Während Nikki Haley und Ron DeSantis bei einer Debatte auf der TV-Bühne zanken, gibt Donald Trump auf einem anderen Kanal sein Standard-Repertoire zum Besten. Die republikanischen Präsidentschafts-Vorwahlen nahen.
Hartes TV-Duell der US-Republikaner Haley und DeSantis

Kurz vor dem Beginn der Präsidentschaftsvorwahlen haben die US-Republikaner Nikki Haley und Ron DeSantis mit harten gegenseitigen Angriffen versucht, den parteiinternen Spitzenreiter Donald Trump einzuholen.
In einer Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftsanwärter traten am Mittwochabend (Ortszeit) in Iowa erstmals nur Haley und DeSantis auf der Bühne auf und lieferten sich ein Duell. Die ehemalige US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen und der Gouverneur von Florida nutzten fast jede Antwort, um den anderen verbal anzugreifen. Trump, den beide mit eher milden Angriffen bedachten, blieb der Runde erneut fern und führte stattdessen bei einer Solo-Townhall für einen anderen TV-Sender sein übliches Programm durch.
In Iowa findet nächste Woche die erste Vorwahl der Republikaner statt. Um Präsidentschaftskandidat der Partei zu werden, muss man sich zuerst bei den internen Abstimmungen in den einzelnen Bundesstaaten durchsetzen. Die eigentliche Präsidentenwahl findet Anfang November statt. In Umfragen liegt Trump trotz aller Skandale und juristischen Probleme mit großem Abstand vorne im schrumpfenden Bewerberfeld der Republikaner und hat allgemein fast 50 Prozentpunkte Vorsprung vor Haley und DeSantis. In den beiden ersten Vorwahlstaaten Iowa und New Hampshire ist der Abstand geringer, und vor allem für Haley sieht es besser aus. Sie und DeSantis kämpfen jedoch derzeit hauptsächlich um den zweiten Platz.
Attacke und Gegenattacke
Bei ihrem Duell auf der Fernsehbühne in Iowa verhedderten sich Haley und DeSantis in stetigen Attacken und Gegenattacken. Der Gouverneur von Florida warf seiner Parteikollegin vor, sie sei opportunistisch, habe in der Vergangenheit immer wieder ihre Positionen verändert und richte sich vor allem nach dem Belieben reicher Geldgeber. Gleich drei Mal spottete der 45-Jährige, das Land brauche keine «blassen Pastelltöne», sondern einen Kurs der klaren Kante. Haley ist die einzige Frau unter den republikanischen Präsidentschaftsanwärtern und trug bei der Debatte ein pastellfarbenes Kleid.
Die frühere Gouverneurin des Bundesstaates South Carolina wiederum bezeichnete DeSantis durchgehend als Lügner, verwies ein ums andere Mal auf eine Webseite ihrer Wahlkampagne, in der dessen Unwahrheiten aufgelistet seien. Haley stichelte, DeSantis sei nur neidisch, dass sich Spender von ihm abgewandt hätten und nun sie unterstützten. «Du bist so verzeifelt», warf sie ihm entgegen.
Zahme Kritik an Trump
Beide versuchten einmal mehr mit Botschaften der Härte zu punkten, etwa gegenüber dem Iran oder China. Gegenüber Trump allerdings wagten sich DeSantis und Haley nur ein kleines bisschen mehr hervor als bei vorherigen Debatten. «Ich schätze, was Präsident Trump geleistet hat», sagte DeSantis. Sein Parteikollege habe an vielen Stellen allerdings nicht geliefert, was er versprochen habe. Politiker müssten «Diener des Volkes» sein und nicht «Herrscher über das Volk», stichelte er. Und mit Trump als Kandidat würde sich alles nur um die vergangene Wahl, juristische Probleme und Gerichtsverfahren drehen.
Auch Haley übte eher Zurückhaltung gegenüber Trump. «Ich denke, er war der richtige Präsident zur richtigen Zeit. Ich stimme mit vielen seiner politischen Maßnahmen überein», sagte sie. Aber seine Art sei nicht ihre. Rache und Drama lägen ihr nicht. Und Trump sei nicht der richtige Präsident für die Zukunft. Mit ihm gäbe es «vier weitere Jahre Chaos». Zumindest betonte die 51-Jährige jedoch, dass Trump die jüngste Präsidentenwahl gegen den Demokraten Joe Biden verloren habe. Weiterhin das Gegenteil zu behaupten, sei falsch, kritisierte sie.
Trump hat niemals zugegeben, dass er die Wahl verloren hat, sondern behauptet bis heute, dass ihm der Sieg durch Betrug gestohlen wurde. Er versuchte damals mit aller Kraft, das Ergebnis der Wahl umzukehren, was schließlich in dem beispiellosen Angriff seiner Anhänger auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 gipfelte. In den kommenden Monaten wird der ehemalige Präsident sich wegen seiner Rolle nach der Wahl und wegen mehrerer anderer Vorwürfe in vier Strafverfahren parallel zum Wahlkampf verantworten müssen.
Die parallele Trump-Show
Bei seinem parallel zur Debatte ausgestrahlten Solo-Auftritt beim Fernsehsender Fox News ätzte Trump am Mittwoch gegen DeSantis, dieser sei praktisch gar nicht mehr im Rennen. Der 77-Jährige spielte erneut darauf an, dass er DeSantis zu Beginn seiner Karriere geholfen habe. «Er würde in einer Pizzeria oder vielleicht in einer Anwaltskanzlei arbeiten, wenn ich ihn nicht unterstützt hätte.»
Ein wichtiges Thema der Sendung war Migration. «Wir werden die größte Abschiebeaktion in der Geschichte unseres Landes durchführen», kündigte Trump mit Blick auf Menschen ohne Papiere im Land an. «Wir bringen alle dorthin zurück, wo sie hergekommen sind.» Hinsichtlich seines Kommentars vor einigen Wochen, dass er am ersten Tag seiner Amtszeit ein Diktator sein werde, sagte Trump, dass er von den Demokraten als Diktator dargestellt werde. «Ich werde kein Diktator sein», beteuerte er mit Blick auf eine mögliche zweite Amtszeit.
Haley und DeSantis waren sich ungewöhnlich einig darin, dass Trump erneut seine Teilnahme an der Debatte verweigert hatte. Nur wenige Stunden zuvor hatte der frühere republikanische Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, das Vorwahl-Rennen aufgrund schlechter Umfragewerte verlassen. Der 61-Jährige hatte sich in den letzten Wochen als einziger republikanischer Präsidentschaftsbewerber durch harte Kritik an Trump hervorgetan. Am Mittwoch warf er seinen Mitstreitern erneut vor, zu feige zu sein, um Trump hart anzugehen – aus Angst, seine Basis zu verärgern.








