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Drohnenangriffe auf Odessa: Drei Tote in Industriegebiet

Die ukrainische Flugabwehr feuert in der Nacht heftig auf einen russischen Drohnenschwarm, kann aber einen tödlichen Einschlag nicht verhindern. Die Folgen sind fatal.

Bei dem Angriff auf die Hafenstadt Odessa wurde eine Näherei zerstört.
Foto: Kay Nietfeld/dpa

Mit Drohnenangriffen auf die ukrainische Hafenstadt Odessa hat Russland vor dem zweiten Jahrestag seines Angriffskriegs mindestens drei Menschen getötet. Die Opfer starben nach Angaben der Behörden in den Trümmern eines völlig zerstörten Industriegebäudes, das in der Nacht auch ausbrannte. «Dieses Mal wurden in Richtung Odessa neun Drohnen eingesetzt», sagte die Sprecherin der Südgruppierung der ukrainischen Armee, Natalja Humenjuk, vor Journalisten. Sie bezeichnete den nächtlichen Angriff als weiteren Test der Flugabwehr durch das russische Militär.

Unter anderem habe Russland mehrere Antiradarraketen eingesetzt, sagte Humenjuk. Diese hätten jedoch alle aufgrund einer schlechten Produktionsqualität ihr Ziel nicht erreicht. Alle Drohnen seien dagegen getroffen worden, eine abgeschossene Drohne aber auf das Industriegebiet gestürzt. «Es gab ein Feuer auf einer Fläche von 500 Quadratmeter. Leider hat die Bekämpfung sehr lange gedauert», sagte sie. Die drei Menschen hätten nicht gerettet werden können.

«Ich hörte die Drohnen und das Abwehrfeuer. Dann die Explosion», sagte die Nachtwächterin der Anlage, Olena Knap, der Deutschen Presse-Agentur am Ort des Einschlags. Bei den Getöteten handele es sich um Verwandte des Firmeninhabers. Sie seien Flüchtlinge aus dem Osten der Ukraine gewesen, die in der Näherei gewohnt hätten. Sie selbst trägt Stunden nach der Explosion Habseligkeiten aus dem Wachhäuschen wenige Meter vor dem getroffenen Gebäude, in dem sie den Einschlag unverletzt überlebt habe. Sie sei aus einem Fenster geklettert und sagt: «Ich war wie taub durch den Knall.»

Jahrestag des Kriegsbeginns

An diesem Samstag ist es zwei Jahre her, dass der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine begann. Kremlchef Wladimir Putin, der die Invasion am 24. Februar 2022 befohlen hatte, gratulierte den russischen Soldaten in der Nacht zum Tag des Vaterlandsverteidigers, einem der wichtigsten nationalen Feiertage Russlands, an dem nicht gearbeitet wird.

Das Land führt regelmäßig Drohnen- und Raketenangriffe in der Ukraine durch. Auch in der ukrainischen Stadt Dnipro wurden am Freitag Zerstörungen nach einem Drohnenangriff gemeldet. Die Behörden vor Ort veröffentlichten Bilder eines beschädigten Hochhauses, bei dem acht Menschen verletzt wurden. Es wird nach Verschütteten unter den Trümmern gesucht, so hieß es.

Laut Angaben der ukrainischen Luftverteidigung wurden insgesamt 23 von 31 russischen Drohnenangriffen in der Nacht zum Freitag abgewehrt, davon allein neun in Odessa. Die Führung in Kiew fordert immer wieder noch mehr Unterstützung vom Westen beim Ausbau der Flugabwehr, um die Städte im Land noch besser vor Angriffen mit Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen schützen und so mehr Menschenleben retten zu können.

Das Tor zur Welt

„Odessa hat eine enorme wirtschaftliche Bedeutung für die Ukraine“, sagte Dmytro Barinow, der Vizechef der staatlichen Hafenbehörde in Odessa. „Die Hafenstadt ist logistisch das Tor zur Welt und Angriffe in diesen Gebieten sind Teil der russischen Versuche, den Außenhandel der Ukraine abzuschneiden. Von den eigentlich 18 Seehäfen der Ukraine seien derzeit nur 6 in Betrieb.“

Darunter seien drei Häfen im Donau-Gebiet, die nur einen geringen Tiefgang der Schiffe von etwa sieben Metern erlaubten. Viel größere Kapazitäten gebe es in den drei Häfen im Großraum Odessa. «Bei jedem Luftalarm gehen die Arbeiter in die Schutzräume», sagte er.

Außerdem gab es gezielte Angriffe, wie im letzten Jahr, als ein Lotse durch einen Raketenangriff auf der Brücke eines Handelsschiffs getötet wurde. Russland plant, den zivilen Seeverkehr zu stören. Die Handelsschiffe fahren Odessa auf Routen entlang der Küste an und warten auf der anderen Seite des Bosporus – also im Marmarameer vor Istanbul – auf ihr Zeitfenster zur Einfahrt.

Oleh Kostjuk, CEO der ukrainischen Logistikgruppe GTI, die im Geschäft mit den für die Ernährungslage in vielen Staaten wichtigen Getreideexporte der Ukraine ist, unterstrich in einem Interview, dass aufgrund der fortgesetzten Angriffe auf die Infrastruktur die Lage schwierig sei und keine großen Investitionen erlaube.

Während die Fahrt der Schiffe von großen Gesellschaften versichert werden könne, gelte das nicht für den Zeitraum der Verladung und Lagerung in den Häfen. Geplant werden könne nur für die nächsten Monate, nicht für mehrere Jahre, wie es für Investitionen nötig sei. Er sagte: «In unserer Branche geht es nicht um Wachstum. Es geht ums Überleben.»

dpa