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Ernährungssicherheit: Politische Maßnahmen und ihre Wirksamkeit im Test

Eine neue NABU-Studie hinterfragt die Notwendigkeit von Agrarsubventionen für die Ernährungssicherheit in Europa. Die Ergebnisse zeigen, dass deren Abschaffung nur geringe Auswirkungen auf die Produktionsmengen hätte, während Landwirte in schwierigen Regionen gefährdet wären.

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Ernährungssicherheit: Wie sinnvoll sind die Maßnahmen der Politik?
Fred dendoktoor auf Pexels

Eine aktuelle Untersuchung des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) wirft die grundlegende Frage auf, ob Agrarsubventionen tatsächlich notwendig sind, um die Lebensmittelversorgung in Europa sicherzustellen. Diese Analyse stellt die Position von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) infrage, der vehement für eine Erhöhung der finanziellen Unterstützung für Landwirte plädiert.

Rainer argumentiert, dass eine angemessene finanzielle Förderung für Landwirte unerlässlich ist, um die Bevölkerung mit heimischen Lebensmitteln zu versorgen. In dieser Situation wird das EU-Agrarbudget im Rahmen der aktuellen Finanzplanung neu verhandelt, was die Debatte über die Notwendigkeit dieser Subventionen zusätzlich anheizt.

Die EU investiert pro Jahr etwa 54 Milliarden Euro in die Landwirtschaft, wobei ein großer Teil dieser Mittel in Form von Direktzahlungen an die Landwirte fließt. Diese Zahlungen erfolgen pauschal nach bewirtschafteter Fläche. Die NABU-Studie untersucht nun die potenziellen Auswirkungen einer teilweisen oder vollständigen Abschaffung dieser Agrarhilfen auf die Produktion. Hierzu wurde das agrarökonomische Simulationsmodell CAPRI herangezogen.

Die Ergebnisse dieser Studie überraschten NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. Er stellte fest, dass die EU-Agrarhilfen nur einen marginalen Einfluss auf die Produktionsmengen haben. Krüger bezeichnete die Hilfen als „wirkungslos verpuffend“.

Untersucht wurden verschiedene Szenarien, unter anderem die komplette Streichung der Agrarhilfen sowie der Direktzahlungen. Die Resultate zeigen, dass die Produktionsmengen in Deutschland und Europa nur geringfügig zurückgehen würden, jedoch ohne signifikante Auswirkungen. So könnte die Getreideernte um 1,5 bis 2,8 Prozent sinken, während die Fleischproduktion um rund 0,75 Prozent zurückgehen könnte. Die Milchproduktion bliebe hingegen nahezu konstant.

Ein Wegfall oder eine Reduzierung der Agrarzahlungen könnte dazu führen, dass Landwirte in Regionen mit minderwertigem Boden den Anbau von Getreide und anderen Kulturen einstellen. Besonders Wiesen und Weiden wären betroffen, da sich deren Bewirtschaftung für Landwirte nicht mehr lohnen würde.

Das CAPRI-Modell, das für die Analyse genutzt wurde, ermöglicht es, die Auswirkungen agrarpolitischer Entscheidungen auf Produktion, Einkommen, Märkte, Handel und Umwelt zu bewerten. Zudem berücksichtigt es den internationalen Handel sowie Entwicklungen bei Preisen landwirtschaftlicher Produkte und Pachtkosten.

Die Prognosen der Studie beziehen sich auf das Jahr 2035, das Ende der nächsten Förderperiode der EU-Agrarpolitik. Die Autoren argumentieren, dass die Landwirtschaft insgesamt intensiver wirtschaften könnte, was möglicherweise zu einem Rückgang des ökologischen Anbaus führen würde. Krüger sieht in den Ergebnissen einen Beweis dafür, dass die politischen Argumente für Agrarsubventionen zur Sicherung der Ernährung nicht tragfähig sind.

Bauernpräsident Joachim Rukwied warnt vor schwerwiegenden Konsequenzen für die Betriebe, falls die finanzielle Unterstützung signifikant sinkt. Er bezeichnet die Berechnungen der Studie als theoretisch und praxisfern und hebt hervor, dass viele Betriebe ohne die Direktzahlungen nicht überlebensfähig wären.

Die wirtschaftliche Situation der Landwirte wird als „brutal angespannt“ beschrieben, wobei der Bauernverband vor einem potenziellen totalen Ernteausfall in einigen Regionen warnt.

Innerhalb der Bundesregierung stößt Rainer mit seinen Argumenten auf Widerstand. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) setzt Prioritäten auf Verteidigung und Wettbewerbsfähigkeit und hält die aktuellen Vorschläge für den EU-Finanzrahmen ab 2028 für nicht finanzierbar. Dies könnte zur Folge haben, dass Landwirte in Zukunft weniger Unterstützung erhalten.

Albert Stegemann, stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag, spricht von einer „Verteilungskonkurrenz“ um EU-Mittel und hebt die Relevanz der Agrarhilfen für die Versorgungssicherheit in Europa hervor.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium stellt klar, dass eine Abschaffung der Direktzahlungen nicht zur Debatte steht. Es sei daher nicht sachgerecht, Schlussfolgerungen für die zukünftige Produktion aus einem nicht vorgesehenen Szenario abzuleiten.

Der NABU fordert keine komplette Streichung der Agrarhilfen, sieht jedoch die pauschale Verteilung der Mittel als ineffektiv an. Krüger plädiert stattdessen für eine stärkere Anerkennung der gesellschaftlichen Leistungen der Landwirte, wie etwa Bodenschutz und Wasserspeicherung, um den Herausforderungen des Klimawandels begegnen zu können.


Quellen: tagesschau, Der Spiegel

Bildquelle: Fred dendoktoor auf Pexels

Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.

TS