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«Hongkong 47»: Demokratie-Aktivisten schuldig gesprochen

Vor vier Jahren begehrte eine Gruppe von Demokratie-Aktivisten gegen die zunehmende Einmischung Pekings in Hongkong auf. Prompt landeten sie in Haft. Nun drohen ihnen harte Strafen.

Unterstützer halten vor einem Gericht in Hongkong Plakate mit den Fotos einiger der 47 angeklagten Demokratie-Aktivisten in die Höhe.
Foto: Kin Cheung/AP/dpa

In Hongkong wurden im bisher größten Prozess wegen angeblicher Verstöße gegen das umstrittene Sicherheitsgesetz in der chinesischen Sonderverwaltungsregion 14 Demokratie-Aktivisten schuldig gesprochen. Zwei Angeklagte wurden freigesprochen, wie das Gericht bekannt gab. Alle 16 hatten auf nicht schuldig plädiert. Die restlichen 31 von insgesamt 47 Angeklagten haben sich schuldig bekannt, ihre Urteile stehen noch aus. Das Strafmaß wird zu einem späteren Zeitpunkt verkündet. Die Anklage wegen Verschwörung zum Umsturz der staatlichen Ordnung kann im schlimmsten Fall zu lebenslanger Freiheitsstrafe führen.

Laut der in Hongkong erscheinenden Zeitung «South China Morning Post» verfolgten Diplomaten mehrerer Länder den Prozess vor Ort mit. Das Polizeiaufgebot vor dem Gericht im Stadtteil West Kowloon war groß. Unter den 47 Angeklagten sind zahlreiche prominente Aktivisten wie der ehemalige Studentenführer Joshua Wong und Juradozent Benny Tai. Die Gruppe von Oppositionellen wurde bereits vor mehr als drei Jahren angeklagt, die eigentliche Gerichtsverhandlung dauerte von Februar 2023 bis Dezember desselben Jahres. Nun fielen die ersten Urteile. 

Human Rights Watch kritisierte die Entscheidung. «Dass ein Hongkonger Gericht 14 Menschen für ihren friedlichen Aktivismus schuldig spricht, zeigt die völlige Missachtung von demokratischen politischen Prozessen und der Rechtsstaatlichkeit», sagte die für China zuständige Leiterin der Menschenrechtsorganisation, Maya Wang, laut Mitteilung.

Anklage wegen einer Vorwahl

Der auch als «Hongkong 47» bezeichneten Gruppe wird vorgeworfen, vor der – später wegen der Corona-Pandemie abgesagten – Wahl für den Legislativrat, Hongkongs Parlament, im Jahr 2020 illegale Vorwahlen organisiert zu haben. Damit hätten die Angeklagten Staatsgefährdung begangen und gegen das im Spätsommer desselben Jahres eingeführte Sicherheitsgesetz verstoßen.

Die Vorwahlen fanden im Juli 2020 statt, trotz der Warnungen der Hongkonger Behörden, dass sie gegen das nationale Sicherheitsgesetz verstoßen könnten, das wenige Tage zuvor in Kraft getreten war. Die Zentralregierung in Peking verteidigt das Gesetz, das nach massiven prodemokratischen Protesten eingeführt wurde, als notwendiges Mittel, um die Stabilität in Hongkong aufrechtzuerhalten. Kritiker argumentieren jedoch, dass es der Stadt und ihren Bewohnern ihre geschätzte Autonomie und Freiheiten beraubt.

Das Sicherheitsgesetz zielt auf Aktivitäten ab, die von der Kommunistischen Partei Peking als subversiv, separatistisch, terroristisch oder konspirativ eingestuft werden. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes wurden zahlreiche Aktivisten und Politiker verhaftet und strafrechtlich verfolgt, was zu erheblichen Einschränkungen der politischen Freiheiten und Meinungsfreiheit geführt hat. Viele bekannte Aktivisten sind ins Ausland geflohen.

dpa