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Gregory Bovino: Der umstrittene ICE-Chef aus den Twin-Cities

Bovinos rücksichtsloses Vorgehen gegen irreguläre Einwanderer sorgt für Kontroversen und Vergleiche mit paramilitärischen Einheiten.

Greg Bovino gilt als Gesicht des rücksichtslosen Vorgehens der Abschiebebehörde ICE. (Archivfoto)
Foto: Jen Golbeck/AP/dpa

Die Twin-Cities sind in Aufruhr: Seit Wochen werden Minneapolis und Saint Paul von Tausenden Beamten der Migrationsbehörde ICE heimgesucht. Die maskierten Beamten ziehen Menschen teilweise gewaltsam von der Straße und aus ihren Häusern.

Viele Bürger wehren sich dagegen und zeichnen die Vorfälle mit ihren Handys auf, stellen sich manchmal den Beamten in den Weg. Zwei Menschen wurden seit Beginn des Jahres von Bundesbeamten aus nächster Nähe erschossen. Es soll nun einen Wechsel an der Spitze des umstrittenen Einsatzes geben. Wer sind die Männer, die Trumps Versprechen rigoroser Abschiebungen umsetzen?

Greg Bovino

Gregory Bovino wird kaum mit ICE so stark in Verbindung gebracht wie ein Name und ein Gesicht. Der 55-Jährige hat sich bereits in anderen US-Großstädten den Ruf erworben, bei seinen Feldzügen gegen irreguläre Einwanderer rücksichtslos vorzugehen. In North Carolina aufgewachsen, kann er bereits auf eine 30-jährige Karriere bei der US-Grenzschutzbehörde Border Patrol zurückblicken. Nach den jüngsten Vorkommnissen in Minneapolis wird er nach Kalifornien versetzt, wie US-Medien unter Berufung auf das US-Innenministerium berichteten.

Als «commander at large» – also Chef eines mobilen Kommandos der Border Patrol – war er im vergangenen Jahr unter anderem in Chicago, Charlotte und New Orleans im Einsatz. Auch dort war es zu Auseinandersetzungen mit Bürgern und scharfer Kritik gekommen. 

Blitzschnelles, aggressives Vorgehen

Er bestritt die Vorwürfe, dass seine Mitarbeiter Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe festnehmen, ohne Grund. Dennoch wird in den Medien immer wieder über US-Bürger berichtet, die plötzlich ins Visier der ICE-Agenten geraten.

Mit Bovinos «turn and burn»-Taktik, dem blitzschnellen, aggressiven Vorgehen gegen mutmaßlich irreguläre Einwanderer und allen, die sich seinen Beamten in den Weg stellen, schockierte er viele Amerikaner. Dazu gehört auch, dass er Vorwürfe mit scharfen Statements zurückweist. Bei US-Präsident Donald Trump verschaffte ihm das Vorgehen hingegen zunächst Anerkennung. Nach dem gewaltsamen Tod des Krankenpflegers Alex Pretti durch Bundesbeamten in Minneapolis trat Bovino vor die Presse und behauptete, dieser habe ein «Massaker» unter seinen Leuten anrichten wollen – ohne Beweise vorzulegen.

Bedient sich Bovino einer Nazi-Ästhetik?

Auf seinen Social-Media-Accounts präsentiert sich der wegen seiner geringen Körpergröße als «Little Napoleon» verspottete Bovino gerne in martialischen Posen. Teils wird ihm vorgeworfen, sich dabei einer Nazi-Ästhetik zu bedienen, wegen seines militärischen Haarschnitts und eines zweireihigen Mantels mit ausladendem Kragen. Bovinos Garderobe sehe aus, als habe er gezielt bei Ebay nach einer SS-Kluft Ausschau gehalten, sagte der demokratische Gouverneur Kaliforniens, Gavin Newsom, kürzlich. Bovino wies das zurück. 

Jedoch nicht nur das Aussehen, sondern auch die politische Instrumentalisierung der ICE-Behörde durch Bovino in seinen Hollywood-reifen Social-Media-Clips führte zu Vergleichen mit paramilitärischen Einheiten oder Polizeibehörden in autokratischen Systemen.

Tom Homan

Den Einsatz in den Twin Cities soll nun Tom Homan übernehmen. Trumps «Grenzschutz-Zar» wird vor allem mit dem Vorgehen gegen irreguläre Einwanderer während der ersten Amtszeit des Republikaners in Verbindung gebracht. Homan blickt auf eine vier Jahrzehnte währende Karriere in verschiedenen Grenzschutzbehörden zurück und ist mit der Oberaufsicht über Trumps Abschiebe-Politik betraut. Im Wahljahr 2024 kündigte er an, er werde «den größten Abschiebeeinsatz durchführen, den dieses Land je gesehen hat». 

Umstritten ist Homan vor allem wegen seiner Rolle bei der Trennung von Familien in den Jahren 2017 und 2018. Als Teil einer «Nulltoleranz-Politik» wurden Kinder damals ihren Eltern weggenommen, wenn Familien beim irregulären Grenzübertritt in die USA festgenommen wurden. Die Erwachsenen wurden in Abschiebezentren gebracht, während ihre Kinder teils Tausende Kilometer entfernt in Obhut genommen wurden. Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme gab es nicht. Noch Jahre später hatten es nach Angaben der Organisation American Immigration Council Tausende Kinder nicht geschafft, ihre Eltern wiederzufinden.

Dennoch wird Homan als weniger schädlich für die angespannte Situation in Minneapolis angesehen. Trotz seiner Reputation als Hardliner, der massenhafte Abschiebungen unterstützt, soll er laut Medienberichten kritisch gegenüber dem aggressiven Vorgehen der ICE-Behörde in Minneapolis stehen.

Angespanntes Verhältnis zwischen Homan und Noem

US-Heimatschutzministerin Kristi Noem dürfte der abrupte Austausch weniger gefallen. Einer Reporterin des US-Sender CBS News zufolge hatte sie Bovino gefördert und mit der Überwachung der Einwanderungsrazzien beauftragt – zu Homan soll sie dagegen ein angespanntes Verhältnis haben. «Axios» zufolge ist unklar, warum beide nicht miteinander arbeiten können – der Konflikt könnte einen persönlichen Hintergrund haben. Sowohl ICE als auch die Border Patrol unterstehen dem US-Heimatschutzministerium.

dpa