Immer wieder beteuerte der britische Ex-Prinz Andrew, von den Machenschaften Jeffrey Epsteins nichts gewusst zu haben. Neu veröffentlichte Akten könnten ihn nun jedoch in Erklärungsnot bringen.
Epstein-Akten: Einblick in E-Mail-Verkehr mit Andrew?

Die kürzlich veröffentlichten Dokumente im Missbrauchsskandal um den verstorbenen US-Multimillionär Jeffrey Epstein bieten Einblicke in seine Korrespondenz mit dem ehemaligen britischen Prinzen Andrew (65). Es wird auch erwartet, dass Andrews Ex-Frau Sarah Ferguson (66) in den Dokumenten erwähnt wird.
So scheint aus einem E-Mail-Verlauf hervorzugehen, dass Epstein im Jahr 2010 für Andrew ein Dinner mit einer 26-jährigen Russin in London vermittelte – kurz nachdem der US-Amerikaner seine Strafe wegen Prostitution Minderjähriger abgesessen hatte. In der Antwort, die mit Andrews Signatur «HRH The Duke of York KG» versehen und mit dem Buchstaben «A» unterzeichnet ist, heißt es: «(…) ich wäre entzückt, sie zu sehen». Weitere E-Mails zeigen, dass Epstein ein Abendessen mit prominenten Teilnehmern für Andrew plante.
Andrew will von Machenschaften nichts mitbekommen haben
Epstein war bekannt dafür, gut vernetzt zu sein und verkehrte in einflussreichen Kreisen. Zugleich führte er über Jahre hinweg einen Missbrauchsring, dem viele Mädchen und junge Frauen zum Opfer fielen. Andrew versicherte immer wieder, nichts von den Machenschaften seines Freundes mitbekommen zu haben. Dabei erhob eine der Epstein-Opfer konkrete Vorwürfe gegen den jüngeren Bruder von König Charles III. (77).
Virgina Giuffre, die mittlerweile verstorbene US-Amerikanerin, beschuldigte Andrew, sie mehrmals sexuell missbraucht zu haben, darunter als Minderjährige im Jahr 2001 in London. Sie wurde damals von Epstein nach Großbritannien gebracht und angeblich gezwungen, Sex mit Andrew zu haben. Ein bekanntes Foto zeigt die beiden angeblich im Londoner Haus von Ghislaine Maxwell, wo der Missbrauch stattgefunden haben soll.
Andrew leugnete alles, aber eine Zivilklage in den USA führte zu einem Bericht zufolge millionenschweren Vergleich.
Ist Andrew der «Invisible Man»?
Andrew verlor im Laufe der Zeit durch die Vorwürfe sowohl seine Rolle als offizieller Vertreter des Königshauses als auch alle Ehren, militärische Ränge und Titel. Zuletzt wurden ihm von König Charles auch der durch Geburt erworbene Titel «Prinz» aberkannt. Er heißt nun nur noch Andrew Mountbatten-Windsor. Zudem muss er aus dem luxuriösen Anwesen Royal Lodge auf dem Gelände von Schloss Windsor ausziehen.
Die Zuordnung der teils geschwärzten Akten ist zuweilen schwierig. Weitere E-Mails legen nahe, dass es sich bei einem mysteriösen Kontakt der Epstein-Vertrauten Maxwell namens «The Invisible Man» (Der unsichtbare Mann) um Andrew handeln könnte. So wird etwa ein möglicher Aufenthalt auf der Privatinsel Epsteins, Little Saint James, diskutiert, an dem der mit «A» unterzeichnende Kontakt wegen seiner Kinder nicht teilnehmen kann.
Auch «Sarah» findet Erwähnung
Weitere Dokumente zeigen einen Mail-Verkehr zwischen Epstein und einer Sarah aus dem Jahr 2009. Der Inhalt legt nahe, dass es sich dabei um Andrews Ex-Frau Sarah «Fergie» Ferguson handelt. Epstein wird darin etwa als «Legende» und «Bruder, den ich mir immer gewünscht habe», bezeichnet. «Fergie» hatte bereits 2011 in einem Interview mit der Zeitung «Evening Standard» zugegeben, von Epstein 15.000 Pfund (derzeit etwa 17.000 Euro) angenommen zu haben und die Verbindung zu dem Sexualstraftäter bedauert.
Am Freitagabend veröffentlichte das US-Justizministerium mehr als drei Millionen Seiten an Dokumenten sowie Tausende Videos und Fotos. Die bloße Erwähnung oder Darstellung in den Epstein-Akten ist kein Beweis für Fehlverhalten. Viele der zuvor identifizierten Personen hatten stets bestritten, in Epsteins kriminelle Machenschaften verwickelt zu sein.








