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Mutmaßlich rassistischer Angriff auf Mädchen in Grevesmühlen

Eine Gruppe junger Leute soll zwei ghanaische Kinder in Mecklenburg-Vorpommern angegriffen haben. Eine Achtjährige und ihr Vater werden verletzt. Der Fall ist nicht der einzige, der am Wochenende für Entsetzen sorgt.

Laut der Polizei waren ein 8-jähriges Mädchen und seine zwei Jahre ältere Schwester aus einer Gruppe von etwa 20 Personen angegriffen worden.
Foto: Marcus Brandt/dpa

Nach dem vermutlich rassistischen Angriff auf zwei ghanaische Kinder in Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) hat die Polizei verschiedene Hinweise erhalten. Darunter seien auch Hinweise auf Personen, die möglicherweise an der Tat beteiligt waren, sagte ein Sprecher der Leitstelle des Polizeipräsidiums Rostock der Deutschen Presse-Agentur.

Die Untersuchungen sind sehr umfassend und werden noch einige Zeit dauern. Es gab auch Hinweise darauf, dass auf dem Stadtfest in Grevesmühlen (13. bis 16. Juni) rassistische Parolen zur Melodie von Gigi D’Agostino gesungen worden sein sollen.

Gemäß den Angaben der Polizei wurden am Freitagabend gegen 19.30 Uhr ein achtjähriges Mädchen und seine zehn Jahre alte Schwester von einer Gruppe von etwa 20 Jugendlichen und Heranwachsenden angegriffen. Den Angaben zufolge wurde das jüngere Mädchen unter anderem ins Gesicht getreten. Als die Eltern der Kinder eintrafen, kam es laut Polizei auch zu einer Auseinandersetzung mit diesen. Sowohl das achtjährige Mädchen als auch der Vater wurden leicht verletzt und in ein Krankenhaus gebracht.

Als die Beamten am Tatort ankamen, soll eine Person aus der Gruppe die Opfer beim Verlassen auch rassistisch beleidigt haben. Bis zu acht Personen aus der Gruppe sollen an dem Angriff beteiligt gewesen sein, berichtete die Polizei. Sie leitet nun Ermittlungen wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung und Beleidigung ein. Es werden Zeugen des Vorfalls gesucht.

Entsetzen nach Bekanntwerden des Falls

Politiker verurteilten die Attacke aufs Schärfste. «Kinder rassistisch zu beschimpfen und brutal zu attackieren, zeugt von dumpfem Hass und unfassbarer Unmenschlichkeit», schrieb etwa Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) auf X. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) teilte auf der Plattform mit: «Wir dürfen nicht zulassen, dass Hass & Hetze unsere Gesellschaft vergiften und Gewalt unsere Kinder bedroht.» Ihre Gedanken und ihr Mitgefühl seien bei den betroffenen Kindern und ihrer Familie. «Diese abscheuliche Tat muss rasch Konsequenzen haben. Rassismus und Gewalt sind widerlich. Das gilt erst recht, wenn Kinder angegriffen werden.»

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Christian Pegel (SPD) betonte, «man greift keine Menschen an, erst recht keine Kinder und schon gar nicht aus rassistischen Motiven». Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler sagte NDR 1 Radio MV, «diese rassistisch motivierte Tat macht mich einfach fassungslos. Das zeugt von bodenlosem Hass und enthemmter Unmenschlichkeit und lässt sich nicht entschuldigen».

Der Landrat von Nordwestmecklenburg, Tino Schomann (CDU), sprach von einem nicht zu tolerierenden Grenzübertritt. «Verabscheuungswürdige Taten wie diese lassen mich sprachlos zurück».

https://x.com/NancyFaeser/status/1802269562127130920

Weitere Vorfälle am Wochenende im Nordosten

Am Wochenende gab es in Mecklenburg-Vorpommern laut Polizei mehrere weitere Vorfälle mit vermutlich rassistischem oder volksverhetzendem Hintergrund. In Schwerin soll eine Zeugin beobachtet haben, wie etwa 20 Männer auf der Schlossbrücke den Hitlergruß gezeigt haben.

Nach einer Auseinandersetzung, bei der ein Mann in der Nacht zum Samstag in Penkun verletzt wurde, hat der Staatsschutz Ermittlungen wegen Verdachts der Volksverhetzung eingeleitet. Laut Polizei hatten nach Zeugenaussagen einige Personen auf einer Festwiese kurz vor der Tat zur Melodie von Gigi D’Agostino den Text «Ausländer raus – Deutschland den Deutschen» gerufen.

Bei der Auseinandersetzung danach sollen sechs bis sieben Menschen einen 24 Jahre alten Deutschen angegriffen und im Gesichtsbereich verletzt haben. «Der Geschädigte hat ein südländisches Aussehen, einen Zusammenhang mit dem Grölen der Parolen und der Straftat wird nicht ausgeschlossen», teilte die Polizei mit.

Am Bahnhof in Warnemünde gab es bereits am Freitagabend einen größeren Polizeieinsatz nach rechten Parolen, die nach dem EM-Auftakt der deutschen Mannschaft gerufen wurden.

dpa