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Demonstrationen vor Spatenstich für neue Rheinmetall-Fabrik

Munition ist knapp, sowohl bei der Bundeswehr als auch für die Unterstützung der Ukraine. Rheinmetall will das ändern und baut in der Lüneburger Heide eine neue Fabrik – trotz Protesten.

Ein Wegweiser führt zum Gelände der Firma Rheinmetall in Unterlüß: In dem neuen «Werk Niedersachsen» soll Artilleriemunition hergestellt werden.
Foto: Philipp Schulze/dpa

Aufgrund von Engpässen bei der Beschaffung von Munition plant der Rüstungskonzern Rheinmetall eine erhebliche Ausweitung seiner Produktion.

Gemäß den Regeln wird in nur einem Jahr Bauzeit eine neue Fabrik für Artilleriemunition in der Lüneburger Heide am bestehenden Standort Unterlüß (Landkreis Celle) entstehen, wie Firmenchef Armin Papperger beim symbolischen ersten Spatenstich mit Bundeskanzler Olaf Scholz und Verteidigungsminister Boris Pistorius (beide SPD) bekannt gab. Papperger erklärte, dass die Produktion bereits im nächsten Jahr beginnen soll.

Scholz sagte: «Mit der Investition legen Sie die Grundlage dafür, die Bundeswehr und unsere Partner in Europa eigenständig und vor allem dauerhaft mit Artilleriemunition zu versorgen.» Das sei gerade mit Blick auf die Ukraine und ihren Munitionsbedarf wichtig. «Wir haben uns bisher beholfen, indem wir sehr viel aus dem Bestand geliefert haben», erklärte der Kanzler. Aber dies sei immer weniger möglich. «Es ist wichtig, dass wir alles dafür tun, die Produktion weltweit zu erhöhen.» Das neue Werk von Rheinmetall sei hier ein wichtiges Signal.

Blockierte Zufahrten vor Spatenstich

2025 sollen zunächst 50.000 Artilleriegranaten das neue «Werk Niedersachsen» verlassen, im Jahr danach dann 100.000 und später 200.000 pro Jahr. Produziert werden vor allem 155-Millimeter-Artilleriegeschosse, daneben auch Sprengstoff und Komponenten für Raketenartillerie. Insgesamt 300 Millionen Euro will der Konzern in das neue Werk investieren, 500 Arbeitsplätze sollen entstehen.

Unterlüß ist bereits der größte Produktionsstandort des Rüstungskonzerns. Hier werden neben Munition auch Militärfahrzeuge wie der Schützenpanzer Puma hergestellt. Derzeit beschäftigt Rheinmetall 2500 Mitarbeiter an diesem Standort.

Etwa 400 Menschen hatten zuvor gegen die geplante neue Munitionsfabrik protestiert. Ein Polizeisprecher berichtete, dass rund 300 Landwirte mit ihren Traktoren beteiligt waren. Die Demonstranten sperrten Zufahrtswege zu dem Rüstungskonzern in Unterlüß.

Einige Straßenabschnitte seien gesperrt, es gebe Behinderungen, aber: «Man kommt durch den Ort durch», sagte der Sprecher. Die Landwirte demonstrierten nach Angaben des Landvolks Niedersachsen vor allem gegen Kürzungen beim Agrardiesel und gegen die Politik der Ampelregierung in Berlin.

Die Friedensaktion Südheide wollte zudem mit einer Mahnwache mit etwa zehn Menschen friedlich demonstrieren – gegen «Rüstungs- und Kriegspolitik», wie ein Sprecher sagte: «Wir erwarten von der Regierung, dass sie deeskalierend wirkt.»

dpa