Europa erwärmt sich Experten zufolge schneller als jeder andere Kontinent – und ist darauf nicht ausreichend vorbereitet. Die EU-Kommission will das mit verschiedenen Maßnahmen ändern.
EU-Kommission: Mit mehr Daten besser an Klimakrise anpassen

Die EU-Kommission ist der Ansicht, dass Europa angesichts der zunehmenden Auswirkungen der Klimakrise besser auf Klimarisiken vorbereitet sein muss. Dies erfordert mehr Wissen, mehr Daten und eine widerstandsfähigere Infrastruktur, um die Widerstandsfähigkeit von Gesellschaft und Wirtschaft zu stärken.
Laut den am Dienstag in Straßburg präsentierten Vorschlägen der Behörde sollte eine verstärkte Berücksichtigung von Klimarisiken beispielsweise bei Haushaltsplänen, der Planung und Instandhaltung von Infrastruktur sowie bei Katastrophenschutzsystemen erfolgen.
Die Vorschläge seien ein «lauter Aufruf zum Handeln auf allen Ebenen», sagte Kommissionsvize Maros Sefcovic. «Das vergangene Jahr war mit Abstand das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen, und Europa muss daher seine Widerstandsfähigkeit gegen die Auswirkungen des Klimawandels stärken, indem es Risiken identifiziert, die Bereitschaft verbessert und die Politik in allen Bereichen feiner abstimmt», sagte er.
„Frühwarnsysteme, die Bekämpfung von Klima-Desinformation und etwa eine angepasste Raumplanung einschließlich kritischer Infrastrukturen sind Lösungen für mehr Klimaresilienz“, so die Experten. Klimaresilienz bedeutet, Ökosysteme und Gesellschaft an den Klimawandel anzupassen.
Klimarisikobericht warnt vor Dürren und Hitze
Die EU-Kommission reagiert auf einen am Montag veröffentlichten Klimarisikobericht der Europäischen Umweltagentur (EEA). Europa wird bescheinigt, dass es bisher unzureichend vorbereitet ist: Europa ist der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt, und mit Klimarisiken konfrontiert ist, die sich schneller entwickeln als die gesellschaftliche Vorsorge und Handlungsbereitschaft, hieß es etwa. Anhaltende und weiträumige Dürren stellen eine erhebliche Bedrohung für die Erträge, die Ernährungssicherheit und die Trinkwasserversorgung dar. Hitze ist das größte und dringendste Klimarisiko für die menschliche Gesundheit.
Um die schlimmsten Folgen der Klimakrise zu vermeiden sowie um Gesundheit, Wirtschaft und Ökosysteme zu schützen, müssten vor allem Treibhausgasemissionen reduziert werden, wie es nun von der Kommission heißt. Da die Auswirkungen des Klimawandels bereits spürbar sind und die Risiken weiter zunehmen, sind auch Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel unerlässlich.
Klare Verantwortlichkeiten wichtig
Nach Ansicht der Kommission sind klare Verantwortlichkeiten und Risikoträger eine Stellschraube. Dafür sollten die Mitgliedsstaaten sorgen. Nationale, regionale und lokale Ebenen sollen nach Forderungen der Behörde enger zusammenarbeiten – «um sicherzustellen, dass Wissen und Ressourcen dort zur Verfügung gestellt werden, wo sie am wirksamsten sind». Zwar werde die Klimaresilienz zunehmend in allen Politikbereichen berücksichtigt, doch gebe es nach wie vor Defizite bei der Planung und Umsetzung auf nationaler Ebene.
Zusammenhänge müssen besser verstanden werden – mehr Daten
Politische Entscheidungsträger, Unternehmen und Investoren sollten die Verbindungen zwischen Klimarisiken, Investitionen und langfristigen Finanzierungsstrategien besser verstehen. Die Behörde plant, den Zugang zu Daten, Modellen und Szenarien zu verbessern – von Frühwarnsystemen bis zur langfristigen Planung. Es ist auch wichtig, Desinformation über den Klimawandel zu überwachen und zu bekämpfen. Klimarisiken sollten auch in die Katastrophenschutzsysteme einbezogen werden.
Öffentliche und private Investitionen notwendig
„Entscheidend für die Klimaresilienz sind ausreichend öffentliche und private Gelder“, sagte die Kommission. Sie plant, sicherzustellen, dass die Klimaresilienz in allen relevanten EU-Ausgaben berücksichtigt wird und mit dem Finanzsektor zusammenzuarbeiten, um öffentliche und private Investitionen effektiver zu mobilisieren. Darüber hinaus steht die Behörde bereit, die Mitgliedsstaaten zu unterstützen, beispielsweise bei der Einbeziehung von Klimarisiken in nationale Haushaltsverfahren.
Es wurde darauf hingewiesen, dass die Kosten für Investitionen in die Verringerung der Anfälligkeit gegenüber Klimarisiken geringer sind als die Beträge, die beispielsweise für Waldbrände, Überschwemmungen oder Ernteausfälle aufgebracht werden müssen. Schätzungen zufolge könnten diese Schäden laut Angaben der Kommission das EU-Bruttoinlandsprodukt bis zum Ende des Jahrhunderts um etwa sieben Prozent reduzieren. Investitionen in klimaresistente Gebäude, Verkehrs- und Energienetze könnten jedoch auch gute Geschäftsmöglichkeiten darstellen – und sowohl Arbeitsplätze als auch saubere Energie schaffen.
Infrastruktur muss für Klimarisiken gewappnet sein
Die Behörde ist der Meinung, dass Klimarisiken verstärkt in die Planung und Instandhaltung kritischer Infrastrukturen wie Verkehr und Energie einbezogen werden sollten. Infrastrukturanlagen sind durch Ereignisse wie Überschwemmungen, Waldbrände oder hohe Temperaturen erheblich gefährdet.
Bundesumweltministerin Steffi Lemke begrüßte die Pläne der Europäischen Kommission für die Staatengemeinschaft. «In Deutschland gehen wir mit dem ersten Bundesgesetz für Klimaanpassung voran.» Damit werde der Schutz vor den Folgen der Klimakrise als zentrale Aufgabe aller staatlichen Ebenen in einem Gesetz verankert. Derzeit werde in Deutschland auch an einer neuen Klimaanpassungsstrategie gearbeitet.








