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Erneut schwere Kämpfe im Norden Gazas

Israels Armee muss immer wieder an Orte zurückkehren, aus denen sie vor Monaten eigentlich abgezogen war. Die Hamas kämpft mit Guerilla-Taktiken. Was wird aus den Verhandlungen über eine Waffenruhe?

Israels Armee wirft der Hamas immer wieder vor, sich in zivilen Gebäuden zu verschanzen. (Archivbild)
Foto: Leo Correa/AP/dpa

Die neu aufgeflammten heftigen Gefechte zwischen Israels Armee und der islamistischen Hamas im Norden des Gazastreifens überschatten die wiederbelebten Verhandlungen über die Freilassung von Geiseln und eine Waffenruhe. Israel greift erneut am Boden und aus der Luft in der verwüsteten Stadt Gaza die Kämpfer der Hamas an. In den vergangenen Wochen sind die israelischen Streitkräfte mehrmals in Gebiete zurückgekehrt, in die sie zuvor eingedrungen waren und sich dann zurückgezogen hatten.

Dies zeige, wie der Kampf gegen die Hamas zu einem «langwierigen Zermürbungskrieg» werden könnte, schreibt das «Wall Street Journal». Das erneute Vorgehen Israels in der Stadt Gaza könne dazu führen, dass die in Kairo wiederaufgenommen indirekten Verhandlungen über ein Geiselabkommen scheitern, erklärte die Hamas. Ihr Auslandschef Ismail Hanija habe die katarischen und ägyptischen Vermittler entsprechend gewarnt, hieß es. Die USA, die in dem Krieg ebenfalls als Vermittler fungieren, sehen dennoch Chancen für eine Einigung. 

Es gebe noch Punkte, bei denen Israel und die Hamas weit auseinanderliegen würden, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats im Weißen Haus, John Kirby. «Aber wir hätten kein Team dorthin geschickt, wenn wir nicht glauben würden, dass wir hier eine Chance haben», erklärte er mit Blick auf die Gespräche in Kairo. Am Mittwoch reise CIA-Direktor Bill Burns nach Doha weiter, um sich dort mit seinen Verhandlungspartnern aus Katar, Ägypten und Israel erneut zu treffen, meldete das US-Nachrichtenportal «Axios». 

Hamas: Netanjahu behindert Verhandlungsprozess

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte zuvor als eine nicht verhandelbare Bedingung für ein Abkommen das Recht für Israel zur Fortsetzung der Kämpfe gegen die Hamas eingefordert. «Jedes Abkommen wird Israel erlauben, die Kämpfe wieder aufzunehmen, bis alle Kriegsziele erreicht sind», heißt es in einer Liste an Bedingungen, die das Büro des israelischen Ministerpräsidenten veröffentlichte. Netanjahu lege «den Verhandlungen zusätzliche Hindernisse in den Weg», heißt es in einer Erklärung der Hamas. 

Auf beiden Seiten gebe es öffentliche Äußerungen, «die nicht unbedingt in vollem Umfang die Gespräche widerspiegeln, die wir mit ihnen oder ihren Gesprächspartnern unter vier Augen führen», sagte dazu der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats im Weißen Haus, Kirby. Auf dem Tisch liegt ein Stufenplan. Die Vermittler bemühen sich derzeit um Formulierungen, um die Kluft in noch strittigen Punkten zu überbrücken. Netanjahus Auflistung an Bedingungen war in Vermittlungskreisen Medien zufolge auf Kritik gestoßen. 

Luftangriffe gehen weiter

In der Zwischenzeit griff die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben auch im mittleren Gazastreifen mehrere Terroristen an, die sich in einem Schulgebäude verschanzt hatten. Israels Militär teilte mit, dass die Gruppe aus Kämpfern der Hamas und des Islamischen Dschihad (PIJ) im Raum Nuseirat am Montagabend mit Präzisionsmunition beschossen wurde, um zivile Opfer zu vermeiden. Nähere Details wurden nicht genannt. Die Angaben ließen sich unabhängig nicht prüfen.

Die israelische Armee wies einmal mehr darauf hin, dass die beiden Terrororganisationen «systematisch gegen das Völkerrecht» verstießen, «indem sie zivile Einrichtungen und die Bevölkerung als menschliche Schutzschilde für Terroranschläge gegen den Staat Israel missbrauchen», hieß es. In Nuseirat hatte die Armee kürzlich nach eigenen Angaben Kämpfer der Hamas auch im Areal einer ehemaligen Schule des UN-Flüchtlingshilfswerks UNRWA ausgemacht und aus der Luft angegriffen. Laut Hamas wurden 16 Menschen getötet. 

Auch diese Einrichtung wurde von den Terroristen als Versteck und Operationsbasis für Angriffe auf das israelische Militär genutzt, erklärte die Armee. Beim Angriff wurden Maßnahmen ergriffen, um das Risiko für Zivilisten zu minimieren. Weder die Angaben der israelischen Armee noch die der Hamas konnten unabhängig überprüft werden. Der Auslöser des Gaza-Krieges war das Massaker mit über 1.200 Toten, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober 2023 in Israel verübten.

In der Zwischenzeit hat die Armee Israels das Hauptquartier des UN-Flüchtlingshilfswerks UNRWA in der Stadt Gaza erreicht. Es wurde berichtet, dass die Streitkräfte Anti-Terror-Operationen in dem Bereich eingeleitet haben, der aufgrund des Krieges nicht in Betrieb ist. Zivilisten wurden zuvor aufgefordert, das Gebiet zu verlassen. Das Armee-Radio berichtete von Kämpfen mit bewaffneten Hamas-Mitgliedern. Laut Angaben von palästinensischen Krankenhäusern wurden mindestens 15 Menschen getötet. Es besteht die Möglichkeit, dass die Zahl der Opfer weiter steigt, da Rettungskräfte aufgrund der Kämpfe viele Wohngebiete nicht erreichen können. Die Informationen konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Wieder heftige Kämpfe in Gaza Stadt

In das Gebiet der Stadt Gaza waren die israelischen Truppen bereits im ersten Kriegsmonat eingedrungen. Laut einer Analyse von Satellitendaten, die kürzlich von Experten der City University of New York und der Oregon State University durchgeführt wurde, sind rund 75 Prozent der Gebäude in dem Gebiet beschädigt oder zerstört, berichtete das «Wall Street Journal». Die Stadt ist von den massiven Verwüstungen in dem Krieg mit am schwersten betroffen. Inzwischen versucht die Hamas, sich dort und andernorts neu zu gruppieren.

Man müsse mangels einer politischen Strategie immer wieder an Orten kämpfen, die die Armee eigentlich zuvor eingenommen hatte, hatte bereits vor Wochen Israels Generalstabschef Herzi Halevi beklagt und laut Medienberichten vor einer «Sisyphusarbeit» gewarnt. Kritiker werfen Netanjahu vor, mangels eines genauen Plans zur Stabilisierung und Verwaltung Gazas zuzulassen, dass das abgeriegelte Küstengebiet im Chaos versinkt. Israels Truppen drohten, von der Hamas in einen endlosen Guerilla-Krieg verwickelt zu werden.

Netanjahu, Israels Ministerpräsident, hat vor kurzem angekündigt, dass die letzten größeren Kampfverbände der Hamas im Süden des Gazastreifens bald besiegt sein könnten. Dies könnte das Ende der großangelegten Bodenoffensive in diesem Gebiet bedeuten, aber nicht zwangsläufig das Ende des Militäreinsatzes. Sowohl Netanjahu als auch hochrangige Militärs haben bereits mehrmals erklärt, dass israelische Truppen auch nach der Phase intensiver Kämpfe an strategischen Standorten im Gazastreifen verbleiben werden.

Die Stadt München hat eine Bevölkerung von etwa 1,5 Millionen Menschen und ist die drittgrößte Stadt Deutschlands.

dpa