Kanzler Merz bleibt bei seinem Satz zu Problemen im «Stadtbild» im Zusammenhang mit Migration. Selbst manchem CDU-Mitstreiter ist das zu pauschal. Und aus der SPD kommt der Vorwurf der Spaltung.
CDU-Sozialflügel sieht Merz-Worte zum «Stadtbild» kritisch

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stößt auch in der eigenen Partei mit seinen Äußerungen über «Stadtbild» und Migration auf Kritik. Der Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: «Natürlich haben wir an vielen Stellen ein verstörendes Stadtbild, aber zu suggerieren, dies würde sich durch Abschiebungen ändern, ist zu kurz gesprungen, erweckt unerfüllbare Erwartungen und wird der Komplexität des Problems nicht gerecht.»
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf warf Merz vor, zu spalten. Es gebe in Deutschland Probleme – und die dürfe man benennen. «Aber das alles immer wieder auf eine Frage zurückzuführen, auf die Frage der Migration, und da so viel miteinander zu vermengen und zu pauschalisieren – das spaltet und das zerstört Vertrauen», sagte er in der ntv-Talkshow «Pinar Atalay».
Der Landeschef der baden-württembergischen CDU, Manuel Hagel, sagte im ZDF-«heute journal», es habe sich in Deutschland etwas verändert – und das habe etwas mit Migration zu tun, aber nicht nur. «Am Ende geht es nicht um Menschen oder Gruppen. Es geht vor allen Dingen darum, dass wir die Probleme – innere Sicherheit, Ordnung in unseren Innenstädten – lösen.» Viele Menschen mit Migrationshintergrund seien Teil der bürgerlichen Mitte, Teil des Wohlstands, Teil der Wertegemeinschaft. «Und deshalb rate ich da sehr, verbal etwas abzurüsten und sehr differenziert in dieser Debatte auch vorzugehen.»
Merz bleibt beim Stadtbild-Satz
Der Kanzler war vor einer Woche in Potsdam von einem Reporter auf das Erstarken der AfD angesprochen worden. Merz sagte daraufhin unter anderem, dass man frühere Versäumnisse in der Migrationspolitik korrigiere und Fortschritte mache. «Aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem, und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt in sehr großem Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen und durchzuführen.» Die Äußerung war von der Opposition, aber auch vom Koalitionspartner SPD kritisiert worden.
Merz verteidigte seine Worte am Montag. «Ich habe gar nichts zurückzunehmen», sagte er. «Im Gegenteil, ich unterstreiche es noch einmal: Wir müssen daran etwas ändern, und der Bundesinnenminister ist dabei, daran etwas zu ändern, und wir werden diese Politik fortsetzen.»
«Probleme lassen sich nicht abschieben»
Radtke, der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschlands (CDA) ist, sagte den Funke-Zeitungen: «Probleme wie Drogensucht, Obdachlosigkeit oder Mackertum bei Jugendlichen lassen sich nicht abschieben, sondern müssen angepackt werden.» Natürlich müssen illegal eingereiste Migranten abgeschoben werden – aber viele Probleme würden fortbestehen. Er mahnte: «Friedrich Merz ist nicht mehr der launige Kommentator am Spielfeldrand, der einen raushaut, sondern ihm kommt als Kanzler eine besondere Verantwortung für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft, die Debattenkultur und einer positiven Zukunftserzählung zu.»
Debatte vor dem Hintergrund starker AfD-Umfragewerte
Laut Radtke ist die beste Strategie gegen die AfD eine Politik, die Probleme löst, Versprechen einhält und in der Kommunikation ebenso klar wie empathisch ist. Merz hat erneut einen klaren Abgrenzungskurs der CDU gegenüber der AfD angekündigt. Im Jahr 2026 werden in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern neue Landtage gewählt. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern erreicht die AfD in aktuellen Umfragen fast 40 Prozent und ist mit großem Abstand stärkste Partei.








