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«Der Horror begleitet uns»: Angehörige erinnern an Geiseln

Auf dem Bebelplatz in Berlin steht nun der Nachbau eines Hamas-Tunnels – ähnlich den Orten im Gazastreifen, wo israelische Geiseln gefangen gehalten werden. Deren Verwandte hoffen weiter.

Angehöre von Geiseln und Teilnehmer der Veranstaltung stehen auf dem Beblplatz. Der Bebelplatz soll für einige Wochen symbolisch zum «Platz der Hamas-Geiseln» werden. Es wurden auch 132 leere Stühle aufgestellt.
Foto: Hannes P. Albert/dpa

Mit einer 20 Meter langen Tunnelattrappe auf dem Berliner Bebelplatz haben Angehörige an die israelischen Geiseln in der Hand der Terrororganisation Hamas erinnert und ihre Freilassung gefordert. Sie benannten den Platz neben der Staatsoper heute für die nächsten drei Wochen in «Platz der Hamas-Geiseln» um.

«Seit dem 7. Oktober begleitet uns der bestialische Horror, der Terror der Hamas bei jedem Schritt, begleiten uns unsere entführten Kinder, Schwestern, Väter bei jedem Atemzug», sagte Organisatorin Melody Sucharewicz.

Schicksal der übrigen Geiseln ist unklar

Die Hamas und ihre Anhänger hatten bei einem Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 nicht nur etwa 1200 Menschen getötet, sondern auch etwa 230 Frauen, Männer und Kinder entführt. 105 von ihnen wurden nach einer Vereinbarung zwischen Israel und der Hamas nach knapp zwei Monaten freigelassen. Das Schicksal der übrigen Geiseln ist ungewiss. Etwa 100 von ihnen werden nach israelischen Schätzungen noch am Leben sein.

Alon Gat ist besorgt um seine Schwester Carmel, die am 7. Oktober aus dem Kibbuz Beeri entführt wurde – genauso wie Alon Gat selbst, seine Frau Yarden Roman-Gat und ihre dreijährige Tochter. Alon Gat konnte mit dem Kind vor der Überführung in den Gazastreifen fliehen. Yarden wurde nach 54 Tagen zusammen mit anderen Geiseln freigelassen. Seine Schwester blieb in Gefangenschaft.

«Carmel wird heute 40 Jahre alt, heute ist ihr Geburtstag», sagte Gat. «Ich möchte Sie bitten sich vorzustellen, dass Ihre Schwester ihren Geburtstag mit Terroristen begeht, die jeden Tag Frauen vergewaltigen, ermorden, missbrauchen. Das ist die Situation, in der wir uns befinden.»

Rettung der Angehörigen als Mission

Der 65-jährige Jechiel Jahud kämpft um die Freilassung seines Sohns, seiner Tochter und deren Freund, die ebenfalls am 7. Oktober verschleppt wurden. Ihre Rettung sei nun seine Mission, sagte Jahud. Manchmal breche er zusammen, aber eines gebe ihm Kraft: Wenige Tage nach dem Angriff der Hamas habe seine Schwiegertochter die jüngste Tochter seines Sohns Dolev zur Welt gebracht. «Sie ist ein glückliches Kind, das lacht, wenn man an ihrer Krippe vorbeigeht», sagte Jahud. Sie warte auf ihren Vater, den sie nicht kenne.

Sucharewicz drückte ihre Dankbarkeit gegenüber der deutschen Regierung, Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) für ihren Einsatz zur Freilassung der Geiseln aus. Die Initiatorin betonte, wie wichtig es sei, dass diese Bemühungen unvermindert fortgesetzt werden.

dpa