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Griechisches Parlament verabschiedet Gesetz zur Ehe für alle

Historischer Tag für gleichgeschlechtliche Paare in Griechenland: Das Parlament stimmt mit großer Mehrheit für die standesamtliche Ehe, die nun auch homosexuellen Paaren dieselben Rechte und Pflichten wie heterosexuellen Paaren gewährt.

Nach der Verabschiedung des Gesetzes ist Griechenland das erste mehrheitlich christlich orthodoxe Land, das die standesamtliche Ehe zwischen gleichgeschlechtigen Menschen ermöglicht.
Foto: Michael Varaklas/AP/dpa

Das griechische Parlament hat mit einer überwältigenden Mehrheit die standesamtliche Ehe für Paare des gleichen Geschlechts genehmigt. Das Parlamentspräsidium in Athen gab diese Information bekannt. 176 Abgeordnete im Parlament mit insgesamt 300 Sitzen stimmten für das Gesetz, das von der konservativen Regierung unter Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis vorgeschlagen wurde.

In einer ungewöhnlichen parteiübergreifenden Übereinstimmung unterstützten sowohl linke, sozialdemokratische als auch konservative Parlamentarier den Antrag, was für Griechenland selten ist. Die 76 Gegenstimmen kamen aus verschiedenen Parteien. Mitsotakis erlaubte den Abgeordneten seiner konservativen Regierungspartei Nea Dimokratia (ND), nach ihrem Gewissen abzustimmen. Es gab zwei Stimmenthaltungen. Wie das Parlamentspräsidium mitteilte, nahmen 46 Abgeordnete nicht an der Sitzung teil.

Zuvor wurde im Parlament mitunter heftig diskutiert. Kleinere ultrakonservative Parteien, die auch religiöse Eiferer vertreten, aber auch Abgeordnete der regierenden Konservativen erklärten, mit dem Gesetz würden die Tradition der griechischen Gesellschaft und die Lehren der christlich orthodoxen Kirche ignoriert. Mitsotakis erklärte seinerseits: «In Griechenland darf niemand sich als Bürger zweiter Klasse fühlen. Heute ist ein Tag der Freude».

Homosexuelle Ehepaare dürfen auch Kinder adoptieren

Gemäß dem neuen Gesetz haben homosexuelle Ehepaare in Zukunft die gleichen Rechte und Pflichten wie heterosexuelle Paare. Sie dürfen Kinder adoptieren. Beide Partner erhalten das Sorgerecht, selbst wenn das Kind biologisch von einem der beiden stammt. Es bleibt jedoch weiterhin verboten, dass Leihmütter Kinder für homosexuelle Paare zur Welt bringen.

Massive Kritik gab es bereits im Vorfeld aus den Reihen der griechisch-orthodoxen Kirche. Einige Bischöfe drohten den Abgeordneten ihrer Regionen, sich «gut zu überlegen, wofür sie sich entscheiden». Die Orthodoxe Kirche ist in der griechischen Verfassung als vorherrschende Religion festgeschrieben und hat starken Einfluss auf religiös orientierte Wahlkreise. Nach der Verabschiedung des Gesetzes ist Griechenland das erste mehrheitlich christlich orthodoxe Land, das die standesamtliche Ehe zwischen gleichgeschlechtigen Menschen ermöglicht.

dpa