Dicke Pullis und Schals in der UN-Zentrale am East River: Die Vereinten Nationen haben ein Geldproblem – und machen Einschnitte.
Fröstelnde Diplomaten – die UN fahren die Heizung runter

Die Vereinten Nationen müssen aufgrund von finanziellen Problemen sparen – das bemerken die Diplomaten nun auch persönlich. Anfang Februar gab UN-Generalsekretär António Guterres die Anweisung, die Heizung in der berühmten UN-Zentrale am New Yorker East River etwas herunterzufahren. In einem internen Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, sind verschiedene Sparmaßnahmen aufgeführt. Eine davon besagt, dass die Heizung ab sofort von etwa 22 auf 21 Grad Celsius heruntergeregelt werden muss. Obwohl es sich um einen eher symbolischen Unterschied handelt, führt dies im zugigen Hochhaus mit Tausenden von Beschäftigten bereits zu Veränderungen in der Kleiderwahl.
Weil es in einigen Konferenzräumen frisch ist, tragen viele Angestellte nun dicke Pullis zur Arbeit. «Wir versuchen sicherzustellen, dass wir über genügend Liquidität verfügen, um die Grundversorgung sicherzustellen», sagte Guterres-Sprecher Stephane Dujarric am Mittwoch. Der Schal, den er jüngst bei einer Pressekonferenz getragen habe, sei keine Requisite. Er trage ihn, «weil mir kalt ist», so Dujarric. Auch andere UN-Mitarbeitende beklagen sich über kühle Räume und kalte Finger, gehen ansonsten aber ihrer Arbeit wie gewöhnlich nach.Grund für die Sparmaßnahmen sind Zahlungsrückstände von UN-Mitgliedsländern. Der Mangel an Barmitteln habe «aggressive Maßnahmen» notwendig gemacht, wie es bei den UN heißt. Sonst drohe das Geld bis August auszugehen. 2023 seien nur etwa 82 Prozent der Mitgliedsbeiträge eingegangen, lediglich 142 von 193 Ländern hätten vollständig bezahlt.
Deutschland hat bereits gezahlt
Besonders schwer wiegt der fehlende Beitrag der Vereinigten Staaten: Washington schuldet den UN etwa eine Milliarde US-Dollar aufgrund von Haushaltsproblemen im Kongress für die Jahre 2023 und 2024. Das gesamte UN-Budget, mit Ausnahme der Mittel für Friedenseinsätze, beläuft sich auf mehr als drei Milliarden Dollar. Deutschland hat als viertgrößter Zahler bereits seinen Beitrag für 2024 in Höhe von über 190 Millionen Dollar geleistet.
Die Vereinten Nationen sind häufig knapp bei Kasse und müssen gelegentlich Geld leihen, um verspätete Beitragszahlungen auszugleichen. Allerdings gingen im Jahr 2023 die geringsten Zahlungen seit fünf Jahren ein, was nicht nur zu eingeschränkten Neueinstellungen führt. Auch die Arbeitszeiten des Sicherheitspersonals an einigen Eingängen sowie von Übersetzerinnen und Übersetzern wurden reduziert, was auch zu Veränderungen im täglichen Betriebsablauf im Hauptquartier der UN führt.
Laut dem Schreiben wurde auch die Anzahl der wöchentlichen Veranstaltungen eingeschränkt. Bei einem wichtigen Treffen des Weltsicherheitsrates am Freitag mit Außenministerin Annalena Baerbock wurde die Zeit bis 18 Uhr begrenzt, weshalb nicht alle interessierten Nationen bei der Sitzung sprechen können.








