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Endlagersuche für Atommüll in Deutschland dauert möglicherweise bis 2074, Ministerium bestätigt Verzögerung

Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll in Deutschland zieht sich möglicherweise bis 2074 hin, wie das Bundesumweltministerium bestätigt.

Hochradioaktiver Müll strahlt Hunderttausende Jahre. Ein Endlager soll deshalb laut Standortauswahlgesetz auf eine Million Jahre angelegt sein. (Archivbild)
Foto: Guido Kirchner/dpa

Laut einem Gutachten des Freiburger Öko-Instituts könnte die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll in Deutschland mehr als 40 Jahre länger dauern als ursprünglich geplant. Der Deutschlandfunk berichtete zuerst über das Papier im Auftrag des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE). Unter idealen Bedingungen sei mit einer Standortentscheidung frühestens im Jahr 2074 zu rechnen, heißt es darin.

Ministerium: Verzögerung nicht neu

Das Bundesumweltministerium teilte in Berlin mit, die Endlagersuche sei ein «wissenschaftsbasiertes, transparentes sowie lernendes Verfahren, dessen Ansprüche darauf ausgerichtet sind, denjenigen Standort zu finden, der die bestmögliche Sicherheit für einen Zeitraum von einer Million Jahren gewährleistet». Dass dieses Verfahren nicht bis 2031 abgeschlossen werden könne, sei seit längerem bekannt. 

Im November 2022 wurde bekannt gegeben, dass der ursprüngliche Zeitplan bis 2031 nicht eingehalten werden kann. Kurz darauf wurden Dokumente der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) veröffentlicht, die darauf hindeuten, dass die Suche bis 2046 oder sogar bis 2068 dauern könnte. Eine Sprecherin des Ministeriums wollte keine genauen Zeitrahmen nennen, als sie danach gefragt wurde.

Die Endlagersuche betrifft einen Standort in der Tiefe, um 27.000 Kubikmeter hochradioaktiven Mülls (1.750 sogenannte Castor-Behälter) aus über 60 Jahren Atomkraft in Deutschland dauerhaft zu lagern. Laut BASE handelt es sich dabei um fünf Prozent der radioaktiven Abfälle in Deutschland, die jedoch etwa 99 Prozent der gesamten Radioaktivität aller Abfälle enthalten. Der Müll wird derzeit in 16 oberirdischen Zwischenlagern in verschiedenen Bundesländern aufbewahrt.

Komplizierte Suche

Die Suche ist schwierig. Niemand will ein Endlager in seiner Nähe haben und es muss ein Ort gefunden werden, der für eine Million Jahre sicher ist. Deshalb wurde in einem Standortauswahlgesetz ein mehrstufiges, langfristiges Suchverfahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit festgelegt.

Ausgegangen wird dabei laut BASE von einer «weißen Landkarte», die alle Bundesländer einbezieht. In den Blick genommen wird bei der Suche neben den Gesteinsschichten unter anderem auch die Erdbebengefahr. In dem Gesetz wurde festgelegt, dass eine Standortentscheidung im Jahr 2031 angestrebt wird. Ab 2050 sollte das Endlager in Betrieb genommen werden.

dpa