die Digitalisierung der Verwaltung gibt es einen Zuwachs.

Richterbund sieht überforderte Behörden und Gerichte

Der Deutsche Richterbund wirft der FDP vor, Investitionen in die Sicherheitsbehörden zu blockieren. «Das Sicherheitspaket der Ampel ist ein Sicherheitspäckchen geworden, in dem die wirksamste Maßnahme fehlt», sagte Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Schlüssel zu mehr Sicherheit liege in einer besseren Rechtsdurchsetzung. Vielfach überforderte Behörden und überlastete Gerichte könnten mit ihren wachsenden Aufgaben immer weniger Schritt halten. «Leider blockiert die FDP bislang den Vorschlag von Grünen und SPD, gemeinsam mit den Ländern massiv in besser aufgestellte Sicherheitsbehörden und in einen wehrhaften Rechtsstaat zu investieren.»

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert ebenfalls mehr Geld für innere Sicherheit. «Wer mehr Polizisten auf der Straße sehen will, muss die großen Digitalprojekte der Polizeien sofort umsetzen», denn dadurch würden Kräfte freigesetzt, sagte der GdP-Bundesvorsitzende, Jochen Kopelke, der Deutschen Presse-Agentur. «Wir benötigen zusätzlich mehr Bereitschaftspolizisten und schweres Gerät, für das, was da noch kommt.» 

FDP-Generalsekretär appelliert an Union

Unterdessen ist unklar, ob Union und Ampel doch noch beim Thema Migration zusammenfinden. Am Dienstag hatte CDU-Chef Friedrich Merz die Gespräche mit der Ampel über eine Verschärfung der Asylregeln für gescheitert erklärt. FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai appellierte nun an Merz, sich weiteren Debatten über schärfere Asylgesetze nicht zu verweigern und mit der Ampel-Koalition eine gemeinsame Lösung zu finden. Zu «Bild» sagte er: «Wir stehen bei Migration der Union nahe. Wir sind auch nach wie vor bereit, ihre Vorschläge gemeinsam umzusetzen. Es gilt jetzt, keine Zeit mehr zu verlieren. Die Union und ihr Vorsitzender Friedrich Merz müssen an den Verhandlungstisch zurückkehren.»

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sieht die Ampel-Koalition nun in der Verantwortung, das Zuwanderungsproblem allein zu lösen. «Wenn die Opposition jetzt nicht mitmacht, dann muss versucht werden, mit dem, was innerhalb der Koalition konsensfähig ist, eine Regelung zu präsentieren, die zur Lösung beiträgt», sagte Steinmeier während seines Ägypten-Besuchs. Er bleibt dabei, dass die Regelung der Migrationsfrage die Menschen in Deutschland beschäftigt. «Deshalb habe ich auch gesagt, es wäre mit Blick auf den Zustand unserer Demokratie gut, wenn die Parteien der demokratischen Mitte eine gemeinsame Lösung präsentieren könnten.» Steinmeier betonte, dass er nicht bewerten wolle, wer die Verantwortung dafür trage, dass dies nun nicht gelinge.

Scharfe Kritik der Jusos am Kurs der Ampel-Koalition

Die Vorsitzenden von Jusos und Grüner Jugend, Philipp Türmer und Svenja Appuhn, kritisierten in einem gemeinsamen Gastbeitrag für den «Tagesspiegel» den Asylkurs der Ampel. «Ampelpolitiker*innen lassen sich von Rechtsaußen zu immer neuen Abschottungsentscheidungen treiben», schrieben sie darin. Die beiden Vorsitzenden warfen SPD, Grünen und FDP vor, auf den islamistischen Anschlag von Solingen mit einem «Überbietungswettbewerb» über weitere Einschränkungen des Asylrechts reagiert zu haben.

dpa