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Experten warnen vor wachsenden Gefahren für Stromnetze

Wie sicher ist unsere Stromversorgung wirklich? Experten warnen vor zunehmenden Cyberangriffen und möglichen Sabotageakten auf Europas Energienetze. Mit der fortschreitenden Digitalisierung wächst die Angriffsfläche – und damit die Sorge vor großflächigen Ausfällen. Wie verwundbar ist das Stromnetz tatsächlich?

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Foto: NF24 / KI

icherheitsexperten schlagen Alarm: Die Stromversorgung in Deutschland und ganz Europa ist zunehmend hybriden Bedrohungen wie Sabotage, Cyberangriffen und physischen Attacken ausgesetzt, warnt der Branchenverband Eurelectric. Auch ohne Kriegssituation stünde das Netz unter Druck, weil Angriffe gezielter und komplexer würden. Gleichzeitig zeigen jüngste Vorfälle in anderen Ländern, wie verwundbar Energieinfrastrukturen sein können.

Hybride Risiken – Cyber und physische Angriffe

Seit einigen Jahren beobachten Energie- und Sicherheitsexperten, dass Cyberattacken auf Stromnetze realistischer und häufiger werden. Besonders die Digitalisierung und Fernsteuerbarkeit vieler Netzkomponenten eröffnet Angreifern immer neue Angriffspunkte. In Polen etwa wurde Ende Dezember 2025 das Stromnetz mit Schadsoftware angegriffen, was die Kontrolle über Wind- und Solaranlagen beeinträchtigte und die Reaktionsfähigkeit der Betreiber erschwerte.

Zudem sind auch physische Attacken denkbar und wurden bereits historisch dokumentiert: 2013 feuerten Unbekannte auf Hochspannungsanlagen in den USA, was zwar keinen großflächigen Blackout auslöste, aber Millionenschäden verursachte und die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur verdeutlichte.

Europa muss Netzsicherheit ernst nehmen

Branchenvertreter und Energieunternehmen mahnen, dass die Sicherheit der Stromnetze mindestens genauso wichtig sei wie die konventionelle Verteidigung. Angriffe auf Versorgungssysteme könnten weitreichende Folgen für Wirtschaft, Gesundheitseinrichtungen und kritische Dienstleistungen haben. Mit der zunehmenden Integration erneuerbarer Energien, die über digitale Steuerung verfügen, wächst zudem der Angriffs­flächen für Cyberbedrohungen.

In der EU wurde bereits diskutiert, Energie- und Sicherheitspolitik enger zu verknüpfen und Resilienzkonzepte zu stärken. NATO-Vertreter haben sich jüngst mit Energie-Ministerien ausgetauscht, um strategische Schutzmaßnahmen für kritische Infrastrukturen zu koordinieren.

Deutschland vor ähnlichen Herausforderungen

Auch in Deutschland wird die Verwundbarkeit des Stromnetzes diskutiert. Nach einem Brandanschlag im Januar 2026 in Berlin blieben zehntausende Haushalte mehrere Tage ohne Strom – ein Ereignis, bei dem die Behörden Sabotage nicht ausschließen. Exper­ten warnen, dass der Zivilschutz und die Vorbereitung auf netzweite Krisenfälle sowie auf hybride Angriffe derzeit noch unzureichend sind.

Eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt zudem, dass viele Unternehmen ihre Netze und kritischen Systeme nur unzureichend gegen Attacken geschützt sehen und bereits ab etwa 20 Stunden Ausfall der Strom- oder Internetversorgung betriebswirtschaftlich Lahmlegung befürchten.

Internationale Beispiele untermauern Risiken

Auch außerhalb Europas bleiben kritische Netze im Visier. In den USA etwa warnten Energie- und Infrastruktur-Experten im Kongress vor zunehmenden Cyber- und physischen Bedrohungen für das Stromnetz. Staaten, organisierte Kriminelle und „Hacktivisten” könnten versuchen, Versorgungssysteme zu stören – auch wenn bislang keine großflächigen Blackouts direkt auf solche Angriffe zurückgeführt werden konnten.

Was muss passieren?

Experten sprechen sich dafür aus, Netzbetreiber, Behörden und Sicherheitsdienste enger zu vernetzen, gemeinsame Frühwarnsysteme zu etablieren und die Resilienz kritischer Systeme zu verbessern. Dazu zählen regelmäßige Sicherheitsaudits, bessere Schulungen, die Überwachung digitaler Kontrollsysteme und klare Reaktionspläne für den Ernstfall.

Die Sicherung der Stromversorgung ist mehr als technische Wartung: Sie ist ein zentraler Bestandteil der nationalen Sicherheit. Angesichts wachsender hybrider Bedrohungen – von Cyberangriffen bis hin zu physischer Sabotage – sehen Experten Handlungsbedarf. Nur mit gezielten Investitionen in Sicherheit und Resilienz lassen sich Versorgungsausfälle und ihre gravierenden gesellschaftlichen Folgen verhindern.

bh
Quellen: t-online.de