Die Hamas lehnt ein Verhandlungsangebot für einen Geisel-Deal im Gaza-Krieg ab, will aber die Gespräche fortsetzen. Es könnte bald eine Antwort geben.
Verhandlungsangebot der Hamas im Gaza-Krieg abgelehnt,will Gespräche fortsetzen

Die islamistische Hamas steht einem Verhandlungsangebot für einen Geisel-Deal im Gaza-Krieg Medienberichten zufolge ablehnend gegenüber, will die Gespräche aber fortsetzen. «Unsere Position zum aktuellen Verhandlungspapier ist negativ», sagte der im Libanon ansässige Hamas-Sprecher Osama Hamdan im libanesischen Fernsehen, wie die Zeitung «Times of Israel» berichtete.
Die Pressestelle der Hamas habe die Äußerungen Hamdans danach jedoch präzisiert und erklärt, die Hamas-Führung werde zwar die aktuellen Vorschläge Israels nicht unverändert akzeptieren, sei aber bereit weiterzuverhandeln, schrieb dazu die «New York Times». Die ablehnende Haltung bedeute nicht, dass die Verhandlungen eingestellt wurden. Vielmehr gebe es «ein Hin und Her». In den kommenden Stunden könnte es eine Antwort geben, so die «Times of Israel».
Hamas-Anführer im Gazastreifen sieht Angebot skeptisch
Im Zuge der Vermittlungsbemühungen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo wurde der Hamas ein Vorschlag für eine Feuerpause unterbreitet, im Austausch für die Freilassung von Geiseln. Laut dem Anführer der Islamistenorganisation im Gazastreifen, Jihia al-Sinwar, beinhaltet der Vorschlag jedoch einige Risiken. „Es gibt keine Garantie, dass der Krieg beendet wird“, sagte eine Quelle, die dem Hamas-Anführer nahesteht, dem israelischen Fernsehsender Channel 12.
Es handele sich nicht um ein Angebot der ägyptischen Vermittler, sondern um ein israelisches «in amerikanischem Gewand». Äußerungen von Hamas-Führern im Exil sollten nicht als offizielle Positionen der Hamas betrachtet werden, sagte der Vertraute Al-Sinwars dem israelischen TV-Sender.
Israel droht mit Bodenoffensive in Rafah
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe US-Außenminister Antony Blinken unter vier Augen gesagt, dass Israel mit einer Bodenoffensive in Rafah im Süden des Gazastreifens beginnen werde, sollte die Hamas weiterhin ein Geiselabkommen von der Beendigung des Krieges abhängig machen, berichtete das Nachrichtenportal «Axios» unter Berufung auf zwei israelische und amerikanische Beamte. Blinken hatte von einem «sehr, sehr großzügigen» Vorschlag Israels für einen Deal gesprochen. Die Hamas bestand bislang auf ein Ende des Krieges, was Israel aber ablehnt.
Die israelische Regierung hat angekündigt, dass ein schneller Beginn der umstrittenen Offensive in Rafah an der Grenze zu Ägypten erfolgen wird, wenn keine Einigung erzielt wird. Hunderttausende Zivilisten haben in der Stadt Schutz gesucht. Blinken sagte in Tel Aviv: „Wir sind entschlossen, eine Waffenruhe zu erreichen, die die Geiseln nach Hause bringt, und zwar jetzt.“
Es gibt nur einen Grund, warum dies nicht erreicht werden könnte, und das ist wegen der Hamas.» Es gibt einen Vorschlag auf dem Tisch. «Und wie wir gesagt haben, keine Verzögerungen, keine Ausreden.» Nach Angaben des Senders Channel 12 zögert der Hamas-Anführer in Gaza, Al-Sinwar, jedoch. Laut seinem Vertrauten behauptet er, alle Entscheidungen zum Gaza-Krieg allein zu treffen.
Al-Sinwar gilt als einer der Architekten des Massakers
Israel hat den Verdacht, dass Al-Sinwar sich im Tunnelnetzwerk der Hamas unter dem Gazastreifen aufhält und sich aus Sicherheitsgründen mit Geiseln umgeben hat. Das unterirdische System stellt eine große Herausforderung für die israelische Armee im seit etwa sieben Monaten andauernden Gaza-Krieg dar.
Israel betrachtet Al-Sinwar als einen der Architekten des Massakers vom 7. Oktober vergangenen Jahres im israelischen Grenzgebiet. Es war der Auslöser des Krieges. Israel will nun in Rafah die letzten dort verbliebenen Bataillone der Hamas zerschlagen. «Die Idee, dass wir den Krieg stoppen, bevor alle seine Ziele erreicht sind, kommt nicht infrage», sagte Regierungschef Netanjahu. Er steht unter starkem Druck seiner rechtsextremen Koalitionspartner, die jüngst mit einem Ende der Regierung gedroht hatten, sollte der jetzt vorgeschlagene Geisel-Deal umgesetzt und der geplante Einsatz in Rafah abgeblasen werden. Netanjahus politisches Überleben hängt von ihnen ab.
Kolumbien bricht wegen Gaza-Krieg Beziehungen zu Israel ab
Unterdessen kündigte Kolumbiens Präsident Gustavo Petro einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Israel an. Israel habe eine «völkermörderische» Regierung, sagte Petro zur Begründung bei einer Kundgebung zum Tag der Arbeit in Bogotá. «Wenn Palästina stirbt, stirbt die Menschheit, und wir werden sie nicht sterben lassen», sagte der Linkspolitiker vor Tausenden Menschen in Kolumbiens Hauptstadt. Der Abbruch der Beziehungen gelte von heute an.
Der israelische Außenminister Israel Katz bezeichnete Petro in einer Erklärung als «antisemitisch und hasserfüllt». Er habe beschlossen, «sich auf die Seite der verabscheuungswürdigsten Monster der Menschheit zu stellen, die Babys verbrannten, Kinder ermordeten, Frauen vergewaltigten und unschuldige Zivilisten entführten», schrieb Katz auf der Plattform X, vormals Twitter, auf Hebräisch und Spanisch. Der Präsident werde nichts daran ändern, dass die Beziehungen zwischen beiden Ländern immer herzlich gewesen seien. Petro hatte in den vergangenen Monaten Israel mehrmals scharf kritisiert und mit einem Abbruch der Beziehungen gedroht.








