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EU-Militäreinsatz im Nahen Osten: Operation «Aspides» startet

Die Operation «Aspides» soll Handelsschiffe vor Angriffen der Huthi schützen. Die Route durch das Rote Meer ist kürzer, aber riskanter.

Die Bundesregierung will die Fregatte «Hessen» in den bewaffneten Einsatz schicken.
Foto: Sina Schuldt/dpa

Die Außenminister der EU-Staaten wollen an diesem Montag in Brüssel den Start des neuen Militäreinsatzes zur Sicherung der Handelsschifffahrt im Nahen Osten beschließen. Die Operation «Aspides» gilt im Vergleich zu anderen aktuellen Einsätzen als besonders gefährlich. Lohnt das Risiko? Fragen und Antworten im Überblick:

Worum geht es bei dem Einsatz?

Das Hauptziel ist es, Handelsschiffe vor Angriffen der militant-islamistischen Huthi aus dem Jemen zu schützen. Die Miliz versucht, durch den Beschuss von Schiffen ein Ende der israelischen Angriffe im Gazastreifen zu erzwingen, die auf das beispiellose Massaker der islamistischen Hamas in Israel am 7. Oktober folgten.

Können die Schiffe nicht einfach einen anderen Weg fahren?

Theoretisch ja. Die Route entlang der Küste des Jemens ist jedoch die kürzeste, wenn es um den Schiffstransport von Gütern zwischen Asien und Europa geht. Sie verläuft vom Golf von Aden durch die Meerenge von Baab al-Mandab ins Rote Meer und dann durch den Suezkanal ins Mittelmeer. Die Alternative über das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika ist um mehrere Tausend Kilometer länger – was zu steigenden Transportkosten und Lieferverzögerungen führt.

Haben Verbraucher in Europa das schon zu spüren bekommen?

Experten der EU-Kommission haben bisher noch keine signifikante Auswirkung auf die Preise für Waren und Energie in Europa festgestellt. Dies könnte sich jedoch bald ändern, wenn Frachtschiffe weiterhin die Route durch das Rote Meer umgehen. Unternehmen in Europa mussten bereits aufgrund von Lieferengpässen ihre Produktion reduzieren – wie zum Beispiel der US-Elektroautobauer Tesla in seinem Werk in Grünheide bei Berlin.

Wie will die EU die Handelsschiffe schützen?

Der Schwerpunkt des Einsatzes wird die Anwesenheit europäischer Kriegsschiffe im südlichen Roten Meer und in der Meerenge von Bab al-Mandab sein. Ihr Ziel ist es, Handelsschiffe zu eskortieren und im Notfall Angriffe abzuwehren.

Werden auch präventive Angriffe auf Ziele der Huthi im Jemen stattfinden, wie sie von den USA und Großbritannien durchgeführt werden?

Nein. Das Mandat setzt Waffeneinsätzen enge Grenzen. Schutzmaßnahmen müssen «unter uneingeschränkter Achtung des Völkerrechts, einschließlich der Grundsätze der Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit» erfolgen.

Wie beteiligt sich Deutschland?

Die Bundesregierung will die Fregatte «Hessen» in den bewaffneten Einsatz schicken – vorausgesetzt, dass der Bundestag die erforderliche Zustimmung gibt. Das Schiff ist mit Flugabwehrraketen ausgerüstet und wurde speziell für den Geleitschutz und die Seeraumkontrolle konzipiert. Mit seinem speziellen Radar kann es nach Angaben der Bundeswehr einen Luftraum von der Größe der gesamten Nordsee überwachen. Die Waffensysteme sind in der Lage, Ziele auf eine Entfernung von bis zu 160 Kilometern zu bekämpfen. Zudem will Deutschland Stabspersonal für das Hauptquartier der Operation im griechischen Larisa sowie Hubschrauber bereitstellen.

Wie gefährlich ist der Einsatz für die Soldaten?

Da die Huthi in der Vergangenheit auch nicht vor Angriffen auf Kriegsschiffe zurückgeschreckt sind, gilt die Operation «Aspides» als vergleichsweise risikoreich. Marine-Inspekteur Jan Christian Kaack sagte zum Auslaufen der Fregatte «Hessen»: «Das ist der ernsthafteste Einsatz einer deutschen Marineeinheit seit vielen Jahrzehnten.» Gleichzeitig werden die Risiken für kontrollierbar gehalten. «Es gibt keine Einheit in der deutschen Marine, die besser vorbereitet, besser ausgebildet und besser dafür ausgestattet ist», sagt Kaack.

dpa