DIW-Chef Marcel Fratzscher schlägt vor, einen Teil der deutschen Goldreserven zu verkaufen, um 440 Milliarden Euro für notwendige Investitionen in Bildung und Infrastruktur zu mobilisieren. Trotz der enormen Bestände bleibt die Entscheidung bei der Bundesbank, nicht der Bundesregierung.
DIW-Präsident Fratzscher fordert Verkauf von Goldreserven zur Stärkung der deutschen Wirtschaft

Der Goldpreis hat im vergangenen Jahr erheblich zugenommen, während Deutschland sich in einer tiefen wirtschaftlichen Krise befindet. Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), sieht in den deutschen Goldreserven eine Möglichkeit, die Wirtschaft anzukurbeln.
Fratzscher betont, dass die Goldreserven Deutschlands einen aktuellen Wert von nahezu 440 Milliarden Euro haben. Er bezeichnet diese Bestände als ein „riesiges Sparschwein für Krisen“ und fordert, einen Teil davon zur Bekämpfung der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen sowie zur Entlastung von Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen zu nutzen. Der Erlös aus einem möglichen Verkauf könnte in Bereiche wie Bildung oder Infrastruktur investiert werden. In diesem Kontext ist es auch wichtig, die politischen Maßnahmen zu betrachten, wie Italien schlägt Alarm, wo die Regierung bei Spritpreisen interveniert.
Die Deutsche Bundesbank verwaltet insgesamt 3350 Tonnen Gold, was die zweitgrößten Bestände weltweit nach den USA ausmacht. Von diesen befinden sich 1710 Tonnen in Frankfurt am Main, 1236 Tonnen in New York und 404 Tonnen in London.
Verwaltung der Goldreserven
Fratzscher weist darauf hin, dass ein Verkauf der Goldreserven nicht einfach von der Bundesregierung angeordnet werden kann. „Das Gold wird von der Bundesbank verwaltet“, erklärt er. „Selbst ein Bundeskanzler kann nicht einfach anordnen: Ihr müsst jetzt das Gold verkaufen.“ Dennoch spricht er sich dafür aus, das „Tabu“ zu brechen und diese Reserven in Betracht zu ziehen.
Die geografische Verteilung der Goldreserven hat historische Hintergründe. Ab Mitte 1951 begann die Bank Deutscher Länder, die Vorgängerin der Bundesbank, mit dem Aufbau der ersten Goldreserven. Das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg führte zu einem rasanten Anstieg des deutschen Goldschatzes, da der florierende Export viele Dollar einbrachte, die bei der US-Zentralbank gegen Gold eingetauscht wurden. Während des Kalten Krieges war es gewollt, deutsches Gold „westlich des Rheins“ und möglichst außerhalb der Landesgrenzen zu lagern, um einen Puffer für Währungskrisen zu schaffen.
Aktuelle Entwicklungen am Goldmarkt
Im vergangenen Jahr stieg der Goldpreis aufgrund geopolitischer Spannungen, der expansiven Geldpolitik vieler Zentralbanken und Inflationsängsten stark an. Der Preis erhöhte sich von über 2600 US-Dollar auf mehr als 5000 US-Dollar. Aktuell liegt der Goldpreis bei etwa 4700 US-Dollar.
Die Diskussion um den Verkauf der Goldreserven wird in Anbetracht der aktuellen wirtschaftlichen Lage immer relevanter. Experten und Politiker sind gefordert, über die Möglichkeiten und Risiken eines solchen Schrittes nachzudenken.
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