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Erneut chinesische Ballons über Taiwan: Wahl möglicher Grund

Schon wieder schweben chinesische Ballons über Taiwan. Was Peking damit vor hat, ist unklar. In der Inselrepublik wird bald eine neue Regierung gewählt. Gibt es einen Zusammenhang?

Das US-Militär hat im vergangenen Jahr einen chinesischen Spionageballon über dem Norden der USA abgeschossen.
Foto: Larry Mayer/The Billings Gazette/AP/dpa

Kurz vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen hat das taiwanesische Militär erneut mehrere verdächtige Ballons aus China über seinem Gebiet entdeckt. Am Mittwoch flog einer von ihnen von Westen über das Zentrum des ostasiatischen Inselstaats, während die beiden anderen im Westen und Nordwesten über dem Meer entdeckt wurden, wie das Verteidigungsministerium in Taipeh am Donnerstag mitteilte.

Experten gehen davon aus, dass die Ballons möglicherweise dazu dienen könnten, die Bevölkerung vor der Wahl einzuschüchtern. Das Außenministerium in Peking hat am Vormittag zunächst nicht auf eine Anfrage geantwortet, was mit den Ballons beabsichtigt wird.

Ballons als Einschüchterung?

Die Ereignisse erinnern an den Vorfall mit einem chinesischen Ballon, der im letzten Jahr über den USA flog. Washington beschuldigte Peking, den Ballon für Spionagezwecke genutzt zu haben. China behauptete dagegen, dass der Ballon abgedriftet sei und zur Wettermessung diene. Die USA schossen das Luftgefährt ab.

Die neuerlichen Entdeckungen über Taiwan könnten mit der Wahl am 13. Januar zu tun haben. «China nutzte absichtlich den vorteilhaften Südwest-Wind, um öfter solche unmotorisierten Wetterballons aufsteigen und über Taiwan fliegen zu lassen, und damit die Bevölkerung Taiwans vor der Wahl einzuschüchtern», sagte Su Tzu-yun vom taiwanischen Institut für nationale Verteidigung und Sicherheitsforschung der Deutschen Presse-Agentur. Auch Michelle Lin von der regierenden Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) sagte, dass die Ballons der Einschüchterung der Menschen in Taiwan dienten.

Ballons können Sicherheit der Luftfahrt gefährden

Seit Montag wurden in Taiwans Gebiet neun Ballons gesichtet. Fünf davon flogen über die Insel. Su sagte, dass die Ballons, die über Taiwan gesichtet wurden, ähnlich groß wie Wetterballons seien. Der in den USA gesichtete Ballon sei größer gewesen. Laut Su könnten die Ballons jedoch in der Flughöhe die Sicherheit der Luftfahrt gefährden.

China bedroht Taiwan und seine Regierung immer wieder. Peking betrachtet die Insel aufgrund ihrer Geschichte als Teil seines Staatsgebiets und strebt eine Wiedervereinigung an, notfalls auch mit militärischen Mitteln. Die derzeitige DPP-Regierung setzt sich hingegen für die Unabhängigkeit ein. Die bevorstehenden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen, bei denen 19,5 Millionen Menschen abstimmen sollen, werden über die zukünftige Beziehung zwischen Taipeh und Peking entscheiden. Neben der DPP treten auch pro-chinesische Parteien wie die Kuomintang an.

dpa