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Heereschef warnt vor Gefahren der Truppenkonzentration in modernen Konflikten

Der Inspekteur des Heeres warnt vor den Gefahren der Truppenkonzentration in Zeiten moderner Kriegsführung. Technologische Fortschritte, insbesondere durch Drohnen und KI-Waffen, verändern die Strategien der Bundeswehr grundlegend.

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Drohnenangriffe und KI-Waffen: Heereschef: Truppenkonzentration ist ein Vernichtungsrisiko
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Mit einer laufenden Lehr- und Versuchsübung unter dem Titel „Wie das Heer kämpfen wird“ sammeln Soldaten derzeit in Munster Erfahrungen mit den veränderten Bedrohungen, die durch technologische Fortschritte in der Kriegsführung entstehen. Diese Entwicklungen haben tiefgreifende Auswirkungen auf die deutschen Landstreitkräfte.

Technologische Veränderungen und ihre Folgen

Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, betont: „Durch die Transparenz des Gefechtsfeldes, den technologischen Fortschritt und die Automatisierung der Waffen entstehen neue Möglichkeiten, auch über große Entfernungen präzise zu agieren.“ Die Übung in Munster soll dazu dienen, die Soldaten auf diese neuen Herausforderungen vorzubereiten. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz wird sich am Donnerstag vor Ort über die Entwicklungen informieren.

Freuding erklärt weiter, dass es im Kampf „keine geschützten Räume mehr“ gebe. Dies habe revolutionäre Konsequenzen für die Landstreitkräfte. „Die Massierung, also das gezielte Zusammenziehen und Konzentrieren von Truppen und Waffen an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit, war über Jahrhunderte eine Voraussetzung für Initiative und Entscheidung. Diese Massierung wird heute jedoch zu einem inhärenten Vernichtungsrisiko“, so der Heereschef. Er fordert eine grundlegende Neuausrichtung der Kampfstrategien.

Neue Strategien zur Gefahrenabwehr

Um nicht zu einem leichten Ziel zu werden, müssen die Soldaten in der Fläche verteilt und nur in Ausnahmefällen und zeitlich begrenzt konzentriert auftreten. Dies erfordert eine Vernetzung aller Ebenen und den Einsatz unbemannter Systeme. Die Bundeswehr beobachtet dabei auch die Taktiken des potenziellen Gegners.

Russland hat im vergangenen Jahr gegen die Ukraine schätzungsweise bis zu 300.000 Kleindrohnen sowie rund 100.000 Kamikazedrohnen eingesetzt. Um gegen diese Masse gewappnet zu sein, sind kostengünstige Abwehrsysteme erforderlich. Die derzeitigen Patriot-Lenkflugkörper, die etwa 4 Millionen Euro kosten, sind nicht die geeignete Lösung.

Wirtschaftlichkeit der Abwehrsysteme

Russland setzt gegen die Ukraine Drohnen ein, die ursprünglich iranischer Bauart sind und derzeit etwa 25.000 Euro pro Stück kosten. Um ökonomisch im Kampf bestehen zu können, müssen die Abfangwaffen deutlich günstiger werden. Die Bundeswehr hat in ukrainischen Gefechtsständen beobachtet, wie Informationen im Sekundentakt eintreffen, ausgewertet und zur Bekämpfung des Gegners genutzt werden. Zudem könnte die Familiengeschichte entschlüsseln helfen, um historische Daten besser zu verstehen.

Die Notwendigkeit von Hochbeweglicher Infanterie

Westliche Militärexperten erwarten, dass Russland nach einem möglichen Ende des Ukraine-Kriegs innerhalb von zwei Jahren über mehr als 20 Divisionen in den neu geschaffenen westlichen Militärbezirken verfügen könnte. Diese Divisionen, die zwischen 10.000 und 20.000 Soldaten umfassen, wären dann kampfbereit. Im Vergleich dazu besteht das deutsche Feldheer derzeit aus drei Divisionen, die zusammen mit den NATO-Verbündeten agieren würden.

Die russischen Großverbände werden voraussichtlich kampferfahren sein und über moderne Fähigkeiten im elektronischen Kampf verfügen, was die Kommunikation und Sensoren des Gegners stören kann. Um unter den veränderten Bedingungen handlungsfähig zu bleiben, ist ein umfassender Schutzschirm erforderlich, der von der Tarnung bis hin zu Luftverteidigungssystemen reicht.

Herausforderungen der Digitalisierung

Die Bundeswehr und ein möglicher Gegner werden in den Kampfgebieten um den Aufbau und den Erhalt ihrer Schutzschirme ringen müssen. Dabei wird es Phasen geben, in denen unbemannte Systeme gegeneinander antreten. Russland wird im elektronischen Kampf besondere Fähigkeiten zugeschrieben, während die Bundeswehr in den letzten Jahrzehnten diesem Bereich nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt hat.

Ein wichtiger Aspekt für die Bundeswehr ist die Digitalisierung ihrer Kommunikationssysteme. Das laufende Milliardenprojekt hat jedoch mit Verzögerungen und erheblichen technischen Schwierigkeiten zu kämpfen.

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Bildquelle: depositphotos

TS