Seit Beginn des Gaza-Kriegs verschärft sich auch die Lage an Israels Grenze zum Libanon. Die USA wollen eine Eskalation vermeiden. Der Überblick:
Gefechte an Israels Grenze zum Libanon

Während die israelische Armee weiterhin gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen kämpft, gibt es auch an der nördlichen Grenze zum Libanon erhöhte Spannungen.
Am späten Sonntagabend gab das Militär Israels bekannt, dass Kampfflugzeuge erneut eine Kommandozentrale der Hisbollah-Miliz, die mit der Hamas verbündet ist, im Süden Libanons angegriffen haben. Außerdem wurde ein Beobachtungsposten der vom Iran unterstützten Miliz angegriffen. Die Angaben konnten vorerst nicht unabhängig überprüft werden.
Am Abend beriet Israels Verteidigungsminister Yoav Galant in Tel Aviv mit Amos Hochstein, einem Berater von US-Präsident Biden, über die gefährliche Lage in dem Grenzgebiet. Man sei zu einer diplomatischen Lösung der Krise bereit, aber zugleich auf «jedes andere Szenario» vorbereitet, sagte Galant nach Angaben seines Ministeriums bei dem Treffen.
Israel verlegt Divisionen an die Grenze zum Libanon
Nach Auskunft des israelischen Armee-Sprechers Daniel Hagari wurden drei Truppendivisionen an die nördliche Grenze verlegt. Er sprach am Wochenende eine deutliche Warnung an die Hisbollah aus: Ein Krieg sei nicht Israels erste Priorität, «aber wir sind auf jeden Fall vorbereitet».
Seit dem Massaker der Hamas am 7. Oktober in Israel und dem Beginn des Gaza-Krieges kommt es fast täglich zu gegenseitigen Angriffen in der israelisch-libanesischen Grenzregion. Am Sonntag gab es erneut Gefechte, bei denen die Hisbollah nach Angaben des israelischen Militärs mehrere Raketen auf den Norden Israels abfeuerte. Als Reaktion darauf bombardierten israelische Kampfjets eine Raketenstellung sowie Beobachtungsposten der Hisbollah in zwei Ortschaften im Süden des Libanons.
Keine Einigung auf Feuerpause
Es gibt immer noch keine Einigung bei den Verhandlungen über eine erneute Feuerpause und die Freilassung weiterer Geiseln im Gaza-Krieg. Die Hamas hat einen Vorschlag erhalten, der von den Vermittlern USA, Ägypten und Katar kürzlich in Paris ausgehandelt wurde. Dieser Vorschlag sieht die schrittweise Freilassung der Geiseln vor, im Gegenzug für eine längere Feuerpause und die Freilassung palästinensischer Strafgefangener. Ein Vertreter der Hamas kündigte an, dass man bald Stellung dazu nehmen werde, aber intern noch diskutiere. Israels Verhandlungsführer sollen den Rahmenentwurf dagegen bereits akzeptiert haben.
Am 7. Oktober haben die Hamas und andere extremistische Gruppen den Süden Israels angegriffen, 1200 Menschen getötet und etwa 250 Geiseln entführt. Israel hat auf das schlimmste Massaker in seiner Geschichte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive im Gazastreifen reagiert. Während der bisher einzigen Feuerpause im November wurden 105 Geiseln gegen 240 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen ausgetauscht. Laut Israel werden derzeit noch 136 Geiseln in dem Küstengebiet festgehalten. Israel geht davon aus, dass ungefähr 30 von ihnen nicht mehr am Leben sind.
Israel: Tausende Hisbollah-Stellungen angegriffen
Israel plant, durch militärischen und diplomatischen Druck sicherzustellen, dass sich die Hisbollah-Miliz, die mit der Hamas verbündet ist, im südlichen Libanon gemäß der UN-Resolution 1701 hinter den Litani-Fluss zurückzieht, der 30 Kilometer von der Grenze entfernt liegt.
Die Hisbollah feuert derzeit immer wieder aus der Pufferzone heraus, die nach dem Ende des zweiten Libanon-Kriegs 2006 im Grenzgebiet eingerichtet worden war. Israels Armee antwortet mit Gegenangriffen. Laut Armeesprecher Hagari haben die Streitkräfte seit Beginn des Gaza-Krieges mehr als 3400 Hisbollah-Stellungen ins Visier genommen. Dabei seien mehr als 200 Terroristen «eliminiert» worden.
Israel warnt Hisbollah
Die Hamas im Gazastreifen wird als weniger schlagkräftig angesehen als die Hisbollah-Miliz. Aufgrund der wiederholten militärischen Konfrontationen haben bereits viele Bewohner im Norden Israels und auf der libanesischen Seite ihre Heimatorte verlassen. Israel hat bereits mehrmals davor gewarnt, dass es zu einem umfangreicheren Militäreinsatz bereit ist, falls die diplomatischen Bemühungen erfolglos bleiben sollten.
Verteidigungsminister Galant erneute diese Warnung am Sonntag, wie die Zeitung «Times of Israel» berichtete: «Die klare Anweisung, die ich der Luftwaffe gegeben habe, lautet, die Nasen unserer Flugzeuge nach Norden zu richten», wurde Galant zitiert. Israels Armee sei für alle Fälle bereit, hieß es.
Gemäß dem Bericht der Zeitung unter Berufung auf den israelischen Sender Channel 12 soll Bidens Berater Hochstein bei dem Treffen mit Galant über Anzeichen für eine potenzielle diplomatische Lösung gesprochen haben. Diese Lösung würde den Rückzug der Hisbollah aus dem Grenzgebiet beinhalten. Es gibt jedoch keine offizielle Bestätigung dafür.
Was heute wichtig wird
Der US-Außenminister Antony Blinken plant, erneut Krisengespräche im Nahen Osten zu führen. Dabei wird auch die erneute Feuerpause und die Freilassung von Geiseln im Gaza-Krieg thematisiert. Diese fünfte Nahostreise von Blinken seit Beginn des Gaza-Krieges vor fast vier Monaten folgt auf den umfassenden US-Militärschlag gegen proiranische Milizen im Irak und in Syrien sowie erneute Angriffe auf Stellungen der ebenfalls proiranischen Huthi-Miliz im Jemen.
In New York versammelt sich der Weltsicherheitsrat auf Initiative Russlands, um über die US-Angriffe in Syrien und dem Irak zu diskutieren. Moskau beschuldigt Washington, gezielt eine Eskalation des Konflikts im Nahen Osten anzustreben.








