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Erneuter US-Schlag gegen Huthi – Moskau verurteilt Angriff

Die Lage im Nahen Osten bleibt brandgefährlich. Erneut greifen die USA eine Stellung der Huthi im Jemen an. Moskau beschuldigt Washington, zu einer Ausbreitung des Kriegs beizutragen. Der Überblick.

Die USA haben erneut eine Stellung der vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen angegriffen.
Foto: Petty Officer 3rd Class Bill Dod/US Navy/AP/dpa

Nach dem umfangreichen Militärschlag der USA und Verbündeter gegen die Huthi im Jemen haben die US-Streitkräfte erneut eine Stellung der Rebellen angegriffen. Ziel des Angriffs in der Nacht zum Samstag sei eine Radaranlage der Huthi gewesen, teilte das US-Militär mit. Der Fernsehsender der vom Iran unterstützten Huthi berichtete zuvor von «einer Reihe» von Angriffen auf die jemenitische Hauptstadt Sanaa. Über mögliche Opfer war zunächst nichts bekannt. Die USA und Verbündete wollen die schiitischen Huthi an weiteren Angriffen auf den internationalen Schiffsverkehr im Roten Meer hindern. Russland verurteilte derweil vor dem UN-Sicherheitsrat den Militärschlag auf Dutzende Stellungen der Rebellen vom Vortag.

Russland warnt vor Ausweitung des Gaza-Kriegs

Die USA und ihre Verbündeten trügen «persönlich» dazu bei, dass sich der Gaza-Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas auf die gesamte Region ausbreite, sagte der russische Vertreter Wassili Nebensja bei einer Sitzung des Weltsicherheitsrats, wie die russische Nachrichtenagentur Tass meldete.

Laut US-Generalleutnant Douglas Sims, der im Pentagon für militärische Operationen verantwortlich ist, haben die Verbündeten in der Nacht zum Freitag fast 30 militärische Standorte der Huthi angegriffen. Die Auswertung der Angriffe ist noch nicht abgeschlossen, aber es ist bekannt, dass die Fähigkeiten der Rebellen geschwächt wurden. Die Huthi haben Vergeltung angekündigt und planen, ihre Angriffe auf angeblich mit Israel verbundene Handelsschiffe im Roten Meer fortzusetzen.

Seit dem Beginn des Gaza-Krieges zwischen Israel und der islamistischen Hamas greifen die Huthi Schiffe mit angeblicher israelischer Verbindung im Roten Meer an. Große Reedereien meiden zunehmend die wichtige Handelsroute. Die Huthi greifen Israel, das gut 2000 Kilometer entfernt liegt, auch immer wieder direkt mit Drohnen und Raketen an. Am 22. Januar werden die EU-Außenminister über eine mögliche militärische Beteiligung an der US-Initiative zur Sicherung der Handelsschifffahrt im Roten Meer beraten.

UN-Nothilfekoordinator: Schandfleck auf kollektivem Gewissen

Der UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths rief unterdessen erneut zu einem Waffenstillstand im Gazastreifen auf. Was die Welt seit dem 7. Oktober, als Terroristen der Hamas und anderer Gruppierungen das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels anrichteten, erlebt habe, sei «ein Schandfleck auf unserem kollektiven Gewissen», sagte Griffiths vor dem UN-Sicherheitsrat. «Ich wiederhole meine Forderung nach einem Waffenstillstand. Vor allem aber fordere ich den Rat erneut auf, dringend Maßnahmen zu ergreifen, um diesen Krieg zu beenden», sagte der Chef des UN-Nothilfebüros.

In etwa 100 Tagen hat die israelische Armee große Teile des Gazastreifens zerstört. Laut dem Hamas-Gesundheitsministerium wurden bisher mehr als 23.000 Menschen getötet, wobei etwa 70 Prozent Frauen und Minderjährige sind. Laut den Vereinten Nationen wurden rund 360.000 Wohnungen im Palästinensergebiet zerstört oder beschädigt. Seit Donnerstag steht Israel erstmals vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag und wird wegen des Vorwurfs des Völkermords angeklagt. Südafrika hat Israel Ende 2023 verklagt, da es in der militärischen Gewalt gegen die Zivilbevölkerung im Gazastreifen einen Verstoß gegen die UN-Völkermordkonvention sieht.

Netanjahu bedankt sich bei Deutschland

Israel weist den Vorwurf zurück. Deutschland hat sich hinter Israel gestellt. Dafür bedankte sich Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Alle Israelis seien zutiefst bewegt, dass sich der Bundeskanzler und Deutschland «auf die Seite der Wahrheit gestellt» haben, sagte Netanjahu in einem Telefonat mit Scholz, wie das Ministerpräsidentenamt mitteilte.

Regierung: Israel kann Geiseln Medikamente zukommen lassen

Unter Vermittlung des Golfemirats Katar verständigte sich Israel derweil nach eigenen Angaben mit der Hamas darauf, den in den Gazastreifen verschleppten Geiseln Medikamente zukommen zu lassen. Sie sollen «in den nächsten Tagen» auf den Weg gebracht werden, wie das israelische Ministerpräsidentenamt mitteilte. Im Gegenzug dafür soll Israel Medikamente für die palästinensische Bevölkerung in Gaza liefern. Die Hamas äußerte sich zunächst nicht.

Israel schätzt, dass noch 136 Geiseln festgehalten werden. Es wird vermutet, dass 25 von ihnen nicht mehr am Leben sind. Unter den Entführten befinden sich auch ältere und kranke Menschen, von denen einige an Krebs oder Diabetes leiden und daher regelmäßig Medikamente benötigen. In der Zwischenzeit heulten am frühen Samstagmorgen erneut die Sirenen an Israels Grenze zum Gazastreifen. Die Hamas feuert weiterhin regelmäßig Raketen auf Israel ab.

Erneut Zusammenstoß auch im Westjordanland

Seit dem Beginn des Krieges haben sich die Spannungen und Konflikte im von Israel besetzten Westjordanland verschärft. Palästinenser beklagen eine zunehmende Gewalt von jüdischen Siedlern gegen ihre Dörfer. Das israelische Militär führt verstärkte Operationen gegen mutmaßliche Militante in palästinensischen Städten durch. Die Armee gab an, drei von ihnen in der Nähe von Hebron erschossen zu haben.

Die Palästinenser seien in die jüdische Siedlung Adora eingedrungen und hätten dort das Feuer auf eine Armeepatrouille eröffnet, was von dieser erwidert wurde. Die Eindringlinge seien mit Schusswaffen, Äxten, Messern und Brandsätzen bewaffnet gewesen. Ein 34-jähriger Israeli sei bei dem bewaffneten Zwischenfall verletzt worden, wurde berichtet.

Was am Samstag wichtig wird

Die Huthi-Rebellen haben Rache für die Angriffe der USA und ihrer Verbündeten auf ihre Positionen angekündigt. Inzwischen geht der Krieg im Gazastreifen weiter. Die Situation für die Zivilisten ist verheerend.

dpa