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Diese sieben «Swing States» entscheiden die US-Wahl

Die Delegierten der Bundesstaaten stimmen geschlossen für einen Präsidentschaftskandidaten. Meist ist vorher klar, wer siegen wird – außer in ein paar umkämpften Staaten in der politischen Mitte.

Kamala Harris spricht im besonders umkämpften US-Bundesstaat Wisconsin.
Foto: Morry Gash/AP/dpa

Das Rennen ist eng, die Zeit ist knapp: Es dauert nur noch rund sechs Wochen, bis die Wähler in den USA über einen neuen Präsidenten entscheiden. Für Kamala Harris und Donald Trump zählt im Wahlkampf nun jede Minute. Die Demokratin und der Republikaner werden bis zur Abstimmung am 5. November vor allem dorthin reisen, wo am Ende über die Wahl entschieden wird – in den sogenannten «Swing States». 

Das sind ein paar Bundesstaaten der politischen Mitte, die bei vergangenen Wahlen mal mehrheitlich für die eine, mal für die andere Partei gestimmt haben. Sie «schwingen» sozusagen zwischen Demokraten und Republikanern hin und her, sie sind das Zünglein an der Waage. Deswegen konzentriert sich der Wahlkampf in diesem Jahr auf gerade einmal sieben Bundesstaaten. 

Der Grund dafür ist das Wahlsystem. Wer Präsident wird, entscheidet sich nicht anhand der Summe der landesweit abgegebenen Stimmen, sondern durch 538 Delegierte der Bundesstaaten. Die sogenannten Wahlleute werden proportional nach Bevölkerungsgröße aus den einzelnen Bundesstaaten und aus der Hauptstadt Washington entsandt. In fast allen Staaten gilt: Wenn ein Kandidat vorn liegt, bekommt er unabhängig von den genauen Stimmverhältnissen alle Wahlleute dieses Bundesstaats zugesprochen.

Besonders wichtig: «Midwest»- und «Sun Belt»-Staaten

In vielen Bundesstaaten ist aufgrund vergangener Wahlen und aktueller Umfragen klar, wer gewinnen wird: Die 54 Stimmen Kaliforniens etwa gehen sicher an die Demokraten, die 40 Stimmen aus Texas an die Republikaner. Im reichen und gebildeten Nordosten stimmen die Menschen eher für die Demokraten, im tiefen Süden punkten eher die Republikaner.

Experten erwarten eine knappe Entscheidung in zwei Staaten im Norden der USA, in Wisconsin und Michigan im sogenannten «Mittleren Westen». Das gilt auch für das östliche Pennsylvania und für vier Staaten im «Sun Belt» der USA, die für ihr mildes und sonniges Klima bekannt sind. Nevada und Arizona liegen im Westen des «Sonnengürtels», Georgia und North Carolina im Osten.

Pennsylvania (19 Wahlleute)

In vielen US-Analysen wird Pennsylvania als möglicherweise wichtigster Staat der Wahl angesehen. Ein Gesamtsieg für beide Kandidaten ist ohne diesen Staat aufgrund der hohen Anzahl an Wahlleuten deutlich schwieriger. In dem von einer starken Mittelschicht geprägten Staat sind wichtige Themen die hohen Lebenshaltungskosten und die umstrittene Erdgas-Gewinnung durch Fracking. Harris hatte zuletzt in Umfragen hier immer knapp die Nase vorn.

Georgia (16 Wahlleute)

Nach sechs Siegen für die Republikaner konnte sich Joe Biden 2020 erstmals seit langem wieder den Südstaat Georgia für die Demokraten sichern. Ein hoher Anteil an schwarzen Wählern war besonders wichtig für diesen Erfolg, da sie etwa ein Drittel aller Wähler dort ausmachen. Im Frühjahr zeigten Umfragen jedoch, dass Biden insbesondere bei jüngeren Schwarzen an Unterstützung verlor. Harris konnte den Rückstand nur teilweise aufholen. In Georgia droht außerdem erneut eine langwierige Auszählung der Stimmen, nachdem die konservative Wahlaufsicht entschieden hat, dass alle Stimmen von Hand überprüft werden müssen. Dadurch könnte es zu tagelangen oder wochenlangen Streitigkeiten kommen.

North Carolina (16 Wahlleute)

In der Tat ist North Carolina konservativ: Abgesehen von Barack Obama im Jahr 2008 hat der Staat immer den republikanischen Präsidentschaftskandidaten gewählt. Aufgrund vieler Zugezogener und einem hohen Anteil an Schwarzen hofft Vizepräsidentin Harris auf eine Überraschung. Eine weitere Wahl am 5. November in dem Sun-Belt-Staat könnte ebenfalls dazu beitragen, denn North Carolina wählt auch einen neuen Gouverneur. Die Republikaner haben mit Mark Robinson einen extremen Kandidaten nominiert, der den Holocaust leugnet, ein Abtreibungsverbot durchsetzen will und zuletzt mit einem Skandal über Beiträge in Internet-Pornoforen für Schlagzeilen gesorgt hat.

Michigan (15 Wahlleute)

Die Demokratin Gretchen Whitmer, die Gouverneurin von Michigan, ist sehr beliebt und konnte vor zwei Jahren ihre Wiederwahl mit fast zehn Prozentpunkten Vorsprung gewinnen. Das Ergebnis im November wird jedoch sicher nicht so eindeutig sein: 2016 lag Donald Trump hier nur mit 11.000 Stimmen vorne, während Biden 2020 den Staat mit einem Vorsprung von rund zwei Prozentpunkten gewann. Ob die Demokraten diesen Erfolg wiederholen können, ist ungewiss, da in Michigan besonders viele arabisch-stämmige Amerikaner leben, die Bidens Unterstützung für Israel kritisch sehen.

Arizona (11 Wahlleute)

Arizona an der Südgrenze östlich von Kalifornien spielt eine entscheidende Rolle sowohl bei der Präsidentschaft als auch bei den Mehrheitsverhältnissen im Senat. Der progressive Demokrat Ruben Gallego tritt bei der Senatswahl in Arizona gegen Trump-Freundin Kari Lake an, die bereits 2022 im Rennen um den Gouverneursposten unterlegen war. Ein Volksentscheid zum Abtreibungsrecht könnte zudem zusätzliche Demokraten-Wähler mobilisieren.

Wisconsin (10 Wahlleute) 

Wisconsin ist ein besonders umkämpfter Bundesstaat: 2016 hat Trump dort gegen Hillary Clinton gewonnen, 2020 lag Biden vor Trump. Beide Male betrug der Unterschied bei etwa drei Millionen abgegebenen Stimmen nur etwa 20.000 Stimmen. Drittkandidaten könnten daher in Wisconsin eine wichtige Rolle spielen, wenn sie Harris oder Trump Stimmen streitig machen.

Nevada (6 Wahlleute)

Nevada schickt nur wenige Wahlleute nach Washington, aber auch sie könnten entscheidend sein. Im Silber- und Wüstenstaat im Südwesten sind Wirtschaftsthemen besonders wichtig: Die Erholung nach der Corona-Pandemie verlief schleppend, die Arbeitslosigkeit zählt zu den höchsten in den USA. Rund drei Viertel der Menschen in Nevada wohnen in und um die Glücksspielmetropole Las Vegas. Seit 1976 haben sowohl Republikaner als auch Demokraten den Staat je sechsmal für sich entscheiden können.

dpa