Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Hamas stimmt einer Waffenruhe im Gazastreifen zu

Wenig bis gar keine Fortschritte – so lautete lange die Bilanz bei Gesprächen über eine Feuerpause in Gaza. Jetzt kommt darin Bewegung von Seiten der Hamas.

Palästinenserinnen sitzen auf Trümmern im Flüchtlingslager Nuseirat im Gazastreifen nach dem Abzug der israelischen Streitkräfte (IDF).
Foto: Omar Naaman/dpa

Laut eigener Angaben hat die islamistische Hamas einem von den Vermittlern Ägypten und Katar vorgeschlagenen Waffenstillstand im Gaza-Krieg zugestimmt. Die Organisation gab dies auf ihrem Telegram-Kanal bekannt. Hamas-Auslandschef Ismail Hanija informierte angeblich den katarischen Ministerpräsidenten Mohammed bin Abdulrahman Al Thani und den ägyptischen Geheimdienstleiter Abbas Kamal telefonisch über die Entscheidung.

Israel äußerte sich zunächst nicht. Auch blieb unklar, welchen Inhalten des Vorschlags die Hamas genau zugestimmt hat. Aus Hamas-Kreisen in der libanesischen Hauptstadt Beirut hieß es jedoch, es handele sich um eine «Schlüsselentwicklung».

Täuschungsmanöver der Hamas?

Nicht geklärt war außerdem, ob es sich um einen Vorschlag handelt, dem auch Israel zugestimmt hat, da die Verhandlungen «indirekt» geführt wurden. Der israelische Fernsehsender Channel 12 berichtete, Israel warte auf Angaben der Vermittler. Ein namentlich nicht genanntes Kabinettsmitglied sprach dem Sender zufolge von einem Täuschungsmanöver der Hamas, um Israel als Verweigerer darzustellen.

Seit Monaten führen Israel und die Hamas keine direkten Verhandlungen, jedoch gibt es Gespräche. Der Schwerpunkt dieser Gespräche wurde kürzlich von Katar nach Ägypten verlagert. Am 7. Oktober wurden insgesamt mehr als 250 Menschen von Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Organisationen in den Gazastreifen verschleppt. Während einer einwöchigen Feuerpause Ende November letzten Jahres ließ die Hamas 105 Geiseln frei. Im Gegenzug entließ Israel 240 palästinensische Häftlinge aus seinen Gefängnissen. Es wird befürchtet, dass viele der noch immer im Gazastreifen vermuteten 133 Geiseln inzwischen nicht mehr am Leben sind.

Bis zum Schluss forderte die Hamas einen umfassenden Waffenstillstand, der einen vollständigen Abzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen beinhaltet. Israel, das die vollständige Zerschlagung der Hamas anstrebt, hat dies bisher abgelehnt. Der israelische Außenminister Katz erklärte kürzlich, sein Land sei bereit, den geplanten Militäreinsatz in der Stadt Rafah zu verschieben, falls es zu einem Deal zur Freilassung von Geiseln kommt. Erst heute hat das israelische Militär die Bewohner von Rafah im südlichen Gazastreifen zur Evakuierung aufgefordert.

Kritik an Netanjahu von Geisel-Angehörigen

Angehörige der Geiseln und ehemalige Geiseln hatten in den vergangenen Tagen die israelische Regierung eindringlich aufgefordert, zu einer Verhandlungslösung zu kommen. In einem Schreiben an Benny Gantz und Gadi Eisenkot, Minister im Kabinett von Regierungschef Benjamin Netanjahu, hatten sie noch am Montag Antworten zur Haltung der Regierung gefordert. «Wir Familienmitglieder beobachten voller Schrecken, was passiert“, schrieben sie auch mit Blick auf die Vorbereitungen der Rafah-Offensive. «Netanjahu macht den Deal bewusst zunichte und überlässt die Geiseln ihrem Tod.»

dpa