Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

New Yorker Polizei räumt besetztes Hochschulgebäude nach propalästinensischen Protesten

Großaufgebot dringt in Hamilton Hall ein, nimmt Demonstranten fest. Uni lehnt Kritik an Israel ab.

Die New Yorker Polizei dringt in das obere Stockwerk der Hamilton Hall auf dem Campus der Columbia University in New York ein.
Foto: Craig Ruttle/AP/dpa

Ein umfangreiches Aufgebot der Polizei in New York hat das von Studierenden besetzte Hochschulgebäude an der Elite-Universität Columbia geräumt, nachdem propalästinensische Proteste eskaliert waren. Am Dienstagabend (Ortszeit) strömten hunderte Polizisten auf den Campus im Norden Manhattans, wie eine dpa-Reporterin vor Ort berichtete. Die Beamten drangen in die besetzte Hamilton Hall ein und nahmen mehrere Demonstranten fest. Laut dem US-Sender NBC wurden etwa 100 von ihnen in Gewahrsam genommen.

Die Demonstranten hatten die Vorgehensweise Israels im Gaza-Krieg kritisiert und Solidarität mit den Palästinensern gefordert. Darüber hinaus forderten sie von der Universität, die finanziellen Beziehungen zu Israel zu beenden. Die Hochschulleitung lehnte dies ab und bat um Unterstützung der Polizei, nachdem Vermummte mit schwarz-weißen Palästinensertüchern in der Nacht zum Dienstag Fenster eingeschlagen, die Hamilton Hall gestürmt und den Eingang des Gebäudes mit Stühlen und Tischen verbarrikadiert hatten.

Bei dem anschließenden Polizeieinsatz wurden auch zahlreiche Zelte im sogenannten Solidaritätscamp auf dem Gelände durchsucht. Aufnahmen zeigten, dass die Demonstranten immer noch versuchten, die Polizei mit Menschenketten am Vordringen zu hindern, jedoch zur Seite geschoben oder auseinandergerissen wurden.

Zeltlager an Dutzenden Universitäten in den USA

Es war der zweite Großeinsatz auf dem Campus, nachdem die New Yorker Polizei vor knapp zwei Wochen bereits auf Bitten der Uni-Leitung gegen die Studierenden vorgegangen war. Die Studierenden fühlten sich in ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung eingeschränkt und kritisierten das Vorgehen der Sicherheitskräfte als unverhältnismäßig.

In vielen Universitäten in den USA gab es danach Demonstrationen und die Errichtung von Zeltlagern. Kritiker behaupten, dass der radikale Teil der Protestbewegung antisemitisch ist und die Hamas verharmlost – die Islamistenorganisation lehnt das Existenzrecht Israels ab und hat am 7. Oktober den Gaza-Krieg mit einem beispiellosen Massaker ausgelöst.

«Das ist kein Beispiel für friedlichen Protest»

Die gewaltsame Besetzung der Hamilton Hall fachte die Kritik an den Studierenden nochmals an. Die Columbia-Universität teilte mit, man habe sehr deutlich gemacht, «dass die Arbeit der Universität nicht endlos durch Demonstranten gestört werden kann, die gegen die Regeln verstoßen. Wenn dies weiterhin geschieht, wird dies klare Konsequenzen nach sich ziehen.» Selbst die US-Regierung sprach von einem «absolut falschen Weg» der Studierenden: «Das ist kein Beispiel für friedlichen Protest», sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby.

Am Montag kündigte die Hochschulleitung an, dass sie Studentinnen und Studenten suspendieren würde, wenn sie das Protestcamp auf dem Universitätsgelände nicht bis zum Nachmittag verlassen würden. Allerdings geschah das Gegenteil: Demonstranten drangen in die Hamilton Hall ein, die bereits 1968 während eines Protests gegen den Vietnam-Krieg besetzt worden war.

Seit dem Beginn der propalästinensischen Studentenproteste im April wurden in den USA laut Medienberichten mehr als 1000 Demonstranten vorübergehend festgenommen. Am Dienstag kam es nicht nur in New York zu Auseinandersetzungen, sondern auch in anderen Bundesstaaten wie Kalifornien, Georgia, North Carolina, Texas und Florida griff die Polizei ein.

Die Hamas und andere islamistische Gruppen hatten bei ihrem Angriff auf Israel am 7. Oktober des letzten Jahres etwa 1200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln in den Gazastreifen gebracht. Israel reagierte darauf mit einer Bodenoffensive und Luftangriffen auf das Küstengebiet. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seit Kriegsbeginn etwa 34.500 Menschen getötet, was unabhängig kaum zu verifizieren ist.

dpa