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Entsendung türkischer Imame nach Deutschland wird enden

Prediger, die nicht wissen, wie die deutsche Gesellschaft tickt. Religionsbeauftragte, die aus den türkischen Generalkonsulaten Weisungen erhalten. Das gilt jetzt als Auslaufmodell.

Die deutsche und die türkische Flagge sind vor einer Moschee zu sehen. Die Bundesregierung will die Ausbildung zusätzlicher Imame im Inland finanziell fördern.
Foto: Christian Charisius/dpa

In einigen Jahren sollen keine von der türkischen Regierung entsandten Imame mehr in deutschen Moscheen predigen, wie das Bundesinnenministerium bekannt gab. Die Bundesregierung hat mit der Türkei einen Fahrplan vereinbart, um die Entsendung von Imamen nach Deutschland schrittweise zu beenden.

Diese Angelegenheit ist seit langem umstritten, da die Prediger, die in der Regel für vier Jahre entsandt werden, als türkische Staatsbeamte Weisungen aus Ankara befolgen und in der Regel nur unvollständiges Wissen über die Lebensrealität in der deutschen Gesellschaft haben.

Der Plan

Gemäß dem Bundesinnenministerium sollen die derzeit etwa 1000 in Deutschland tätigen Prediger der türkischen Religionsbehörde Diyanet im Laufe der nächsten Jahre sukzessive durch in Deutschland ausgebildete Imame ersetzt werden. Dafür ist geplant, dass jedes Jahr mindestens 100 Imame eine entsprechende Ausbildung hierzulande absolvieren.

Die Diyanet-Imame üben ihre Tätigkeit hauptsächlich in den etwa 900 Moscheen der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) aus. Einige Dutzend von ihnen predigen gemäß den Informationen der Bundesregierung in den Gemeinden der Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa (ATIB) und von Milli Görüs – zwei Verbänden, die im aktuellen Jahresbericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz erwähnt werden.

Um sicherzustellen, dass der ausländische Einfluss auf die Inhalte der Predigten in deutschen Moscheen reduziert wird, wird ab dem Jahr 2024 die Verantwortung für die entsandten und bezahlten Prediger aus der Türkei nicht mehr bei den türkischen Generalkonsulaten, sondern bei Ditib liegen.

Die Bundesregierung beabsichtigt, die Finanzierung der Ausbildung zusätzlicher Imame im Inland zu unterstützen. Diese Ausbildung, die Absolventen von Studiengängen für islamische Theologie offensteht, soll aus drei Bereichen bestehen: Deutschunterricht, islamische Religionslehre sowie deutsche Geschichte, gesellschaftspolitische Fragen und Werte.

Zufriedene Reaktionen

«Ich freue mich, dass wir nach langen Verhandlungen erstmalig eine Vereinbarung mit der Türkei schließen konnten, mit der die Entsendung von staatlich bediensteten Imamen aus der Türkei beendet wird», sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD). Sie betonte: «Wir wollen, dass Imame sich in den Dialog zwischen den Religionen einbringen und Glaubensfragen in unserer Gesellschaft diskutieren.»

Die Verhandlungen zwischen der Türkei und Deutschland über Arbeitsvisa für religiöses Personal haben bereits seit 2016 stattgefunden. Die kürzlich abgeschlossene Vereinbarung wurde ebenfalls während des Treffens zwischen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im November in Berlin diskutiert.

«Hier wird deutlich, dass wir auch im Gespräch mit schwierigen Partnern zu wichtigen und guten Ergebnissen kommen, die unionsgeführte Regierungen in 16 Jahren nicht erzielen konnten», sagte die religionspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Sandra Bubendorfer-Licht.

Ausbildung zum Imam

Ditib ist der größte Islam-Verband in Deutschland. Die Tatsache, dass die Religionsbehörde in Ankara über Jahrzehnte hinweg Prediger aus der Türkei nach Deutschland entsandt und bezahlt hat, ist auf die Geschichte der sogenannten Gastarbeiter zurückzuführen. Diese kamen von 1961 bis 1973 im Rahmen eines Anwerbeabkommens nach Deutschland. Da sie ursprünglich nicht dauerhaft bleiben sollten, erschien es vielen anfangs unproblematisch, dass Prediger aus der Türkei geschickt wurden.

Die Ausbildung deutscher Imame steckt noch in den Anfängen. Seit 2020 werden an der Ditib-Akademie in Dahlem in der Eifel sunnitische islamische Religionsbeauftragte ausgebildet. Gemäß der Akademieleitung haben die ersten 25 Teilnehmer im Jahr 2022 ihre zweijährige Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Derzeit nehmen 35 islamische Theologen am zweiten Lehrgang teil, darunter elf Männer und 24 Frauen.

Ende 2019 wurde das Islamkolleg Deutschland (IKD) mit Sitz in Osnabrück gegründet. Im Sommer 2021 begannen die ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre praktische berufsbegleitende Ausbildung zum Imam. Das Kolleg wird vom Bundesinnenministerium unterstützt und ist die erste Einrichtung in Deutschland, die in Zusammenarbeit mit islamischen Theologinnen und Theologen gegründet wurde, um islamische Geistliche und Seelsorger in deutscher Sprache auszubilden.

In der Regel wird für die Imam-Ausbildung hier der Abschluss eines wissenschaftlichen Studiums der islamischen Theologie in Deutschland vorausgesetzt. Im September 2022 wurden die ersten 26 Absolventen des Islamkollegs mit ihren Abschlusszertifikaten ausgezeichnet.

Geplant ist eine Kooperation zwischen der Ditib-Akademie und dem IKD, zwei bisher unabhängig voneinander agierenden Einrichtungen. Die geplante Förderung wird den Steuerzahlern jährliche Kosten in Höhe von 500.000 Euro verursachen.

Laut der Bundesregierung ist ein Vorteil der geplanten Neuregelung, dass die Verantwortung für die Äußerungen und Handlungen der Prediger in den Gemeinden nun ausschließlich dem jeweiligen Verein oder Verband zugeordnet wird – und nicht mehr der Behörde eines ausländischen Staates, wie es bisher der Fall war.

dpa