In Frankreich entfernen neue Bürgermeister des Rassemblement National medienwirksam die EU-Flagge von Rathäusern. Diese Entscheidung stößt auf heftige Kritik und löst Empörung über den perceived Pseudo-Patriotismus aus.
Französische Bürgermeister entfernen EU-Flaggen: Ein Zeichen der Abkehr von Europa

In Frankreich sorgt die Entscheidung einiger neu gewählter Bürgermeister des rechtsnationalen Rassemblement National (RN) für Aufregung. Diese haben die Europaflagge von ihren Rathäusern abgenommen, was zu heftiger Kritik führt. Gegner dieser Maßnahmen sprechen von einem „Verrat“ und einem Ausdruck von „Pseudo-Patriotismus“.
Der Bürgermeister von Carcassonne, Christophe Barthès, wurde dabei gefilmt, wie er die EU-Flagge, die neben der französischen Fahne hing, einholte. Auf der Plattform X äußerte er dazu: „Weg mit den europäischen Flaggen am Rathaus! Platz für die französischen Flaggen.“ Auch Anthony Garénaux-Glinkowski, der Bürgermeister von Harnes, erklärte: „Es gibt nur eine einzige Flagge, die in der Verfassung anerkannt ist, nämlich die dreifarbige Flagge in Blau, Weiß und Rot.“ Der Bürgermeister von Cagnes-sur-Mer, Bryan Masson, teilte ein Bild, das das Rathaus ausschließlich mit französischen Flaggen zeigt.
Politische Reaktionen auf die Flaggenabnahme
Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot äußerte sich besorgt über diese Entwicklungen und sprach von „einem Verrat an dem, was wir sind“. Er betonte, dass Frankreich die Europäische Union gewollt habe und dass es keine Auflösung der nationalen Identität in der europäischen Identität gebe.
Die liberale Europaabgeordnete Valérie Hayer bezeichnete die Aktionen der Bürgermeister als „pseudo-patriotische Geste“ und warnte vor einem „Frexit“, einem möglichen Austritt Frankreichs aus der EU. Obwohl die Partei von Marine Le Pen offiziell nicht mehr für einen Austritt plädiert, deuten ihre politischen Bestrebungen in diese Richtung.
Finanzielle Implikationen der Flaggenabnahme
Europaminister Benjamin Haddad konfrontierte Barthès mit den finanziellen Konsequenzen seiner Entscheidung: „Die 3,4 Millionen Euro an EU-Mitteln für das Krankenhaus von Carcassonne geben wir dann auch zurück? Ganz zu schweigen von den Mitteln für die Schulen der Stadt, für die Sanierung des Stadtteils Viguier oder für die technische Hochschule?“ Diese Aussage verdeutlicht die Abhängigkeit vieler Kommunen von EU-Fördergeldern.
Hintergrund zur EU-Flagge
Die blaue EU-Flagge wurde 1955 erstmals vom Europarat angenommen und 1985 von der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, dem Vorläufer der EU, als offizielles Symbol übernommen. In Frankreich sind die Rathäuser nicht verpflichtet, die Flagge zu hissen. Ein Gesetz, das dies vorschreiben sollte, wurde 2023 von der Nationalversammlung verabschiedet, jedoch steht es seitdem noch zur Prüfung im Senat aus.
Die Entscheidung der Bürgermeister, die EU-Flaggen abzunehmen, spiegelt nicht nur eine politische Haltung wider, sondern hat auch weitreichende gesellschaftliche und finanzielle Implikationen, die in den kommenden Monaten weiter diskutiert werden dürften.








