Maduro regiert autoritär, Oppositionsführerin mit Friedensnobelpreis, Ölkrise, massive Auswanderungswelle, internationale Verbündete.
Fünf Dinge, die man über Venezuela wissen sollte

Die USA haben anscheinend Ziele in Venezuela angegriffen. Dieser Angriff stellt eine Eskalation in dem Konflikt dar. Seit September hatte das US-Militär in der Karibik und im Pazifik bereits mehrere Male angeblich mit Drogen beladene Boote angegriffen. Fünf Dinge, die man über Venezuela wissen sollte:
Autoritäre Staatsführung
Seit 2013 wird Venezuela von dem autoritären Linkspolitiker Nicolás Maduro regiert. Nach seiner von Betrugsvorwürfen überschatteten Wiederwahl im vergangenen Jahr wurde er für eine weitere Amtszeit bis 2031 als Präsident vereidigt. Internationale Organisationen und Menschenrechtler werfen Maduros Regierung die Unterdrückung von politisch Andersdenkenden, willkürliche Festnahmen von Regierungsgegnern, Folter und Gewalt vor. Trotz teilweiser massiver Proteste gegen seine Regierung bleibt Maduro fest im Sattel – insbesondere, weil ihm das Militär die Treue hält.
Der venezolanischen Oppositionsführerin María Corina Machado wurde in diesem Jahr der Friedensnobelpreis für «ihren Kampf für einen gerechten und friedlichen Übergang von Diktatur zur Demokratie» zuerkannt. Sie traf jedoch erst Stunden nach der offiziellen Preisverleihung und einer geheimen Ausreise in Oslo ein.
Da sie unter anderem wegen Vaterlandsverrats untersucht wird, hat sie sich seit mehr als einem Jahr im Untergrund versteckt gehalten. Die Staatsanwaltschaft hatte angekündigt, Machado als flüchtig zu betrachten, falls sie das Land verlassen würde. Im Falle einer Rückkehr nach Venezuela würden ihr ernste Konsequenzen wie Verhaftung oder Einreiseverbot drohen.
Größte Ölreserven der Welt
Das südamerikanische Land hat schätzungsweise 303 Milliarden Barrel (je 159 Liter) und damit die größten Ölreserven der Welt. Es handelt sich hauptsächlich um Schweröl, das nur mit spezieller Technik gefördert und raffiniert werden kann. Trotz der enormen Reserven ist die Ölproduktion derzeit mit rund einer Million Barrel pro Tag recht niedrig – vor 20 Jahren wurden noch fast drei Millionen Barrel Öl pro Tag in Venezuela gefördert. Sanktionen, Missmanagement beim staatlichen Energiekonzern PDVSA und Korruption sind dafür verantwortlich. Seit diesem Jahr fördert auch der US-Ölriese Chevron wieder in Venezuela.
Mitte Dezember markierte die Erstürmung eines venezolanischen Öltankers durch US-Soldaten eine neue Eskalationsstufe im Konflikt. Washington begründete den Einsatz damit, dass das Schiff Teil eines illegalen Netzwerks zum Öltransport gewesen sei, mit dem ausländische Terrororganisationen unterstützt werden sollten. Caracas sprach von einem «Akt internationaler Piraterie» der USA.
Bittere Armut
Trotz des Vorhandenseins reicher Bodenschätze wie Erdöl, Gold und seltenen Erden herrscht in Venezuela bittere Armut. Nach einem Bericht der Venezolanischen Beobachtungsstelle für Finanzen (OVF) leben 86 Prozent der Haushalte in dem südamerikanischen Land unterhalb der Armutsgrenze. Das durchschnittliche Einkommen der Haushalte beträgt daher 231 US-Dollar pro Monat, während der Lebensmittelkorb für eine Familie bei 391 Dollar liegt. Viele Familien sind auf Überweisungen ihrer Verwandten aus dem Ausland angewiesen, um über die Runden zu kommen.
Flüchtlingskrise
Die enorme Wirtschaftskrise, staatliche Unterdrückung und Gewalt haben zu einer großen Auswanderungswelle aus Venezuela geführt. Auch viele gut ausgebildete Arbeitskräfte haben das Land bereits verlassen. Laut den Vereinten Nationen haben mittlerweile 7,9 Millionen Venezolaner ihre Heimat verlassen – das entspricht etwa einem Viertel der Gesamtbevölkerung. Die meisten von ihnen leben in den lateinamerikanischen Nachbarländern, aber viele versuchen auch in den USA oder Europa ihr Glück. In diesem Jahr stammten die meisten Asylbewerber in der EU erstmals aus Venezuela.
USA-Gegner als Verbündete
Maduro geriert sich als unbeugsamer Rebell im Hinterhof der Vereinigten Staaten, der der US-Regierung unerschrocken die Stirn bietet. Immer wieder wetterte er gegen den «Imperialismus» der «Yankees» und zeichnete ein Bild von Venezuela als sozialistischem Vorzeigestaat. Unterstützt wird er von den linken Regierungen in Kuba und Nicaragua. Kubanische Geheimdienstagenten sollen beispielsweise dabei helfen, die einfachen Soldaten auf Linie zu halten. Auch Russland, China und der Iran gehören zu Venezuelas Verbündeten.








