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Grünes Licht für Abwurf von Hilfen über Gaza

Die Lage der Menschen im Gazastreifen ist verzweifelt. Künftig will auch die Bundeswehr – wie verbündete Streitkräfte – Hilfsgüter aus der Luft abwerfen.

Verteidigungsminister Boris Pistorius.
Foto: Michael Kappeler/dpa

Der Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat grünes Licht für den Abwurf von dringend benötigten Hilfsgütern über dem Gazastreifen durch die Luftwaffe gegeben. Der SPD-Politiker erteilte am Mittwoch einen entsprechenden Auftrag an die Bundeswehr, wie die Deutsche Presse-Agentur in Berlin erfuhr. Aus dem Militär waren zuvor bereits entsprechende Vorbereitungen bestätigt worden, bei denen in Frankreich stationierte C130-Transportflugzeuge der Bundeswehr eingesetzt werden könnten.

Die Bundeswehr beteiligt sich an der Luftbrücke für Gaza, die von Jordanien gestartet wurde. Auch die USA und Frankreich sind Partner in dieser Initiative. Der deutsche Anteil der binationalen Lufttransportstaffel in Evreux wird den Auftrag übernehmen, wie es aus militärischen Kreisen heißt. Der Einsatz soll voraussichtlich Ende der Woche beginnen.

Die Situation der Menschen im Küstenstreifen wird laut Hilfsorganisationen zunehmend verzweifelt. Nach UN-Angaben könnte eine Hungersnot drohen, wenn die Hilfslieferungen per Lastwagen nicht ausgebaut werden. Etwa 2,2 Millionen Menschen leben im Gazastreifen.

Hilfe kommt auch über den Seeweg

Der Gaza-Krieg begann mit dem schlimmsten Massaker in der Geschichte Israels, das am 7. Oktober von Terroristen der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Palästinenserorganisationen in Israel verübt wurde. Mehr als 1200 Menschen wurden auf israelischer Seite getötet. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive im Gazastreifen. Laut Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden auf palästinensischer Seite seit Kriegsbeginn mehr als 31.100 Menschen getötet.

Geholfen wird der Bevölkerung im Gazastreifen mittlerweile auch auf dem Seeweg. Am Dienstag war das Schiff «Open Arms» der gleichnamigen Hilfsorganisation aus dem zyprischen Hafen von Larnaka in Richtung Gazastreifen in See gestochen. Der umgebaute Schlepper zieht eine Plattform, auf die Hilfsgüter geladen worden sind – rund 200 Tonnen Trinkwasser, Medikamente und Lebensmittel. Die Fahrt könnte bis zu 60 Stunden dauern, da das Schiff langsam fährt.

Verzweifelte Bewohner kämpfen um die Hilfsgüter

Dennoch gleichen Seetransporte von Hilfsgütern in den Gazastreifen laut einem Sprecher der Vereinten Nationen nicht den Mangel an dringend benötigten Lkw-Lieferungen aus. Es wird auch Zugang über Land benötigt, um eine sichere und regelmäßige Verteilung im Gazastreifen sicherzustellen. Die Vereinten Nationen haben kürzlich darauf gedrängt, die Hilfslieferungen per Lastwagen auszubauen und den Transport der Güter auch über Grenzübergänge in den besonders betroffenen Norden des Palästinensergebiets zu ermöglichen.

Am Dienstagabend wurde bekannt gegeben, dass ein Hilfskonvoi mit Nahrungsmitteln über eine neue Straße des israelischen Militärs den Norden des Gazastreifens erreicht hat. Es handelte sich um ein Pilotprojekt, um zu verhindern, dass die Hilfsgüter in die Hände der islamistischen Hamas gelangen, teilte das Militär mit. Die Ergebnisse werden nun der Regierung vorgelegt.

Laut den Vereinten Nationen ist im Gazastreifen in vielen Gebieten aufgrund des Krieges jede Ordnung zusammengebrochen. Lkw mit Hilfsgütern werden regelmäßig geplündert. Darüber hinaus kommt es häufig zu heftigen Auseinandersetzungen unter verzweifelten Bewohnern im Kampf um die Hilfslieferungen.

dpa