Terrormiliz reklamiert Anschlag für sich, Putin informiert sich seit der ersten Minute über Geschehnisse.
Anschlag auf Konzerthalle in Moskau: Über 60 Tote

Laut der Nachrichtenagentur Tass, die sich auf das Staatliche Ermittlungskomitee Russlands beruft, wurden bei dem vermuteten Terroranschlag auf eine Veranstaltungshalle am Stadtrand von Moskau mehr als 60 Menschen getötet.
Spezialeinheiten der russischen Nationalgarde waren an der Crocus City Hall in der Stadt Krasnogorsk im Moskauer Gebiet im Einsatz und suchten nach den Tätern. Zudem wurden Personen in Sicherheit gebracht. Es war zunächst unklar, um wie viele Angreifer es sich handelte. Auf Videos war zu sehen, wie Menschen um ihr Leben rannten. Die Hintergründe des Angriffs waren zunächst unklar. Das Ermittlungskomitee hat ein Verfahren wegen eines mutmaßlichen Terrorakts eingeleitet, wie die Behörde im Nachrichtendienst Telegram mitteilte.
Laut Angaben des IS-Sprachrohrs Amak im Internet, die sich auf ungenannte Quellen berufen, hat die Terrormiliz Islamischer Staat den Anschlag für sich beansprucht. Es wird von Experten angenommen, dass dieses Bekennerschreiben authentisch ist.
Das ist passiert
In der Tatnacht gab es laut Behörden Schüsse und Explosionen in der Veranstaltungshalle. Mehrere Unbekannte in Tarnkleidung stürmten die Crocus City Hall kurz vor einem Konzert der Rockgruppe Piknik und eröffneten das Feuer, so die russische Generalstaatsanwaltschaft. Westliche Botschaften hatten vor Terroranschlägen in Moskau gewarnt. Der Kreml bezeichnete dies als Provokation des Westens.
Das Gebäude, in dem sich auch eine Konzerthalle mit Tausenden von Sitzplätzen befindet, stand auf einer Fläche von 13.000 Quadratmetern in Flammen, wie das russische Zivilschutzministerium mitteilte. Auch Löschhubschrauber wurden eingesetzt. Es waren lodernde Flammen und eine riesige Rauchwolke zu sehen. Berichten zufolge ist das Dach eingestürzt. Dutzende Rettungswagen und viele Busse waren im Einsatz, um Menschen in Sicherheit zu bringen. Die Situation blieb stundenlang unübersichtlich. Das russische Gesundheitsministerium gab bekannt, dass 145 Menschen verletzt wurden, darunter auch Kinder. 115 von ihnen wurden ins Krankenhaus gebracht, während etwa 60 Erwachsene schwer verletzt waren.
In der Crocus City Hall gibt es mehrere Veranstaltungssäle, die auch für Messen genutzt werden. Es ist eine der beliebtesten Freizeitstätten für die Moskauer und die Menschen im Umland der russischen Hauptstadt. Immer wieder sind dort auch Stars aufgetreten. Am Freitagabend hätte es ein Konzert der russischen Rockband Piknik geben sollen.
Putin «seit der ersten Minute» informiert
Russlands Präsident Wladimir Putin ließ sich nach Kremlangaben «seit der ersten Minute» über die Geschehnisse informieren. Er erhalte über die entsprechenden Dienste ständig alle wichtigen Informationen über das Geschehen und die eingeleiteten Maßnahmen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge.
Die Chefin des Föderationsrats, dem Oberhaus des russischen Parlaments, Valentina Matwijenko, drohte den Drahtziehern des Anschlags mit Vergeltung. «Diejenigen, die hinter diesem fürchterlichen Verbrechen stehen, werden die verdiente und unausweichliche Strafe dafür erhalten», schrieb sie auf ihrem Telegram-Kanal. Der Staat werde zugleich alles tun, um den Hinterbliebenen zu helfen, kündigte sie an.
Das ukrainische Außenministerium wies den Verdacht einer ukrainischen Verwicklung zurück. Die USA mahnten in einer ersten Reaktion ebenfalls an, keinen Zusammenhang mit der Ukraine herzustellen. «Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Ukraine oder Ukrainer mit den Schüssen zu tun hatten», sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats der USA, John Kirby, in Washington. Man könne noch nicht viel zu den Details mitteilen, rate aber zu diesem frühen Zeitpunkt eindringlich von der Annahme ab, dass es eine Verbindung zur Ukraine gebe. Das US-Außenministerium riet amerikanischen Staatsbürgern vor Ort, große Menschenansammlungen zu meiden.
Kiew und Washington bestreiten Verbindungen
Die Europäische Union verurteilte den Angriff. Die EU sei schockiert und entsetzt, schrieb EU-Kommissionssprecher Peter Stano auf der Plattform X (früher Twitter). Die EU verurteile jegliche Angriffe auf Zivilisten. «Unsere Gedanken sind bei allen betroffenen russischen Bürgern.» UN-Generalsekretär António Guterres und der UN-Sicherheitsrat verurteilten den Anschlag ebenfalls.
Das Auswärtige Amt schrieb auf X von einem «furchtbaren Angriff auf unschuldige Menschen». Die Hintergründe müssten rasch aufgeklärt werden. «Unser tiefes Mitgefühl gilt den Familien der Opfer», hieß es weiter. Auch Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) sprach ebenfalls auf X von einem «feigen Angriff auf Menschen, die einfach nur Musik hören wollten».
Als Folge des Anschlags bleiben am Wochenende alle Theater und Museen in Moskau geschlossen, darunter weltberühmte wie die Tretjakow-Galerie und das Puschkin-Museum. Zuvor hatte der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin gesagt, dass alle Großveranstaltungen in Europas größter Stadt abgesagt seien. Auch im Moskauer Umland wurden Massenveranstaltungen von den Behörden abgesagt.
Im Jahr 2002 nahmen tschetschenische Bewaffnete 850 Menschen in einem Musical-Theater als Geiseln. Am vierten Tag des Dramas wurden die Geiselnehmer und Geiseln vom Inlandsgeheimdienst mit Gas betäubt. Die Terroristen wurden erschossen. 135 Geiseln starben, hauptsächlich aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung.








