Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Deutschland will Reisen nach Großbritannien vereinfachen

Auf Klassenfahrt nach London, zum Sprachkurs nach Brighton: Was zahlreiche Schüler erlebt haben, ist wegen des Brexits kaum noch möglich. Das soll sich wieder ändern.

Schülerreisen aus EU-Staaten nach Großbritannien sollen wieder leichter werden.
Foto: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

Seit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union ist die Anzahl der Schülerreisen von EU-Staaten nach Großbritannien stark gesunken. Beobachter schätzen den Rückgang auf 75 Prozent.

Der Grund sind strengere Einreiseregeln in Großbritannien: Alle Teilnehmer müssen jetzt einen Reisepass vorlegen und Schüler aus Nicht-EU-Staaten benötigen möglicherweise ein Visum. Der deutsche Botschafter in London, Miguel Berger, hat erklärt, dass die Bundesregierung sich für eine Trendwende einsetzt, wie er der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Schülerreisen sollen einfacher möglich werden

«Es ist uns ein großes Anliegen, dass Schülerreisen und -austausche, die mit dem Brexit leider stark zurückgegangen sind, wieder einfacher möglich werden – indem die Einreisebestimmungen vereinfacht werden», sagte Berger. «Konkret wünschen wir uns, dass die britische Regierung das Instrument der Schülersammellisten wieder anerkennt, wie das bis Oktober 2021 der Fall war.»

Es gibt Schülersammellisten für Klassenfahrten innerhalb der Europäischen Union sowie nach Island, Liechtenstein und Norwegen, den Mitgliedern des Europäischen Wirtschaftsraums. Aufgrund dieser Listen dürfen Schüler aus Drittstaaten ohne Visum einreisen.

Großbritannien hat vor Kurzem eine ähnliche bilaterale Lösung mit Frankreich gefunden. Berger betonte, dass die Bundesregierung sich dafür einsetzt, dass Schülerinnen und Schüler aus Deutschland und der gesamten EU bald ebenfalls diese Möglichkeit haben werden.

Zeitplan offen

«Wir sind zudem in einer Sondierungsphase betreffend eines sogenannten Youth Mobility Scheme, wie es die Briten mit einzelnen Staaten außerhalb der EU haben», sagte der Diplomat. Das Programm sieht vor, dass junge Leute zwischen 18 und maximal 35 Jahren bis zu zwei Jahre im Vereinigten Königreich leben und arbeiten können. «Das wäre für junge Leute aus Deutschland und aus der gesamten EU eine großartige Möglichkeit, hier für mehrere Monate sein und sich den Lebensunterhalt ein bisschen verdienen zu können», sagte Berger.

Experten betonen, dass die britische Gastronomie seit dem Brexit unter einem Fachkräftemangel leidet. In Pubs und Hotels waren vor allem viele junge Menschen aus Spanien, Portugal und Italien beschäftigt. Aufgrund der Einführung von kostspieligen Arbeitsvisa nach dem Brexit können sie es sich jedoch nicht mehr leisten, nach Großbritannien zu ziehen. Die konservative britische Regierung beabsichtigt, die Nettozuwanderung mit drastischen Gesetzen zu verringern.

Einen Zeitplan nannte Berger nicht. «Die EU-Mitgliedstaaten tauschen sich dazu in Brüssel miteinander aus», sagte er. «Es wäre erstrebenswert, wenn sich ein solches Abkommen für die gesamte EU in naher Zukunft realisieren ließe.»

dpa