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Ein Grüner regiert künftig die Hauptstadt des weiß-blauen Bayern

In einer historischen Wende gewinnt Dominik Krause von den Grünen die Stichwahl zum Oberbürgermeister von München. Damit endet die jahrzehntelange SPD-Herrschaft in der bayerischen Landeshauptstadt.

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Ein Grüner regiert künftig die Hauptstadt des weiß-blauen Bayern
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Seit den 1980er Jahren war die SPD in München an der Spitze der Stadtpolitik. Diese Ära ist nun beendet: In der Stichwahl unterliegt der amtierende Oberbürgermeister Dieter Reiter dem Grünen-Kandidaten Dominik Krause. Der Physiker wird somit der erste grüne Oberbürgermeister Münchens.

Bereits vor dem Abschluss der Stimmenauszählung war klar, dass der SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter abgewählt wurde und Dominik Krause als sein Nachfolger feststeht. Das Ergebnis der Stichwahl stellt eine Sensation dar: Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellte die SPD, mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung in den 1980er Jahren, den Oberbürgermeister in der bayerischen Landeshauptstadt. Reiter war seit 2014 im Amt und nun wird er von einem Grünen abgelöst, was in München bislang einmalig ist.

„Ich hab’s verbockt, es war meine Schuld“, erklärte der 67-jährige Reiter am Wahlabend.

Vor der Wahl hatte Reiter zugeben müssen, dass er einen nicht genehmigten, aber vergüteten Posten beim FC Bayern München inne hatte. Der Wahlsieg von Krause ist jedoch auch als Erfolg für die Grünen zu werten, die es nach der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen in die Stichwahl geschafft hatten. Der 35-jährige Dominik Krause, gebürtiger Münchner, war seit 2023 bereits Zweiter Bürgermeister der Stadt.

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Krause ist mit einem Arzt verlobt und sitzt seit zwölf Jahren im Stadtrat. Bereits 2023 sorgte er für Aufsehen, als er München als die „Stadt mit der weltweit größten offenen Drogenszene, nämlich dem Oktoberfest“ bezeichnete und sich für die Legalisierung von Cannabis einsetzte. Abgesehen von dieser Provokation hielt sich der studierte Physiker jedoch weitgehend zurück.

Kritik an seinem Alter

Bis zum Wahlabend war Krause bundesweit weitgehend unbekannt. Kritiker, die ihm vorwarfen, zu jung für das Amt des Oberbürgermeisters zu sein, begegnete er im Wahlkampf mit Selbstbewusstsein. Er verwies auf Hans-Jochen Vogel, der 1960 im Alter von 34 Jahren zum Oberbürgermeister gewählt wurde.

Als Reiter im vergangenen Jahr nach einer Operation für zwei Monate ausfiel, übernahm Krause dessen Amtsgeschäfte ohne Probleme. Konflikte scheute er jedoch nicht, auch nicht mit Parteifreunden: Im August 2024 sprach er sich öffentlich für eine Olympia-Bewerbung Münchens aus, was bei vielen Grünen auf Widerstand stieß.

Im Wahlkampf erhielt Krause Unterstützung von Robert Habeck, dem ehemaligen Bundeswirtschaftsminister. Dies stellte ein gewisses Risiko dar, da die CSU seit Jahren gegen Habeck mobil macht. Dennoch konnte die CSU bei der ersten Wahlrunde am 8. März mit nur gut 21 Prozent nur den dritten Platz belegen.

Ein Aufbruch für München

Auf der Wahlparty der Grünen kündigte Krause am Abend der Stichwahl einen Aufbruch für München an:

„Es war eine besondere Atmosphäre in der Stadt. Jetzt packen wir es, jetzt bewegen wir wieder was“,

sagte er. Das Wahlergebnis bezeichnete er als „Wahnsinn“. Krause dankte dem unterlegenen Reiter für dessen zwölfjährige Amtszeit und rief seine Partei zum Feiern auf:

„Und jetzt reißen wir die Halle ab!“

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TS