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Einsatz von Streumunition: meiste Opfer in der Ukraine

Streumunition ist international geächtet, da sie unsagbares Leid in der Zivilbevölkerung verursacht. Die Zahl der Opfer ging im Vorjahr laut Human Rights Watch zurück – auch aus bestimmtem Grund.

Fast die Hälfte aller gemeldeten Streumunitionsopfer im Vorjahr waren Kinder. (Archivbild)
Foto: Omar Albam/AP

Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) ist die Anzahl der gemeldeten Opfer von Streumunition im letzten Jahr deutlich gesunken. Dies sei jedoch darauf zurückzuführen, dass nicht alle Fälle in Konfliktzonen registriert und gemeldet würden, wie der jährliche Streumunitionsbericht zeigt.

219 Menschen wurden gemeldet, die durch Streumunition getötet oder verletzt wurden, 47 Prozent davon Minderjährige. Ein Jahr zuvor waren es mehr als 1.000 gewesen. Die meisten Opfer gab es das zweite Jahr in Folge in der Ukraine, heißt es in dem Bericht. Eine genaue Zahl gibt es jedoch nicht. Sowohl russische als auch ukrainische Streitkräfte, die von den USA beliefert wurden, hätten die Munition eingesetzt.

Was ist Streumunition?

Viele kleinere Sprengsätze, die in Behältern aus Flugzeugen und Raketenwerfern abgeschossen werden, werden als Streumunition bezeichnet. Sie werden hauptsächlich wahllos und großflächig verteilt und explodieren. Viele landen auch als Blindgänger im Boden und verletzen oder töten Menschen noch Jahre später. Die meisten Opfer sind Zivilisten.

Das Oslo-Übereinkommen, das das Verbot von Streumunition regelt, wurde im Jahr 2010 wirksam. Es wurde von über 110 Staaten ratifiziert. Die Konvention beinhaltet ein absolutes Verbot von Einsatz, Entwicklung, Herstellung, Lagerung und Transfer von Streumunition.

Kritik an Deutschland

Human Rights Watch (HRW) hat Deutschland kritisiert, weil die US-Streitkräfte im vergangenen Jahr ihre hier gelagerte Streumunition durch Deutschland transportiert und in die Ukraine geschickt haben, wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) dokumentiert hat.

«Alle Mitglieder der Konvention sollten sich klar gegen die Lagerung von Streumunition im Ausland und gegen den Transit von Streumunition durch ihr Territorium, ihren Luftraum oder ihre Gewässer aussprechen», verlangte HRW. Deutschland ist Vertragsstaat der Konvention, die USA ebenso wie die Ukraine und Russland sind es nicht. 

Nur zehn Länder verwenden noch einsatzfähige Streumunition zu Studien- und Trainingszwecken, wobei Deutschland die größte Menge besitzt.

28 Länder mit Munitionsresten verseucht

Laut dem Bericht wurde im letzten Jahr Streumunition auch in Myanmar und Syrien eingesetzt. Es wird angenommen, dass 28 Länder und Territorien teilweise mit dieser Munition kontaminiert sind. Im vergangenen Jahr wurden 83 Quadratkilometer Land geräumt, wobei über 73.000 Stück Munition oder Munitionsreste zerstört wurden. HRW hat den Bericht für die Internationale Kampagne gegen Landminen und Streumunition (ICBL-CMC) verfasst.

dpa