Nach der Einnahme der Stadt Al-Faschir durch eine Miliz befürchten Experten Schlimmes für die dort lebende Bevölkerung. Flüchtende berichten von willkürlicher Gewalt.
Experten befürchten im Sudan Massaker an Zivilisten

Experten befürchten nach der Einnahme der sudanesischen Großstadt Al-Faschir durch die RSF-Miliz eine drastische Verschlechterung der Situation für die geschätzten rund 300.000 noch dort lebenden Zivilisten. Laut UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) berichten Flüchtende von willkürlicher Gewalt, Morden und Hinrichtungen. Justin Lynch, Sudan-Forscher und Geschäftsführer der Conflict Insights Group, äußerte gegenüber dem US-Sender CNN, dass die Einnahme von El Faschir durch die RSF möglicherweise den Beginn eines von Experten befürchteten Massakers an Zivilisten markieren könnte.
Am Montag bestätigte die sudanesische Armee ihren Rückzug aus der umkämpften Stadt. Damit haben die Rapid Support Forces (RSF) die letzte von der Armee kontrollierte Stadt in Darfur eingenommen. Al-Faschir war mehr als 500 Tage von den RSF belagert worden. Die Miliz hatte verhindert, dass Lebensmittel und Hilfsgüter die hungernden Menschen erreichen. Die UN beschreiben die Lage in dem Land als die größte humanitäre Krise der Welt.
Die RSF hatte erklärt, sie wolle die Zivilisten in El Faschir schützen und denjenigen, die die Stadt verlassen wollen, sichere Korridore zur Verfügung zu stellen. Das UN-Menschenrechtsbüro gab jedoch an, «mehrere alarmierende Berichte» über Gräueltaten der RSF erhalten zu haben, darunter Hinrichtungen von Zivilisten, sowie Videos, die Dutzende unbewaffnete Männer zeigen, die erschossen wurden.
Vorwürfe gegen die Emirate
Experten kritisieren, dass westliche Regierungen bislang nur Appelle an die Miliz richteten und keine Sanktionen gegen sie unterstützende Staaten verhängten. «Es ist ein weiterer Freibrief an die RSF, an ihre Unterstützer in den Vereinigten Arabischen Emiraten, dass sie solche Massenhinrichtungen und ethnische Säuberungen durchführen können, ohne mit internationalen Maßnahmen rechnen zu müssen», sagte Annette Hoffmann von der Denkfabrik Clingendael Institut im ZDF.
Die VAE weisen eine Einmischung in den Konflikt zurück. Das «Wall Street Journal» berichtete allerdings unter Berufung auf US-Geheimdienste, die VAE hätten in diesem Jahr zunehmend Waffen an die RSF geliefert, darunter moderne chinesische Drohnen, aber auch Maschinengewehre, Fahrzeuge, Artillerie, Mörser und Munition. Dies sei das jüngste Beispiel dafür, wie die Emirate ihre Macht ausspielten, um ihre Interessen durchzusetzen.
Tom Fletcher, der Leiter des Nothilfebüros der Vereinten Nationen (Ocha), sagte dem Sender CNN, weiterhin seien Hunderttausende Zivilisten in El Faschir eingeschlossen, ohne Nahrung und medizinische Versorgung. Er berichtete, dass die Fluchtwege aufgrund «intensiver Bombardierungen und Bodenangriffe» blockiert seien.
Auch Experten der Krisenbeobachtungsgruppe ACLED erklärten, es bestehe ein «hohes Risiko ethnisch motivierter Angriffe, insbesondere gegen nicht-arabische Gruppen». Auch in anderen Teilen der westlichen Region Darfur hatte die RSF bei der Einnahme von Gebieten schwere Verbrechen begangen.
Seit April 2023 tobt im Sudan ein blutiger Machtkampf zwischen dem De-facto-Machthaber Abdel-Fattah al-Burhan und seinem ehemaligen Stellvertreter Mohamed Hamdan Daglo, der die RSF befehligt. Diese Miliz ist aus arabischen Reitermilizen entstanden, denen – damals gemeinsam mit der sudanesischen Armee – ein Genozid an der ethnisch-afrikanischen Bevölkerung in Darfur mit bis zu 300.000 Toten vorgeworfen wird.








