Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

IAEA-Chef warnt vor Gefahr für Atomkraftwerk Kursk

Grossi warnt vor Angriffen am AKW Kursk und betont die Anfälligkeit für Schäden durch Drohnenangriffe oder Artilleriebeschuss. Die Reaktoren haben keine Schutzhülle.

Grossi macht sich ein Bild von der Lage im frontnahen AKW. (Archivbild)
Foto: -/kyodo/dpa

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, hat bei einem Besuch im frontnahen russischen Atomkraftwerk Kursk vor der Gefahr für den Meiler gewarnt. Das Kernkraftwerk in der Stadt Kurtschatow sei ein atomares Objekt, das in Betrieb sei, sagte Grossi bei einer vom russischen Staatsfernsehen übertragenen Stellungnahme. «Und Attacken können gefährlich enden», sagte er gemäß russischer Übersetzung. Die Kampfhandlungen in dem Gebiet riefen ernsthafte Besorgnis hervor.

Grossi warnte vor der Gefahr eines atomaren Zwischenfalls bei Kämpfen direkt am AKW. Die Reaktoren sind besonders anfällig für Schäden bei einem Drohnenangriff oder Artilleriebeschuss, da sie keine Schutzhülle haben. Trotzdem läuft der Betrieb bisher fast normal. Grossi hat die wichtigsten Einrichtungen inspiziert, darunter die Reaktoren- und Maschinenhallen, die Steuerungseinheit und das Lager für verbrauchte Brennelemente.

Laut Angaben der russischen Atomenergie-Holding Rosatom hat sich Grossi auch die Spuren an der Anlage nach vermuteten ukrainischen Angriffen angesehen. Der IAEA-Chef hat nach russischen Angaben erneut darauf bestanden, dass die Regeln für die nukleare Sicherheit eingehalten werden müssen. Er betonte, dass Atomkraftwerke nicht als Kriegsziele genutzt werden dürfen.

Grossi plant Gespräche mit Präsident Selenskyj in Kiew

Nach dem Beginn der ukrainischen Offensive am 6. August berichtete Russland, dass Trümmer einer abgeschossenen Rakete auf das AKW-Gelände in der Region Kursk gefallen seien. Der russische Präsident Wladimir Putin beschuldigte außerdem die Ukraine, am 22. August versucht zu haben, das AKW anzugreifen.

Grossi sagte, dass Putin ihn persönlich zu dem Besuch im AKW eingeladen habe. Es sei entscheidend, die Kommunikation offen zu halten und die Kooperation fortzusetzen. Grossi beabsichtigt laut eigenen Angaben auch nach Kiew zu reisen, um mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu sprechen.

Es handelt sich um das AKW Saporischschja, das von russischen Truppen besetzt gehalten wird, sowie um weitere Nuklearanlagen im Land. Grossi erklärte, dass Kiew um eine Erweiterung der Präsenz der IAEA in der Ukraine gebeten hat. In dem AKW Saporischschja arbeiten Experten der IAEA.

Grossi hat bereits mehrfach das russisch besetzte ukrainische AKW Saporischschja besucht und dort ein IAEA-Team stationiert. Die ständige Präsenz der internationalen Fachleute dient nicht nur der Beobachtung der Lage, sondern auch der Abschreckung von Kampfhandlungen, die einen Atomunfall auslösen könnten.

Zivilschutz: Strahlenwerte im Normbereich

Laut Angaben des russischen Zivilschutzes lagen die Strahlenwerte in Kurtschatow im Normbereich. Die ökologische Situation werde kontinuierlich überwacht, wurde betont.

Das Atomkraftwerk in der Stadt Kurtschatow befindet sich ungefähr 30 Kilometer von der äußersten Frontlinie der Ukrainer entfernt. Der Vormarsch gemäß ukrainischen Berichten dauert an. Es ist jedoch noch unklar, ob das Atomkraftwerk ein Ziel des ukrainischen Vormarsches ist.

Rosatom-Chef Alexej Lichtschow hat angekündigt, dass er nächste Woche mit Grossi in Kaliningrad an der Ostsee zusammenkommen möchte, um die Ergebnisse des Besuchs in Kursk zu besprechen. Während Grossis Aufenthalt gab es Berichten zufolge laut russischen Medien Luftalarm wegen angeblich möglicher Raketenschläge.

dpa