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Debatte um Bidens Fitness, Biden wirbt weiter um Wählerstimmen in Michigan

Biden zeigt sich unbeirrt und will Trump erneut schlagen, trotz Forderungen nach Rückzug aus dem Rennen.

US-Präsident Joe BIden hat sich bei einem Wahlkampfauftritt in Detroit weiterhin keine Selbstzweifel anmerken lassen.
Foto: Carlos Osorio/AP/dpa

Ein weiterhin unerschütterlicher US-Präsident Joe Biden warb im Bundesstaat Michigan um Wählerstimmen, trotz der Debatte über seine geistige Fitness. «Soviel dazu, dass meine Kampagne auseinanderfällt», sagte der 81 Jahre alte Demokrat bei einem Auftritt in Detroit.

Wie schon bei der Pressekonferenz nach dem Nato-Gipfel zeigte der Präsident keine Selbstzweifel. Biden machte deutlich, dass er seinen republikanischen Herausforderer Donald Trump erneut schlagen wolle und werde. Seine Rede hielt er von Telepromptern ab, improvisierte nur wenig. An einer Stelle schien er kurz den Faden zu verlieren, lenkte aber schnell mit einer Anekdote davon ab.

Rückzugsforderungen reißen nicht ab

Am selben Tag hatte sich die Schauspielerin Ashley Judd in einem Meinungsbeitrag bei «USA Today» der Forderung ihres Hollywood-Kollegen George Clooney nach einem Rückzug Bidens aus dem Rennen um die Präsidentschaft angeschlossen. Judd bat Biden darum, Platz zu machen für einen «talentierten und starken Kandidaten». Dies falle ihr als überzeugte Demokratin nicht leicht.

Hakeem Jeffries, der demokratische Minderheitsführer des US-Repräsentantenhauses, gab bekannt, dass er sich am Donnerstagabend (Ortszeit) persönlich mit dem US-Präsidenten getroffen und ihm die Sorgen seiner Parteikollegen übermittelt hat.

Die «Washington Post» veröffentlichte ein Meinungsstück mit dem Titel: «Biden bleibt uneinsichtig. Er muss die Realität anerkennen.» Die Autorinnen und Autoren stimmen darin der Warnung von Bidens Unterstützern zu, dass man die Gefahr einer erneuten Trump-Präsidentschaft nicht aus den Augen verlieren dürfe. Sie schreiben aber auch: «Der beste Weg, um Mr. Trump aus dem Oval Office fernzuhalten, ist eine starke Alternative.»

https://x.com/washingtonpost/status/1811905882583642455

Davor hatte die «New York Times» unter Berufung auf zwei nicht namentlich genannte Quellen berichtet, einige Spender der Demokratischen Partei hielten Wahlkampfunterstützung in Höhe von schätzungsweise 90 Millionen US-Dollar zurück, solange Biden an der Kandidatur festhalte. Vergangene Woche gab es bereits Berichte, dass eine wohlhabende Disney-Erbin ihre finanzielle Unterstützung für die Partei so lange zurückhalten wolle, bis Biden sich aus dem Rennen zurückzieht.

Jubel für Biden, Buh-Rufe für die Presse

In Detroit schien von alldem nichts zu spüren zu sein. Bidens Publikum war animiert, jubelte laut immer wieder «Wir stehen hinter Dir», «Gib ja nicht auf» und «Wir lieben Dich». 

Als Biden die negativen Schlagzeilen der vergangenen Tage ansprach, gab es Buh-Rufe, denen der Demokrat allerdings Einhalt gebot und die «guten Männer und Frauen» in der Presse verteidigte. Er kritisierte dennoch, ungerechtfertigt in die Mangel genommen zu werden, weil er manchmal Namen verwechsle. «Ich sage Charlie statt Bill. Aber wisst Ihr was? Donald Trump hat einen Freifahrtschein bekommen.»

https://x.com/sahilkapur/status/1811903397483749783

Biden konzentrierte sich auch im weiteren Verlauf seiner Rede hauptsächlich auf seinen republikanischen Herausforderer. In Detroit, einer Stadt der Autoindustrie, nannte er Trump einen Gegner der Gewerkschaften und der Arbeiterklasse. Die Hauptbotschaft lautete: Er selbst setze sich für die Anliegen der Menschen ein, während der verurteilte Straftäter Trump nur auf seinem Golfplatz herumfahre.

Während seines Besuchs in Michigan machte Biden auch einen unangekündigten Zwischenstopp in einem Restaurant – solche Überraschungsauftritte sind im US-Wahlkampf nicht ungewöhnlich, werden jedoch in der aktuellen Gemengelage mit größter Aufmerksamkeit verfolgt.

Gemischte Gefühle im Kongress

Auch bei den Kongressmitgliedern sind alle Blicke auf den US-Präsidenten gerichtet: Seit seinem desaströsen Auftritt beim TV-Duell gegen Trump haben sich etwa 20 demokratische Parlamentarier offen gegen Biden positioniert.

Minderheitsführer Jeffries schrieb nach seinem Treffen mit dem Präsidenten in einem Brief an die demokratischen Abgeordneten seiner Parlamentskammer, er habe Biden gegenüber «direkt die ganze Bandbreite an Erkenntnissen, aufrichtigen Perspektiven und Schlussfolgerungen» seiner Fraktion zum Ausdruck gebracht. Auffällig war, dass er dabei nicht erwähnte, Biden seine Unterstützung für dessen Präsidentschaftskandidatur ausgesprochen zu haben.

https://x.com/MSNBC/status/1811769779000123425

Viele demokratische Kongressmitglieder machen sich Sorgen, dass fehlende Unterstützung für Biden auch sie die Wiederwahl kosten könnte. Neben dem Präsidentenamt wird im November über alle Sitze im Repräsentantenhaus und über ein Drittel der Sitze im Senat abgestimmt. Die Demokraten befürchten, dass die Republikaner nach der Wahl sowohl beide Kammern im Kongress als auch das Weiße Haus kontrollieren könnten.

Biden wird im August beim Parteitag der Demokraten offiziell zum Kandidaten gekürt. Er hat bereits die erforderlichen Delegiertenstimmen bei den Vorwahlen gewonnen. Daher liegt es allein an ihm, aus dem Rennen auszusteigen. Es bleibt abzuwarten, ob dabei letztendlich die Zweifler oder die Hoffnungsvollen Gehör finden.

dpa