Ein verurteilter Lügner als Hauptbelastungszeuge im Schweigegeld-Prozess gegen Donald Trump: Im Kreuzverhör wird Michael Cohen von brisanten Falschaussagen eingeholt.
Cohen im Kreuzverhör – Ende von Trump-Prozess in Sicht

In dem Schweigegeld-Prozess gegen Donald Trump wurde der Kronzeuge von der Verteidigung des ehemaligen US-Präsidenten wegen vergangener Falschaussagen unter Druck gesetzt und seine Glaubwürdigkeit in Frage gestellt. Verteidiger Todd Blanche befragte Trumps ehemaligen persönlichen Anwalt Michael Cohen am Donnerstag in New York scharf zu seinen wiederholten Lügen, unter anderem bei einer Anhörung des US-Kongresses, bei der Cohen wie vor Gericht unter Eid stand. Im Beisein von Trump bestätigte der Zeuge die unwahren Aussagen, wie die anwesenden Medien im Gerichtssaal übereinstimmend berichteten.
Zudem spielte Blanche Mitschnitte aus Cohens Podcast ab, in denen der ehemalige Trump-Vertraute seinem Ex-Boss Rache schwor und die Hoffnung äußerte, dass Trump im Gefängnis «verrotte». Die Verteidigung versuchte den Geschworenen damit vorzuführen, dass der Kronzeuge in dem Prozess einen opportunistischen Charakter und kein Problem mit der Unwahrheit habe, solange er damit seine Ziele erreiche. US-Medien beschrieben, dass der 57-Jährige sich etwas defensiver verhielt als noch am Dienstag, als er sich teils streitlustig gegeben hatte.
Angeblicher One-Night-Stand
Im Prozess wird behauptet, dass Trump versucht hat, seine Chancen auf einen Sieg bei der Präsidentschaftswahl 2016 zu verbessern, indem er 130.000 Dollar an den Pornostar Stormy Daniels zahlte, um zu verhindern, dass sie wegen eines mutmaßlichen One-Night-Stands mit Trump an die Öffentlichkeit geht.
Die Transaktion selbst, die von keiner Seite bestritten wurde, war nicht illegal. Allerdings wird behauptet, dass der heute 77-jährige Trump Unterlagen manipuliert hat, um den wahren Grund der Zahlung zu verbergen, die Cohen getätigt hat. Die Anklage lautet auf illegale Wahlkampffinanzierung. Trump hat im ersten Strafprozess gegen einen ehemaligen Präsidenten in der Geschichte der USA auf nicht schuldig plädiert.
Trump trug eine rote Krawatte und einen blauen Anzug. Während des Prozesses war er Berichten zufolge lebhafter als noch am Dienstag und verfolgte die Befragung teilweise aufmerksam. Auch am wahrscheinlich letzten Tag mit Cohen im Zeugenstand hatte Trump eine Gruppe von Unterstützern und Unterstützerinnen mit in den Gerichtssaal gebracht. Neben seinem Sohn Eric waren auch die republikanischen Rechtsaußen-Abgeordneten Lauren Boebert und Matt Gaetz anwesend.
Prozess auf der Zielgeraden
Cohen wird wegen zahlreicher öffentlicher Lügen in der Vergangenheit als problematischer Kronzeuge angesehen. Die Schweigegeldzahlungen an Daniels beschäftigen die US-Justiz seit Jahren. Cohen wurde bereits 2018 in diesem Zusammenhang verurteilt und verbüßte eine Haftstrafe unter anderem wegen Falschaussage. Zu dieser Zeit war Trump noch Präsident und wurde nicht strafrechtlich verfolgt. Der aktuelle Prozess begann im April, bei dem Cohen als Hauptbelastungszeuge auftritt. Er wandte sich gegen Trump, nachdem dieser ihn im Stich gelassen hatte.
Es zeichnet sich ab, dass der Prozess bald zu Ende geht: Cohen ist der letzte Zeuge der Anklage. Danach liegt es an der Verteidigung, entlastende Zeugen zu benennen, bevor es zu den Schlussplädoyers kommt. Frühestens nächste Woche könnte es soweit sein. Am Freitag wird der Prozess unterbrochen, da Trump die Abschlussfeier seines Sohnes Barron besuchen möchte. Am Ende müssen die zwölf Geschworenen eine einstimmige Entscheidung treffen. Im Falle einer Verurteilung würde Richter Juan Merchan das Strafmaß festlegen. Trump riskiert eine mehrjährige Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnte.








